Posts mit dem Label Fotografie (allgemein) werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Fotografie (allgemein) werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 23. Februar 2015

Wenn es jetzt noch schneite...

Heute morgen blinzelte ich verschlafen das Handy an, welches mich verzweifelt zu wecken versuchte, und wurde gleich mit der liebevollen Botschaft "Aufstehen! Es schneit!" begrüßt. Im Kopf noch ganz dröselig taumelte ich also ins Bad, nur um festzustellen, dass die freundliche Schweizerin, die mir geschrieben hatte (und die es doch eigentlich besser wissen müsste!) gelogen hatte. Das bisschen Graupel konnte man kaum Schnee nennen. So nicht.
Aber nun war ich schon einmal wach und konnte mich so auch fast pünktlich auf den Weg zur Uni machen, wo ich - man glaubt es kaum - meine Dissertation drucken lassen habe. Für die, die jetzt staunen: Ja, sie ist fertig. Sie hat einen Titel, eine Widmung und alles, was das Herz begehrt. Für die, die jetzt noch mehr staunen: Die Dissertation ist das britische Pendant zur Bachelor-Arbeit. Nein, ich promoviere nicht.
Und nun ist sie fertig! Und gedruckt! Und gebunden! Ich verzog mich folglicherweise erst einmal mit Schokolade und Buch ins Bett, einfach mal chillen. Draußen feinstes April-Wetter - Sonne, Regen, Hagel, alles, nur kein Schnee...
Und dann lugte ich arglos in meinen Twitter und was sah ich da? Irgendein Gebrabbel von meinem Theater. Vier von fünf Sternen im Guardian. Nicht schlecht. Moment. Wer hatte noch die Fotos für's PR gemacht... Ah ja. Meine Bilder im Guardian. Mit meinem Namen drunter. Mit Vorschau auf der Guardian-Kultur-Seite. Verrückt.

Mit Vorschau auf der Guardian-Kultur-Seite! (Oben rechts.)
Was für ein verrückter, verrückter Tag. Wenn es jetzt wirklich noch schneien würde...

Samstag, 11. Oktober 2014

Wer lesen kann, muss auch mal schreiben

Sommer auf dem Tempelhofer Feld
Hier bin ich also. Die Uni hat wieder begonnen, und tralala, warum nicht einfach mal zwei Fotoprojekte und eine BA-Arbeit auf einmal auf die Studenten loslassen; es sind schließlich Studenten, die haben ja sonst nichts zu tun?
(Fairerweise muss man ja sagen, dass wir *tatsächlich* sonst nichts zu tun hätten, und dass wir ja an der Uni sind, um Fotoprojekte zu machen und Essays zu schreiben. Trotzdem. Hmpf.)
Dementsprechend vollgepackt sind meine Wochen im Moment. Ich versuche, mir darüber klar zu werden, was ich für das Projekt Kapitalismus im 21. Jahrhundert (deren Titel, nicht meiner) fotografieren will - ich muss das Anfang November abgeben. Gleichzeitig muss ich schon Präsentationen für das große, wichtige Abschlussprojekt vorbereiten. Und der Lesestoff für die BA-Arbeit liest sich leider auch nicht von allein.
Also flüchte ich. Am letzten Wochenende war ich in Hammersmith, London, beim zauberschönen, internationalen Theaterfestival All Change, wo es viel um's Geschichten-Erzählen ging, wo ich meine herzallerliebsten Jungs und Mädels von Barrel Organ wiedersah und ein wenig fotografierte. Außerdem besuchte ich die wunderbare Giulia, die ja netterweise immer eine Yoga-Matte für meine Übernachtungsbesuche bereit hält - auch kommende Woche wieder. Und ich war in meinem oberallerLieblingsbuchladen Gay's The Word (ich weiß, allein der Name!), den ihr alle, alle kennen werdet, wenn ihr erst einmal Pride gesehen habt! [Filmstart in Deutschland: 30.10. Keine Ausreden.] Dort hat mich Jim, Geschäftsführer und Gentleman der alten Schule, mit einem Stapel Bücher und einer DVD für meine BA-Arbeit versehen, und wir haben uns ganz gemütlich verquatscht. Außerdem war ich noch im besten Museum der Welt, dem ständig erwähnten Victoria and Albert Museum (V&A), die eine großartige und kostenlose Ausstellung zum Thema Protest laufen haben. Dort kamen mir fast die Tränen, weil die ein T-Shirt und ein Poster von Act Up haben. Mit dem Design, um das es in meiner BA-Arbeit geht. Mit Original-Notizen vom Designer. Hach.
Manchmal flüchte ich auch einfach vor den Computer. Gestern habe ich fleißig zwei Filme vom Sommer gescannt, mich wohlig in den Erinnerungen gesonnt und mich gefreut. Meinen Projekten geht's jetzt zwar immer noch nicht besser. Aber mir.
Am Mittwoch stürze ich mich dann also in den Kapitalismus des 21. Jahrhunderts. Ein Flucht-Theater-Termin ist aber schon arrangiert. Man darf sich ja nicht verrückt machen lassen. Schon gar nicht vom Kapitalismus, oder von Margaret Thatcher - um die geht's im nächsten Projekt. Grausig, gell?
Haha, 'gell'. Die süddeutschen Mitbewohner üben ihren Einfluss auf mich aus.
Sommer in Rumänien

Samstag, 24. Mai 2014

Öffentliche Meinung

Das denkt also mein Brüderchen über meine Fotografie:


Ich fühl mich ja ein bisschen geehrt. (Das Flugzeug würde ich aber auch fotografieren.)

Mittwoch, 7. Mai 2014

Theater I

Schon viel zu lange her ist es: das National Student Drama Festival (NSDF), das vor Ostern in Scarborough stattfand. Ich durfte, dank eines Wettbewerbs mit der Kreativplattform IdeasTap, als einer von zwei offiziellen Festival-Fotografen fungieren - das war ein Spaß!
Scarborough ist ein recht kleines Städtchen an der Nord-Ost-Küste Englands, quasi auf der anderen Seite der Nordsee von der Heimatstadt aus gesehen, sehr mondän und sehr gemütlich, aber immerhin Heimat einer recht pfiffigen Theaterszene, die jedes Jahr vom NSDF noch angefeuert wird. Am NSDF dürfen alle teilnehmen, die zwischen 16 und 25 Jahre jung sind und Theater machen - unter der Voraussetzung, dass man von den sogenannten Selektoren, die jedes Jahr durchs Land reisen und Angst und Schrecken verbreiten (so stelle ich mir das vor), ausgewählt wird. Eine gewisse Qualität ist also sicher gestellt - würde man zumindest denken.
Giulia, meine herzallerliebste Mit-Fotografin, und ich sahen uns dabei einer kleinen Herausforderung gegenüber. Trotz beinahe jahrhundertelanger Festival-Tradition und einem lange, lange existierenden Festival-Magazin namens NoisesOff gab es nämlich noch nie Festival-Fotografen, und keiner hatte so richtig 'nen Plan, wie das denn laufen soll. Aber das haben wir natürlich locker-flockig gemeistert. Mit unseren Pässen, die um unsere Hälse baumelten und in Knallrot "Photographer" verkündeten, haben wir uns einfach in die Probe zur ersten Vorstellung geschlichen, nett Hallo gesagt und die Kameras gezückt. Das fanden die gar nicht so schlecht. Wir auch nicht.
Die ersten: Hungry Bitches mit "America". Name ist Programm, und so.
Nach 'ner Weile hatten wir's dann drauf, die Produzenten/Regisseure/Frauen für alles - welche Nummer man auch immer bekam - einfach vorher anzurufen oder anzuschreiben und ein paar Fototermine klar zu machen. Oder man freundete sich einfach mit einem Schauspieler in der Pausendisco an, das machte auch vieles sehr viel entspannter. So zogen wir dann täglich, bepackt mit Kamera, Monster-Objektiven und Keksen von Spielort zu Spielort, sagten nett Hallo, bekamen nett Hallo zurückgesagt und schon waren die Bilder im Kasten.
Festival-Sweethearts: Giulia und Will, "Enron"-Schauspieler
Morgens saßen wir meist im NoisesOff-Büro, lauschten den netten Theater-Kritikern, die sich dort Strom, Internet und Kaffee mit uns teilten und bearbeiteten die Bilder, während draußen die Surfer die ziemlich windige See eroberten - der Strand war nämlich gleich vor der Tür. Unterstützt wurden wir von unserem Mentor (oho!) Tony, von IdeasTap angeheuert und selbst begeisterter und höchst erfahrener Theaterfotograf. Der fand das, was wir da so knipsten, auch erstmal gut. So gut anscheinend, dass er uns fast täglich statt der vereinbarten zwei Mal besuchte und sich mit uns über die besten Bilder freute. Tony nahm uns auch die Angst vor der zweiseitigen Liste mit Anforderungen, die uns die Sunday Times geschickt hatte - er war da ganz lässig, nationale Zeitungen, die unsere Bilder wollen, sind doch ein Klacks, pah, und überhaupt, mit ein bisschen Photoshop und einer gesunden Portion Selbstvertrauen und haha, unserem Talent, wäre das alles ein Klacks. Notiz am Rande: Tony hat mal eine Geschichte über depressive Pinguine an die Bild-Zeitung verkauft. Ist dem Mann zu trauen?
Vorm Büro gleich rechts
Und natürlich, natürlich haben wir ganz viel Theater gesehen! Elf Shows insgesamt, davon vier Musicals, zwei Improvisationsstücke, zwei Highschool-Massaker, ein Stück über Plastikenten. Wobei es schon viel Geduld bedurfte, die jeweils drei Stunden "Jerusalem" und "Spring Awakening - The Musical" durchzuhalten. Dafür hätten "The Duck Pond" (eine charmante Enten-Version von Schwanensee) und "Road" (ein mehrbühniges Theater-Movie über die Thatcher-Ära) auch länger sein dürfen. Wir haben alles fotografiert und dann begeistert (mehr oder weniger) zugeguckt und geklatscht und Bühnenluft geschnuppert, hmmm. So viel Theater! Workshops! Diskussionen! So viele Bilder! Wir bekamen uns nicht mehr, Tony und das NoisesOff-Team bekamen sich nicht mehr ein, und die Sunday Times hat sich, glaube ich auch gefreut. Am Ende waren das sechs Bilder von mir auf deren Website und ein bisschen mehr Geld auf meinem Konto. Hehehe. Wir sind auf ein paar Websites gelandet. Und auf dem NoisesOff-Print-Cover war ich gleich fünf Mal in Folge... man muss auch mal angeben dürfen.
Abgebaut wurde auch...
Hach! Ich könnte noch so viel mehr erzählen. Von meiner äußerst charmanten Landlady im Mountview Hotel zum Beispiel, von all den Witzen, die im Büro gerissen wurden und mich diese Umgebung so schrecklich vermissen lassen, von der Frisur, die am Ende des Festivals alle (mir inklusive) trugen, von all den Theaterstücken, denen dieser Bericht gar nicht gerecht wird, vom hervorragenden Wetter, von dem Hasen, dem Mond...und...und...und...
Vielleicht hab ich ja noch ein Lieblingsbild für euch? Ich geh' mal stöbern.
The Duck Pond. Ohrwurmlastig. Und toll.

Samstag, 22. März 2014

Ich bin dann mal die langsame Welle reiten

Das Leben in Newport verläuft nun, nach Abreise meines hochgeschätzten Besuchs, eher gemütlich. Es dümpelt langsam vor sich hin. Eigentlich ist schrecklich viel zu tun - es wollen Pappsets gebaut, Fotobücher designt, Bücher gelesen, Essays geschrieben werden, und argh, bald ist auch schon wieder Ostern, also minus zwei Wochen Arbeitszeit, und dann sind ja auch schon die Deadlines und so - aber mein Körper hat sich mal wieder entschieden, in Schockstarre zu fallen und das Gegenteil vom Verlangten zu tun. Wenn am meisten zu tun ist, komme ich gar nicht erst aus dem Bett, das ist ein Naturgesetz. Also habe ich heute den Großteil des Tages im Bett verbracht.
Was ja nicht heißt, dass ich gar nichts mache. Okay, mal abgesehen von den anderthalb Stunden "Leoparden küsst man nicht" (Cary Grant! Katherine Hepburn! Leoparden!) war ich tatsächlich halbwegs produktiv. Zwar habe ich keinen Finger für's nächste Pappset gerührt, aber fleißig für's literature review gelesen...da ist der Termin Anfang Mai, also quasi übermorgen.

Cindy Patton, Laptop und improvisierter Nachttisch.
Gestern abend noch war ich auf der ausgezeichneten Ausstellung unseres Kursleiters Paul, der in Penarth eine Retrospektive zeigt und uns alle eingeladen hatte - es sind auch alle gekommen, außer Kieran, die Ffotogallery (kein Rechtschreibfehler, nur Walisisch) war gerappelt voll. Schön war's. Interessant war's. Und nun lese ich über die Entstehung und Entwicklung homosexueller Gemeinschaften in den ersten Jahren mit AIDS... wusstet ihr, dass AIDS eigentlich zuerst in den späten Siebzigern unter Drogenabhängigen in Form von Lungenentzündungen ausbrach? Das erkannte damals nur keiner. So ein Pech.

Mary-Louise Parker, D800 und improvisierte Studiobeleuchtung.

Freitag, 14. März 2014

Basteln II

Man hat ja echt nichts Besseres vor - außer Besuch haben vielleicht - als Basteln. In Wales werden die Tage schön, und trotzdem mühe ich mich in meinem Zimmer mit Kleber und Pappe rum. Irgendwie muss ja ein Fotoprojekt zustande kommen. Und wenn die Lochkamera nicht will (hmpf), dann muss eben Tom Hanks her.

Bildqualität: Handy. Keine Sorge, benutze ich nicht für's Projekt.

Montag, 3. März 2014

Basteln

Basteln fand ich, glaub ich, zuletzt als Kindergartenkind toll. Damals fand ich es auch noch lustig, Kleber an den Fingern (und unter den Fingernägeln) zu haben und stundenlang auf dem Fußboden über einer Bastelunterlage zu hocken. Heute nicht mehr, eigentlich.
Doch was mache ich? Ich bastle mir eine Kamera. Manchmal bin ich einfach unbelehrbar. Ich habe beschlossen, meinem Schicksal zu trotzen, mir ein noch widersinnigeres Projekt als das letzte zu suchen - ich habe ja noch eine Woche - und mir eine Lochkamera zu bauen. Das braucht sehr viel Kleber, sehr viel Fingerspitzengefühl, und viel Zeit. Ein Wahnsinn. Fuh. Immerhin sieht's allmählich (nach der Hälfte der Arbeitsschritte) nach etwas aus.
Vielen Dank übrigens an den großzügigen Spender, mein Brüderchen, der diesen Irrsinn mit seinem Geburtstagsgeschenk überhaupt erst möglich machte.

Freitag, 8. November 2013

Dienstag, 5. November 2013

Upgrade

Hahaha, schaut euch das an:

Und das alles für eine halbe Stunde vor Einlass von 1984, in der ich durch die Gegend gerannt und auf Dinge geklettert bin, Objektive allerortens verloren und wiedergefunden, mein Stativ umgebaut und lustige Langzeit-Aufnahmen gemacht habe. Das war alles nicht so professionell, aber lustig. 

Sonntag, 3. November 2013

Kontakt

Womit habe ich heute den Tag verbracht? Nun, abgesehen davon, dass ich dem Regen zugeschaut und überlegt habe, eine Arche zu bauen - habe ich Fotos editiert. Ohne Ende. Okay, doch mit Ende, aber jenes Ende kam erst gerade eben und nun hab ich genug davon, stundenlang auf Fotos zu starren. Also einen Blog schreiben! Hab aber nichts zum Schreiben. Hmm.
Es ist wirklich gar nicht so viel passiert... Mittwoch Fotos machen, Donnerstag ausschlafen und Frankenstein im Kino gucken, Freitag Film entwickeln (und ruinieren - besser nicht nachfragen), Samstag Fotos machen, Sonntag Fotos editieren. Öh.
Die beiden Foto-Termine hatte ich, wie bereits erwähnt, bei Kontakt im Sherman Cymru Theater - ein ganz fantastisches "Theater-Experiment", in dem jedes Publikumsmitglied an einem eigenen Tisch saß, gegenüber wechselnden Schauspielern. Gespräche wurden geführt, es wurde getanzt, geschwiegen, gemalt. Sehr intensiv, sehr interessant, sehr schön. Das war wohl mein Highlight dieser Tage.
Und morgen bin ich ganz von Anfang an bei den Proben zu Sleeping Beauties dabei! Juhu! Ich bin etwas aufgeregt.

Sonntag, 27. Oktober 2013

Endlich Meer

le monde et la mer hat es endlich so richtig ans Meer geschafft - ganz dem Blog-Namen entsprechend! Von Freitag auf Samstag war ich nämlich in Aberystwyth - ihr merkt es schon an den vielen y's: tief in Wales, weit weg von der Grenze, an der Irischen See.
Irische See (ein Ausschnitt)
Meiner allerliebste Theater-Compagnie Propeller spielte am Freitagabend ihren Pocket Merchant im Aberystwyth Arts Centre und so ließ ich mich von Mira, einer Kommilitonin, im Auto mitnehmen. Unser Roadtrip war schon recht unterhaltsam, denn je nördlicher man gelangt, desto ländlicher wird es - wie man sich Wales eben vorstellt: grün, wild, mit vielen Flüsschen und vielen Schäfchen, und zudem hatten wir bestes walisisches Wetter, also Regen und Sturm. Mit guter Musik und Salt-and-Vinegar-Chips ausgestattet, erschütterte uns das nicht weiter.

Irgendwo bei Rhayader
In Aberystwyth angekommen, guckten wir uns zunächst eine halbwegs interessante Ausstellung von Landschaftsfotografie aus Palästina an, bevor Mira mich bei meinem Gastgeber für die Nacht ablieferte: Tom, Waliser, Student, und leidenschaftlicher Veggie-Burger-Koch. Den hatte ich über die Internetplattform Couchsurfing kennengelernt, und ich muss sagen, meine erste eigene Erfahrung als Couchsurfer hat mir durchaus gefallen. Tom wohnt mitten in der Innenstadt von "Aber" - was nicht viel aussagt, denn man gelangt zu Fuß innerhalb von 30 Minuten von einem Ende von Aberystwyth zum anderen. Er kümmerte sich um mich, bekochte mich (wirklich ausgezeichnete Burger!) und brachte mich rechtzeitig zum Arts Centre auf dem Uni-Campus, um dann dort zu arbeiten, während ich im Theater saß.
Der Pocket Merchant ist eine einstündige, aufs Wesentliche reduzierte Version des Kaufmann von Venedig von Shakespeare, vor allem auf jüngeres Publikum zugeschnitten. Ich hatte die längere Fassung von Propeller vor einigen Jahren in Neuss gesehen, und es war interessant, es nun im neuen Gewand, mit weniger Schauspielern und minimalen Bühnenbild zu sehen. Persönlich bevorzuge ich wohl die lange Fassung, aber was den Abend für mich wirklich besonders gemacht hat, ist, dass zum Pocket Merchant ein Gespräch zwischen Publikum und Schauspielern gehört, in dem man alles fragen darf, was man will. Es entwickelte sich eine höchst spannende Diskussion über den Antisemitismus des Stückes, und den Wert des Theaters im Allgemeinen und des Stückes im Speziellen für die Jugend. Die Schauspieler waren total locker und gut drauf und gaben sich Mühe, jeder Frage gerecht zu werden. Das war toll, allein für das Gespräch lohnte sich die Fahrt und das Eintrittsgeld.
Mit Tom lief ich dann zurück in die Stadt, lernte, dass die Kleinstadt Aberystwyth ganze 50 Pubs aufweisen kann. Wir hatten unsere erste politische Diskussion des Abends - Tom studiert internationale Politik - und beschlossen, zu einer kleinen Stadtführung im Dunkeln aufzubrechen, begleitet von Patrick, einem seiner Mitbewohner. Wenn man von Toms Wohnung zweimal um die Ecke läuft, kann man bereits die Wellen am Strand brechen hören. Die Schlossruine ist im Dunkeln beleuchtet, und Abers Promenade hat im Dunkeln einen ganz eigenen Charme. Ein sehr netter erster Eindruck dieser kleinen Stadt am Meer. Zusammen landeten wir dann in einem der vielen Pubs und verquatschten uns ordentlich. Die Diskussionen führten wir sogar "zuhause" noch weiter. Es wurde eine kurze Nacht auf Toms Sofa, denn um acht Uhr morgens mussten wir schon wieder aus den Federn - er musste zu einem Seminar, ich zum Zug.
Das nördliche Ende von Aber, Constitution Hill und die See
Netterweise war sein Seminar am Strand - weswegen ich das Meer auch noch mal bei Tag zu sehen bekam. Gerade als ich das erste künstlerisch wertvolle Foto auf Film bannen wollte, hauchten die Batterien meiner F3 ihren letzten Atem aus, daher müsst ihr mit Handyfotos vorlieb nehmen. Aber so habe ich immerhin einen Grund, nach Aber zurückzufahren. 
Zurück ging es dann mit dem Zug, entlang Orten mit wilden Namen wie Machynlleth oder Shrewsbury und malerischen Landschaften. Nach knapp fünf Stunden war ich wieder in Newport, um ein Abenteuer und neue Bekanntschaften reicher, schrecklich müde und ziemlich glücklich. Oh, ich mag das Meer, und das Theater, und Wales.
Zwischen Borth und Machynlleth

Mittwoch, 23. Oktober 2013

Ganz nah dran (und doch daneben?)

Heute war ich in Cardiff, und oh, es war so schön. Die Sonne schien, und es war warm, und ich war im Theater...
Ich habe ja noch gar nicht richtig berichtet, was ich so plane. Meine Projekt-Gruppe hat sich mit Hängen und Würgen auf das Thema "Night/Nacht" geeinigt. Weil ich keine Lust habe, zu unmenschlichen Uhrzeiten aufm Feld zu stehen, habe ich das Thema etwas wörtlicher genommen und in Bezug zu "opening night" (Premiere) gesetzt - also werde ich ins Sherman Theater zurückkehren, und dort auf Schwarz-Weiß-Film etwas daherschießen. Ich sage das sehr salopp, weil ich eine genaue Vorstellung habe, wie es aussehen soll - aber immer, wenn ich versuche, es zu beschreiben, versteht es keiner.
Also traf ich heute Phil, denn das inzwischen angeleierte Projekt drohte - wie schon verschiedentlich auf diesem Blog angedeutet - in arge Zeitnot zu geraten. Phil war ganz Feuer und Flamme (und in Plauderlaune) und stellte mich gleich mehreren Menschen vor, die mir jetzt alle helfen werden. Und nächsten Mittwoch geht es los, mit der Generalprobe und der Premiere von Kontakt, Phil Herzensproduktion ("You MUST come!!!")! Für letzteres bin ich einfach mal so engagiert worden, das gehört nicht mal richtig zum Projekt. Hurrah. Ich bin quasi der Haus-Fotograf, von nun an, darf hinter die Kulissen ("Du kennst dich ja aus...") und zu verschiedenen Premieren. Mal sehen, was die sagen, wenn ich da mein Stativ anschleppe. Oh, ich freue mich!
Das wird ganz viel Theater in den nächsten Wochen...mindestens vier Stücke, inklusive des Kaufmann von Venedig in Aberystwyth, und Proben, Proben, Proben... das fühlt sich ein bisschen wie nach Hause kommen an.

Was ich aber noch dazu erzählen muss: Es ist ja gemeinheitlich bekannt, wie gut ich darin bin, Bands und Künstler, die ich doch ganz gern mal sehen würde, haarscharf zu verpassen. Und dass ich im Sommer einen kleinen Rückfall ins Blue-Fan-sein hatte. Nun, ich möchte meinen, dass ich mich heute selbst übertroffen habe. "Blue zu sehen, ist jetzt nicht unbedingt ein Lebenstraum, aber man könnte es ja mal machen, wo sie schon in Cardiff sind..." Denkste. Die Herren treten nächsten Mittwoch auf, also genau dann, wenn ich bei Kontakt bin. Und das dicke Ende der Geschichte ist: Sie treten in der University Hall auf, die ungefähr direkt neben dem Sherman Theatre liegt. Vielleicht treffe ich sie ja, wenn wir jeweils müde aus der jeweiligen Hintertür wanken.



Noch ein paar Grüße aus dem sonnigen Cardiff...wer den Ort kennt, wo die Fotos entstanden sind, bekommt einen Keks.

Freitag, 14. Juni 2013

Volpone: Fotos

Ich habe auf meinem Flickr-Account (hier) Bilder von "Volpone", der neuesten Foules-Inszenierung, eingestellt: viel Spaß.

Dienstag, 14. Mai 2013

Finale, oho.

Die heiße Phase hat begonnen, die Doc-Phots prügeln sich um die Drucker, das Papier, die Computer. (Zum Glück haben die PFAs und PhotoArts schon eingereicht! Blut würde fließen, wenn die auch noch dabei wären - Kunstblut.) In weiser Voraussicht war ich heute schon ganz früh im Druckerraum  B11, der neben den besten Druckern auch über Fenster verfügt. So konnte ich mir meinen Platz ganz früh sichern, noch bevor die panische Letzte-Minute-Meute aus dem dritten Jahr, die heute ihre Arbeiten abgeben musste, hinein surrte. Einen gewissen Vorteil hatte ich auch dadurch, dass ich mich in Bristol für wunderschönes mattes Satin-Printpapier entschieden hatte und so den "Nur für mattes Papier"-Drucker beanspruchen durfte. Letzterer war ganz schön anspruchsvoll, und brauchte, wie Gawain, unsere Techniker mir erklärte, viel "love and care". Ich fütterte also schön jedes Blatt einzeln per Hand in den Drucker - über zu wenig Bewegung konnte ich auch bei 5 Stunden Drucken am Stück nicht klagen - und er schenkte mir dafür schließlich 11 wunderschöne Drucke. Die liegen jetzt auf meinem Bett und trocknen vollständig aus, denn besonderes Papier will auch besonders behandelt werden.

Die weißen Ränder werden noch beschnitten, bis jedes Blatt ein quadratisches Format hat.

Mit dem Drucken ist der Bärenanteil der Arbeit getan. In den nächsten Tagen werde ich vor allem an den Details schleifen - Deckblätter entwerfen, DVDs brennen, Begleittexte schreiben, Fehler ausmerzen, wenig schlafen.
Belohnt habe ich mich aber heute schon mal: der allmonatliche DVD-Verkauf war mal wieder in der Uni, und hatte ganz viel herunter gesetzt und ich hab eine Scissor-Sisters-Live-DVD gefunden! Uiii! Ich kann mich bloß im Moment nicht aufs Bett legen und sie auch tatsächlich gucken. Denn da liegen ja noch meine Bilder.

Montag, 6. Mai 2013

May Day

Heute war/ist Feiertag in Großbritannien, also: happy May Day, everyone! Mir wurde erklärt, das sei sowas wie der 1. Mai in Deutschland, nur verschiebbar. Gar nicht unpraktisch - und netterweise haben sowohl strahlender Sonnenschein als auch der Jahrmarkt die Gelegenheit genutzt, in Caerleon vorbei zu gucken. Beth, Ed und ich haben also ein paar Stunden in der Sonne verbracht, Zuckerwatte gegessen und mit Plastikgewehren geschossen.






Ein bisschen was "getan" habe ich natürlich auch, ein paar Bilder bearbeitet, Jenna beim Buchen ihrer Europa-Reise geholfen und Mietverträge eingescannt. Aber in erster Linie hatte ich einen wirklich guten, warmen, freien Tag - und das finde ich super!

Montag, 15. April 2013

Durchdacht?!

Der klägliche Versuch, meine Fotos zu sortieren - in meinem Zimmer! 21 Fotos, und der Fußboden ist voll, vom Fenster bis zur Tür.


Sonntag, 14. April 2013

Samstag, 9. März 2013

PS: Derby-Fotos

Beide Bilder sind mit einem anderen Objektiv als meinem gewöhnlichen 18-105mm/f3.5-Zoom aufgenommen worden, und zwar einer manuellen 35mm/f2-Festbrennweite. Die habe ich für ein paar Versuche im Zirkus von unserem Uni-eigenen Media Store ausgeliehen. Das hat diverse Auswirkungen:
1. Mein ohnehin nicht allzu großer Nikon D5000-Body sieht mit dem Zoom-Objektiv ja ganz mächtig aus, mit dem kleinen 35er allerdings einfach nur niedlich - mehr Bridge als Spiegelreflex. Traurig, traurig.
2. Es ist so toll, dieses Objektiv, dass ich eventuell von meinem erst kürzlich gefassten Plan, irgendwann auf Canon umzusteigen, wieder Abstand nehme, und stattdessen vermutlich in ein paar tüchtige Objektive wie dieses investiere (ich sehe ein paar von euch auf den Tischen tanzen).
3. Ich bemerke, wie dringend ich eine Vollformat-Kamera brauche. Auch das tollste Vollformat-Objektiv ist mit einer 3/4-Format-DSLR irgendwie ein bisschen blöde.

Hach.

Format Festival Derby


Heute war ich den ganzen Tag unterwegs, denn wir haben von der Uni aus einen Abstecher zum "Format International Photography Festival" in Derby gemacht. Derby ist eine relativ kleine Stadt in den englischen Midlands, in Verbindung mit der Fotografie jedoch dank des Festivals und eines renommierten Studiengangs recht bekannt ("Newport" flößt den meisten dann aber doch mehr Ehrfurcht ein, Suzie hat es heute ausprobiert.) So ist heute frühmorgens eine bunt zusammengewürfelte Truppe aus allen drei Jahrgängen und Dozenten aufgebrochen, um drei Stunden später noch etwas müde aus dem Bus zu purzeln.
Angefangen haben wir alle mit der Ausstellung unseres Dozenten Ken Grant - mit Einführung des Fotografen, versteht sich. Das Format-Festival steht in diesem Jahr ganz im Zeichen von "work" und "factory" und Ken zeigte uns einige frühere, sehr stimmungsvolle Werke aus der Zeit der Wirtschaftskrise in seiner Heimatstadt Liverpool. Davon prächtig eingestimmt, machten wir uns auf den Weg, um die über die Innenstadt verstreuten Ausstellungsorte aufzuspüren und viele, viele Fotografien zu sehen. Der vorweg als Geheimtipp gehandelte Brian Griffin enttäuschte die meisten von uns, doch später fanden Kieran, Dek und ich viel, was uns begeisterte. Erik Kessels' Werk etwa, das mit riesengroßen Prints und fabelhafter Aufmachung den Charme alter Familienalben heraufbeschwört - ausgeschnittene Köpfe, Risse, Brandflecken und Kommentare inklusive. Gazi Nafis Ahmed, der Fabrikarbeiter aus Bangladesh zeichnen lässt und so den Albtraum von H&M produziert. Ian Teh, der die rauhe Industrielandschaft Chinas in meisterhaften Kompositionen porträtiert. Sebastian Liste und seine rauhen Portraits aus einem Leben in einer verlassen Schokoladenfabrik in Brasilien. Paul Wenham-Clarke, der mit Augenzwinkern von dem stillen Leben falscher Körperteile erzählt. Die in einem kleinen, gelben Wohnwagen untergebrachte Caravan Gallery, die mit viel Humor Straßenfotografie eine ganz neue Bedeutung verleiht. Das Bild oben stammt aus der Präsentation des Beijing Silvermine-Archivs, das bereits weggeworfenen Negativen zu etwas Berühmtheit verhilft. Und ich könnte die Liste fortführen und fortführen: Thais MedinaOliver EglinDavid Chancellor...
Auch Derby trug viel zur Begeisterung bei, mit geschickt ausgewählten Ausstellungsorten, etwa einer alten Kirche, einer ehemaligen Schokoladenfabrik (eine andere als bei Sebastian Liste), oder eben dem kleinen, gelben Wohnwagen. Die Stadt bezirzt einen außerdem mit einer niedlichen, uralten Innenstadt - nur das Wetter wollte heute nicht charmant sein, sondern kalt, grau, neblig und nass. Aber auch mit kalten Füßen lässt es sich gut Fotos ansehen. Schade nur um die Fotobücher, die gerade in den recht offenen Ausstellungsorten (Kirche, Fabrik) frieren und wellig werden - schon am ersten Ausstellungstag ließen sich die Opfer finden.
A propos Fotobuch: Zum Eröffnungswochenende wurde auch ein großer Fotomarkt geöffnet, mit vielen Ausstellern und tollen Angeboten. Nun habe ich es natürlich geschafft, mich gerade in das Buch zu verlieben, das nicht preisreduziert, sondern gar noch signiert und in arg limitierter Auflage vorhanden (in diesem Fall das einzige Exemplar in Derby) war...aber...es ist toll... Bücherfreunde müssen eben manchmal hungern. So ist das Leben.

"My precious..." Die Verleger haben mir versprochen, mir Suppe zu kochen, falls ich zu sehr hungern sollte.