Dienstag, 6. August 2013
Die lieben Kröten
So wie es aussieht, bekomme ich für's zweite Jahr doch tatsächlich Geld von der britischen Regierung, um mein Studium zu finanzieren! Yippiiiiie.
Systematisierung
Ich wurde heute systematisiert. Das bedeutet, mein Arbeitsbereich in meinem Job wurde, zwecks Einheit in allen Filialen deutschlandweit, in ein System gezwungen, dem ich nun bis ins Detail zu folgen habe. Dazu habe ich heute eine dreistündige Schulung durchlaufen, in der mir eben diese Klein- und Feinheiten erläutert und gezeigt wurden. Es gibt jetzt Listen, die ich abhaken muss, und Aufkleber, die ich mit Daten versehen muss, und Wasserhähne, die ich auf- und zudrehen muss, und vier Ordner, die ich mir einverleiben darf. Und wenn ich damit fertig bin, muss ich zählen, und zwar alles, was nicht bei drei in den Lagern ist. Das dient zunächst der corporate identity und zweitens Versicherungsgründen, drittens der Hygiene - und viertens der Kontrolle. Denn klauen wird bei einer täglichen Inventur ganz schön schwierig, und auch in zwei Jahren sind Arbeitgeber, Bund und Land durch die lieblich ausgefüllten Listen in der Lage, nachzulesen, ob ich in meinem Sommerjob denn auch wirklich zweimal pro Woche die Schubladen von unten abgewischt habe.
Bürokratie vom feinsten, und wieder einmal die Erkenntnis: Im System wird der Mensch immer mehr zur Maschine.
Bürokratie vom feinsten, und wieder einmal die Erkenntnis: Im System wird der Mensch immer mehr zur Maschine.
Donnerstag, 1. August 2013
Review: "Jonathan Strange & Mr Norrell", Susanna Clarke
Es ist August, und somit der erste Monat, in dem das kleine Antiquariat am Wendehafen nicht mehr existiert. Das ist ganz schön traurig, vor allem in der Hinsicht, dass ich den Laden erst im Juli für mich entdeckte. Wenigstens einen Schatz fand ich immerhin dort: Susanna Clarkes Jonathan Strange & Mr Norrell, in einer wunderschönen, illustrierten dreibändigen Schuber-Ausgabe, in der Original-Sprache Englisch. Nun ist es verschlungen und verdaut, und ich bin irgendwie glücklich.
Jonathan Strange & Mr Norrell erzählt davon, wie die Magie zu Anfang des 19. Jahrhunderts nach Großbritannien zurückkehrt. Norrell, der zunächst einzige praktizierende Magier im Land, und sein Schüler Strange sind sich bald uneinig, wie weit sie ihre Macht einsetzen können und dürfen. Als ein trickreicher, mies gelaunter Feen-König ins Geschehen eingreift, weil er sich in den Kopf gesetzt hat, einen seiner Günstlinge zum neuen englischen König zu machen, und Großbritannien sich im Krieg gegen Napoleon nicht mehr zu helfen weiß, müssen beide Zauberer weitreichende Entscheidungen treffen, die - Magie hält, wie man spätestens seit Harry Potter weiß, ja immer einige Fallstricke bereit - gerne mal das Gegenteil vom Erwünschten erreichen. Während Strange und Norrell sich zunehmend bekriegen, wird die Gefahr von außen immer drückender, bis hin zum packenden Showdown.
Nachdem ich eine ganze Weile der Fantasy den Rücken gekehrt hatte, bin ich spätestens seit Der Kleine Hobbit wieder offen dafür - und ich muss sagen, in diesem Fall hat es sich gelohnt. Susanna Clarke schreibt ganz wunderbar und allein für gute Autoren lese ich gerne. Clarke hat sich ein Beispiel am populären Schreibstil des 19. Jahrhunderts genommen und ihren Stil behutsam angepasst - in der Rechtschreibung, in den rhetorischen Mitteln, der Erzählweise. So liest es sich gleichzeitig modern, spannend und doch, als wäre man in einer ganz anderen Zeit, ganz woanders.
Das Buch nimmt langsam Tempo und Action auf, führt erst geruhsam ins noch magiearme Großbritannien ein, zieht durch die Kriegszeiten an, bevor am Ende (fast ein wenig hektisch) Schlag auf Schlag und Zauber auf Zauber folgt. Es ist sorgsam recherchiert worden, und die englische Gesellschaft und der Krieg werden wortreich und vielfältig beschrieben. Die Gestalten sind mitunter kurios, und hier und da blitzt ein schalkhaftes literarisches Augenzwinkern auf, oder eine wahrlich slapstick-hafte Szene, die den Roman zu einem wahren Vergnügen machen. Keine der Figuren (auch die bisweilen sehr liebenswürdigen Nebenfiguren) ist einseitig, nie fehlt es an Antrieb oder Charakterisierung, und so manche Wendung ist wirklich kaum vorhersehbar - wie auch, bei der ganzen Magie wissen selbst Strange und Norrell nicht immer, was passieren wird. Das macht es so spannend, dass ich das Buch manchmal kaum weglegen wollte.
Für mich ist es auch immer ein gutes Zeichen, wenn ein Buch ein Kopfkino auslöst, wenn ich den Text quasi schon auf der Leinwand sehe. Clarke hat ein ganzes Sammelsurium an wunderschönen Bildern herauf beschworen, und das Buch zählt ab jetzt zu einem meiner Liebsten - ich kann es euch allen nur empfehlen. Jonathan Strange sieht übrigens, wenigstens für mich, aus wie James McAvoy.
Jonathan Strange & Mr Norrell erzählt davon, wie die Magie zu Anfang des 19. Jahrhunderts nach Großbritannien zurückkehrt. Norrell, der zunächst einzige praktizierende Magier im Land, und sein Schüler Strange sind sich bald uneinig, wie weit sie ihre Macht einsetzen können und dürfen. Als ein trickreicher, mies gelaunter Feen-König ins Geschehen eingreift, weil er sich in den Kopf gesetzt hat, einen seiner Günstlinge zum neuen englischen König zu machen, und Großbritannien sich im Krieg gegen Napoleon nicht mehr zu helfen weiß, müssen beide Zauberer weitreichende Entscheidungen treffen, die - Magie hält, wie man spätestens seit Harry Potter weiß, ja immer einige Fallstricke bereit - gerne mal das Gegenteil vom Erwünschten erreichen. Während Strange und Norrell sich zunehmend bekriegen, wird die Gefahr von außen immer drückender, bis hin zum packenden Showdown.
Nachdem ich eine ganze Weile der Fantasy den Rücken gekehrt hatte, bin ich spätestens seit Der Kleine Hobbit wieder offen dafür - und ich muss sagen, in diesem Fall hat es sich gelohnt. Susanna Clarke schreibt ganz wunderbar und allein für gute Autoren lese ich gerne. Clarke hat sich ein Beispiel am populären Schreibstil des 19. Jahrhunderts genommen und ihren Stil behutsam angepasst - in der Rechtschreibung, in den rhetorischen Mitteln, der Erzählweise. So liest es sich gleichzeitig modern, spannend und doch, als wäre man in einer ganz anderen Zeit, ganz woanders.
Das Buch nimmt langsam Tempo und Action auf, führt erst geruhsam ins noch magiearme Großbritannien ein, zieht durch die Kriegszeiten an, bevor am Ende (fast ein wenig hektisch) Schlag auf Schlag und Zauber auf Zauber folgt. Es ist sorgsam recherchiert worden, und die englische Gesellschaft und der Krieg werden wortreich und vielfältig beschrieben. Die Gestalten sind mitunter kurios, und hier und da blitzt ein schalkhaftes literarisches Augenzwinkern auf, oder eine wahrlich slapstick-hafte Szene, die den Roman zu einem wahren Vergnügen machen. Keine der Figuren (auch die bisweilen sehr liebenswürdigen Nebenfiguren) ist einseitig, nie fehlt es an Antrieb oder Charakterisierung, und so manche Wendung ist wirklich kaum vorhersehbar - wie auch, bei der ganzen Magie wissen selbst Strange und Norrell nicht immer, was passieren wird. Das macht es so spannend, dass ich das Buch manchmal kaum weglegen wollte.
Für mich ist es auch immer ein gutes Zeichen, wenn ein Buch ein Kopfkino auslöst, wenn ich den Text quasi schon auf der Leinwand sehe. Clarke hat ein ganzes Sammelsurium an wunderschönen Bildern herauf beschworen, und das Buch zählt ab jetzt zu einem meiner Liebsten - ich kann es euch allen nur empfehlen. Jonathan Strange sieht übrigens, wenigstens für mich, aus wie James McAvoy.
Mittwoch, 24. Juli 2013
Montag, 15. Juli 2013
Thank you very much.
Das House of Lords des englischen Parlaments hat die Gleichstellung der Ehe durchgewunken. Geht doch.
(Danke an AllOut)
Yippie! England und Wales haben jetzt die Gleichstellung, und ich lebe im richtigen Land!
Sonntag, 7. Juli 2013
Was ich mache
- arbeiten und zwar gleich in zwei Jobs (hurz!)
- faulenzen, wenn ich nicht arbeite
- meine besten Freundin (und andere) mit ausgeprägtem Post-Shakespeare-Festival-Wahnsinn nerven
... das sind meine Semesterferien. Juhu!
Donnerstag, 4. Juli 2013
Ein paar Worte zu... Frankreich
"Homo-Ehen-Gegner fürchten rechte Wirrköpfe"... finde den Fehler.
...Das schrieb ich vor ein paar Wochen zu einem Zitat aus einer größeren deutschen Tageszeitung, die sich mit der konservativen Bewegung in Frankreich beschäftigte. Mangels Zeit, Lust und Geduld, mich mit dem ganzen Hass, der aus Frankreich daher schwappte, führte ich das nie weiter aus und veröffentlichte diesen kleinen Kommentar auch nicht. Jetzt habe ich ihn gerade in meinen Blogentwürfen wieder gefunden und fühlte mich spontan an meine Lieblingsmeldung der Woche erinnert:
Marine Le Pen, Vorsitzende der rechtsextremen Front National und Mitglied des Europaparlaments, wurde ihre Immunität aberkannt, damit sie in Frankreich wegen Rassismus vor Gericht gebracht werden kann. Mir persönlich tut sie ja kein Stück leid. Seit der Proteste in Frankreich steht sie gleich hinter Frigide Barjot auf meiner persönlichen Hass-Liste, die aus keinem anderen Grunde zustande kam, als dass ich Menschen verachte, die aus purem Hass auf andere Menschen und in voller Ungerechtigkeit auf die Straße gehen, zu Gewalt aufrufen und ihre Böshaftigkeit versprühen, in dem verblendeten und ignoranten Glauben, für die Mehrheit zu sprechen.
Denn es ist ja so: Welchen Vorteil ziehen Leute wie Le Pen oder Barjot daraus, wenn Homosexuelle nicht heiraten dürften? Richtig, keinen. Folglich kann ihr einziger Beweggrund nur die Ablehnung, der Hass, der Wunsch, andere ihrer Grundrechte zu berauben, sein.
Jetzt hat es eine von ihnen erwischt. Ja, ich bin schadenfroh. Muhaha.
Abonnieren
Posts (Atom)

