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Montag, 23. Februar 2015

Wenn es jetzt noch schneite...

Heute morgen blinzelte ich verschlafen das Handy an, welches mich verzweifelt zu wecken versuchte, und wurde gleich mit der liebevollen Botschaft "Aufstehen! Es schneit!" begrüßt. Im Kopf noch ganz dröselig taumelte ich also ins Bad, nur um festzustellen, dass die freundliche Schweizerin, die mir geschrieben hatte (und die es doch eigentlich besser wissen müsste!) gelogen hatte. Das bisschen Graupel konnte man kaum Schnee nennen. So nicht.
Aber nun war ich schon einmal wach und konnte mich so auch fast pünktlich auf den Weg zur Uni machen, wo ich - man glaubt es kaum - meine Dissertation drucken lassen habe. Für die, die jetzt staunen: Ja, sie ist fertig. Sie hat einen Titel, eine Widmung und alles, was das Herz begehrt. Für die, die jetzt noch mehr staunen: Die Dissertation ist das britische Pendant zur Bachelor-Arbeit. Nein, ich promoviere nicht.
Und nun ist sie fertig! Und gedruckt! Und gebunden! Ich verzog mich folglicherweise erst einmal mit Schokolade und Buch ins Bett, einfach mal chillen. Draußen feinstes April-Wetter - Sonne, Regen, Hagel, alles, nur kein Schnee...
Und dann lugte ich arglos in meinen Twitter und was sah ich da? Irgendein Gebrabbel von meinem Theater. Vier von fünf Sternen im Guardian. Nicht schlecht. Moment. Wer hatte noch die Fotos für's PR gemacht... Ah ja. Meine Bilder im Guardian. Mit meinem Namen drunter. Mit Vorschau auf der Guardian-Kultur-Seite. Verrückt.

Mit Vorschau auf der Guardian-Kultur-Seite! (Oben rechts.)
Was für ein verrückter, verrückter Tag. Wenn es jetzt wirklich noch schneien würde...

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Vorschau

Ich bin schrecklich beschäftigt. Die Briten machen ja gern lange Weihnachtsferien, aber das bedeutet eben, dass vorher alles erledigt werden muss - und im Kopf ist für den Blog kein Platz mehr. Es tut mir sehr leid, ihr Lieben.

In eigener Sache will ich euch aber eine kleine Vorschau aufs nächste Jahr geben und Werbung machen:
Lest hier mehr über meine Zusammenarbeit mit The Other Room!


Samstag, 11. Oktober 2014

Wer lesen kann, muss auch mal schreiben

Sommer auf dem Tempelhofer Feld
Hier bin ich also. Die Uni hat wieder begonnen, und tralala, warum nicht einfach mal zwei Fotoprojekte und eine BA-Arbeit auf einmal auf die Studenten loslassen; es sind schließlich Studenten, die haben ja sonst nichts zu tun?
(Fairerweise muss man ja sagen, dass wir *tatsächlich* sonst nichts zu tun hätten, und dass wir ja an der Uni sind, um Fotoprojekte zu machen und Essays zu schreiben. Trotzdem. Hmpf.)
Dementsprechend vollgepackt sind meine Wochen im Moment. Ich versuche, mir darüber klar zu werden, was ich für das Projekt Kapitalismus im 21. Jahrhundert (deren Titel, nicht meiner) fotografieren will - ich muss das Anfang November abgeben. Gleichzeitig muss ich schon Präsentationen für das große, wichtige Abschlussprojekt vorbereiten. Und der Lesestoff für die BA-Arbeit liest sich leider auch nicht von allein.
Also flüchte ich. Am letzten Wochenende war ich in Hammersmith, London, beim zauberschönen, internationalen Theaterfestival All Change, wo es viel um's Geschichten-Erzählen ging, wo ich meine herzallerliebsten Jungs und Mädels von Barrel Organ wiedersah und ein wenig fotografierte. Außerdem besuchte ich die wunderbare Giulia, die ja netterweise immer eine Yoga-Matte für meine Übernachtungsbesuche bereit hält - auch kommende Woche wieder. Und ich war in meinem oberallerLieblingsbuchladen Gay's The Word (ich weiß, allein der Name!), den ihr alle, alle kennen werdet, wenn ihr erst einmal Pride gesehen habt! [Filmstart in Deutschland: 30.10. Keine Ausreden.] Dort hat mich Jim, Geschäftsführer und Gentleman der alten Schule, mit einem Stapel Bücher und einer DVD für meine BA-Arbeit versehen, und wir haben uns ganz gemütlich verquatscht. Außerdem war ich noch im besten Museum der Welt, dem ständig erwähnten Victoria and Albert Museum (V&A), die eine großartige und kostenlose Ausstellung zum Thema Protest laufen haben. Dort kamen mir fast die Tränen, weil die ein T-Shirt und ein Poster von Act Up haben. Mit dem Design, um das es in meiner BA-Arbeit geht. Mit Original-Notizen vom Designer. Hach.
Manchmal flüchte ich auch einfach vor den Computer. Gestern habe ich fleißig zwei Filme vom Sommer gescannt, mich wohlig in den Erinnerungen gesonnt und mich gefreut. Meinen Projekten geht's jetzt zwar immer noch nicht besser. Aber mir.
Am Mittwoch stürze ich mich dann also in den Kapitalismus des 21. Jahrhunderts. Ein Flucht-Theater-Termin ist aber schon arrangiert. Man darf sich ja nicht verrückt machen lassen. Schon gar nicht vom Kapitalismus, oder von Margaret Thatcher - um die geht's im nächsten Projekt. Grausig, gell?
Haha, 'gell'. Die süddeutschen Mitbewohner üben ihren Einfluss auf mich aus.
Sommer in Rumänien

Montag, 28. Juli 2014

Seid ihr nicht müde?

Das Phänomen kennen wir wohl alle: Man guckt sich einen Trailer für einen Kinofilm an, und denkt, boah, geil. Tolle Schauspieler, tolle Tricks, irre Handlung. Dann liest man noch zwei, drei vielversprechende Pressetexte und vielleicht die erste überschwängliche Rezension, und geht im Folgenden höchst erwartungsvoll ins Lichtspielhaus, in Vorfreude auf den bestimmt besten Film des Jahres.
Und dann sitzt man da, hat aus Frust vielleicht schon in den ersten zwanzig Minuten den Popcorn-Eimer leer gegessen, und muss sich schnell, spätestens beim Abspann eingestehen: Das war nix. Und all die 'Highlights', die waren schon im Trailer.

So erging es mir gestern abend mit der bremer shakespeare company und ihrem Stück Wie Es Will Gefällt, einer Revue zum Geburtstag des Barden Shakespeare - stilecht mit Gesang und Torte. Den Trailer auf der Website hatte ich mir nicht einmal angesehen (wohl aber das Fräulein C, welches mich liebenswürdigerweise begleitete), jedoch einen launigen Radio-Beitrag samt lustiger Dialoge und Regisseur-Interview gehört und die begeisterten Kritiken vom Shakespeare-Festival in Neuss gelesen. Die Prämisse war wahrlich mundwässernd - es erzählt von einem Shakespeare-Experten, dessen dröger Vortrag über Leben und Werk des Meisters von streitbaren Shakespeare-Figuren wie Titania und Hamlet und schließlich vom Meister selbst unterbrochen wird. Mit ähnlichen Stücken, Shakespeare in Trouble und Ein Königreich für einen Ball, begeisterte uns die bsc schon vor Jahren. Es konnte also eigentlich nichts schiefgehen, schließlich sind das Fräulein C und ich schon lange wahre bsc-Liebhaber, auch wenn unsere Brillen seit dem Richard-III-Debakel ("das Stück, dessen Namen man nicht nennen darf") etwas weniger rosarot sind als sonst.
Aber es war eine Enttäuschung. Die erste Hälfte begann und endete langatmig, dazwischen gab es schiefen Gesang, einen unnötig vulgären Hamlet-Auftritt und ein paar Tonpannen. Pluspunkte möchte ich an die Einleitung - eine freche Hommage an die französischen und britischen Kollegen - vergeben, sowie an die Schauspieler Ulrike Knospe und Tobias Dürr, die nicht nur als Titania und Oberon glänzten, sondern auch als so-norddeutsch-dass-es-beinahe-Platt-wäre-aber-auch-wirklich-nur-beinahe schnackendes Hausmeisterpärchen mit Slapstick und Körperbeherrschung überzeugten.
Die zweite Hälfte holte ein wenig auf, ließ die Schauspieler weniger steif und öfter miteinander agieren. Die Szene, in der ein Puritaner versucht, die wild die Bühne erobernde Schauspielertruppe des Barden zu zähmen, geriet zum lachmuskelzerrenden Höhepunkt des Stückes. Doch durcheinander geschichtete Meta-Ebenen und die stetige Rückkehr zu den Fakten aus Shakespeares Leben - dröge vom unengagiert wirkenden Peter Lüchinger vorgetragen, herzlich nachgestellt von den jungen Shakespeare und Marlowe (erneut Dürr sowie die mit Spielfreude überzeugende Petra-Janina Schultz) ließen die Gesamtwirkung erlahmen.
Als die Welt noch in Ordnung war:
Ein Königreich für einen Ball im Park.
Es ist nicht schwer auszumachen, wo die Schwierigkeiten lagen. Im Vergleich mit dem Trailer fällt auf, dass einiges am gestrigen Abend dem Spielort zum Opfer fiel - es war Shakespeare im Park, und open air im Bremer Bürgerpark sind gewisse Lichteffekte und Schattenspielereien schlicht unmöglich - adäquat ersetzt wurden sie jedoch nicht -, zudem waren einige Tonprobleme wohl dem Wind geschuldet, und manche Songs, die im kleinen, geschlossenen Theater vielleicht Stimmung aufkommen lassen, verloren sich in der Weite des Parks.
Doch die größte Schwäche des Stücks war, nun, das Stück. Statt die Shakespeare-Charaktere aufeinander prallen zu lassen und vom Vortrag ins Fantastische zu wechseln - so geschehen etwa in Ein Königreich für einen Ball - reihten Jessica Swale und Regisseur Raz Shaw die Szenen so lieblos aneinander, dass kein Zusammenhang entstehen konnte, Figuren auftraten und wieder verschwanden und nur eine blasse Erinnerung ans verspielte Potenzial hinterließen. Die durcheinander wirbelnden Meta-Ebenen verstärkten dies nur - da wurde vom Hausmeister-Pärchen zu einem wütenden Elfenehepaar zu den Chamberlain's Men zu den unmaskierten Schauspielern der bsc gesprungen, ohne jegliche Verbindung. Auch die Kostüme, scheinbar wahllos aus dem Fundus geschnappt, halfen da wenig.
Am Ende ist man immer klüger. Wer vorher nichts über Shakespeare wusste, ging nun vielleicht bereichert ("Der Vater war ein Handschuh-Macher? Na sowas!") und amüsiert aus dem Theater. Das Fräulein C und ich fanden es weniger lustig - nichts Neues an der Front, und auch dahinter müde Lacher und Langeweile, Vulgaritäten und angestrengte Stimmung, und nur selten das mühelose Volkstheater, das wir an der bremer shakespeare company so schätzen. Liebe bsc, Shakespeare ist gerade für seinen 450. Geburtstag gefeiert worden und alles andere als tot, wie ihr gestern bewiest; da könntet ihr euch doch auch mal eurer alten Stärken besinnen, und uns, die alten Fans, wieder ins Theater locken. Und das nächste Mal bitte nicht nur mit einem überdrehten Trailer.

Montag, 7. Juli 2014

Warum die Welt Propeller braucht

Es ist wieder Shakespeare-Festival in Neuss und abgesehen von der vereinzelten Bombenentschärfung ist, oder in meinem Fall war, es auch wieder sehr gemütlich im Globe-Nachbau an der Pferderennbahn. Statt dem herzallerliebsten Fräulein C hat mich dieses Mal der Herr B, also mein Brüderchen, begleitet - und wurde sogleich in den geheimnisvollen Club der Propeller-Liebhaber aufgenommen. Gespielt wurde Comedy of Errors und A Midsummer Night's Dream, jeweils von der englischen Nur-Männer-Truppe, und wer nicht gestorben ist, der lacht noch heute.
So ein Geheimnis ist das ja eigentlich auch gar nicht. Propeller, so wurde die Dramaturgin vor jeder Aufführung nicht müde zu erwähnen, verkaufen sich bei jedem Neusser Festival in den ersten Stunden aus und freuen sich dann über ihr europäischen Publikum und die fünf, sechs, sieben Applausrunden (zu Recht). Comedy of Errors (Komödie der Irrungen) besticht mit unerwarteten Kung-Fu-Einlagen, lässigen Sombrero-Trägern und Liebeserklärungen an die Musik und Kleidung der 80er. Ganz genüsslich verstricken die Herren und "Damen" sich im Zwillings-Chaos aus Shakespeares allererster Komödie und finden auch noch Zeit, einem Fräulein im Publikum ein Ständchen in miesem Spanisch zu singen - der Rest des Publikums wird in der Pause zu guten Zwecken beschallt. Nur wenig sanfter geht es im Midsummer Night's Dream (Sommernachtstraum) zu, wo Puppen auf einem viktorianischen Dachboden zum Leben erwachen und sich unter Anleitung des bestrumpfhosten Puck wilde Geschichten erzählen. Da fliegen der Glitzer, Blümchen und Fäuste in absurdem Tempo, und spätestens beim Nervenzusammenbruch von Thisbe liegt der Zuschauer ermattet am Boden, nach Atem ringend und immer noch kichernd.
Schauspieler Dan Wheeler in Comedy- und Dream-Aufmachung
Nun ist es in Neuss ja so, dass nicht jeder perfekt Englisch spricht und schon gar nicht Shakespeares Englisch. Wie so oft mit Propeller hört man jedoch beim Ausgang jemand fröhlich trällern: "Ich hab kein Wort verstanden - und ich fand's super!" Eigentlich könnten die Propellers nämlich auch auf Suaheli spielen, es reicht ein Blick, ein Tonfall, eine Geste oder eine quietschende Lederhose, und man weiß, worum's geht und wer der Boss ist. Propeller ist der Boss. Das Theater braucht mehr Propeller, Neuss braucht mehr Propeller. Ich brauche mehr Propeller, jedes Jahr wieder. Neuss ist toll, und Propeller ist toll.

Nun. So weit, so schön - in der Theorie. Vor ein paar Tagen erreichte die Twitter- und Facebook-Fangemeinde die Schreckensnachricht, dass der Arts Council, so etwas wie der Kunst-Ausschuss der britischen Regierung, aber sehr viel reicher, eigenständiger und willkürlicher, sein neues Förderprogramm verkündet hatte - und für die nächsten drei Jahre Propeller einfach mal sämtliche Finanzierung entzogen hatte. Das ist schlecht, denn das ACE-Geld macht 20% der Propeller-Einnahmen aus und somit ist es jetzt ungewiss, ob Propeller, von Haus aus eine obdachlose Tour-Compagnie, jemals wieder touren kann. AAAAH.
Das darf nicht sein, dachte sich also der geheimnisvolle Club der Propeller-Liebhaber. Da wurde eine Petition geschrieben und, weil der Club bei aller Liebe zu 80er-Musik und viktorianischen Dachböden auch im Hier und Jetzt verortet ist, ein Hashtag (#savepropellergroup) samt Selfie-Kampagne gestartet. Die Petition hat nach fünf Tagen schon über 2000 Unterschriften und die Unterstützung der englischen Legende Stephen Fry und läuft auf Anordnung von Ed Hall, seines Zeichens Propeller-Gründer, munter weiter, bis sie kein Geheimnis mehr ist und der ACE ein Einsehen hat. Wenn Puppen Mundharmonika spielen können und Sombreros plötzlich cool sind, dann geschehen noch Zeichen und Wunder, oder so in der Art. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Übrigens: Nicht nur Propeller, auch die ähnlich leidenschaftlichen und wunderbaren Companien Red Ladder und Orange Tree hat es mit der Nullkommanull-Finanzierung erwischt. Auch dort sind die Rettungsmaßnahme angelaufen. Es lebe die Theaterkunst, mit oder ohne Regierungsgelder.

Ich bin wirklich erstaunt, durch diesen Beitrag gekommen zu sein, ohne einmal den ACE "Arschlöcher" genannt zu haben...ups. Ihr könnt ja die Petition unterschreiben, wenn ihr stolz auf mich seid.

Donnerstag, 3. Juli 2014

Catch-Up 22

Huh, es wird ja echt mal wieder Zeit, ein wenig aufzuholen. Was habe ich denn so getrieben, seit ich mir die Beine in den Brecon Beacons blutig und juckend kratzte? Und warum kratzte ich sie mir überhaupt so?

Meinen unglücklichen Zusammenstoß mit den Brennnesseln verdanke ich der Einladung meines ehemaligen Kurs-Kollegen Richard, der in den Hängen des Sugarloaf, einem der Berge in den Brecon Beacons wohnt, und das nicht schlecht. Der freut sich immer, wenn wir zum Grillen kommen - solange wir Tiramisu und Wein mitbringen - und so machten sich auch "damals" einige von uns auf. Vor dem Grillen musste aber etwas Sport sein, und so sind wir auf den Sugarloaf rauf, haben uns die Arme und Nasen in der Sonne verbrannt, liebste Hunde getroffen, bis nach England gesehen und Pfadfinderinnen getriezt. Den Weg zurück wollte Richard durch den Wald nehmen. Nun. Der Weg war weg, aber da war ein Gebüsch, und hinter dem Gebüsch war der Fluss, über den wir wollten. Der Rest ist blutige Geschichte.
Der Nachmittag war ansonsten aber sehr schön entspannt, und es sind auch keine Narben zurückgeblieben! Mit langen Hosen kann ich einen Ausflug in die Brecon Beacons - und ins zentral gelegene, von Richards Haus wunderbar ameisengroß beschaubare Abergavenny - sehr empfehlen.

In der Woche danach war ich unter anderem in London, um unsere Abschluss-Klasse bei ihrem letzten Event und ihrer Buch-Veröffentlichung zu unterstützen und meine Freundin Giulia zu besuchen. Von da ging's ganz schnell nach Cardiff zu War Horse. Die Show ist nicht so herzig, wie sie im Trailer aussieht, doch sehr ergreifend, und malt mit sehr einfachen und erstaunlichen Mitteln die harte Realität des ersten Weltkriegs und die Freundschaft eines Jungen zu seinem Pferd auf die Bühne. Das ist auch sehr zu empfehlen, kostet bloß ein klein wenig mehr als ein Ausflug auf den Gipfel. In Deutschland ist die Show als "Die Gefährten" in Berlin und lohnt sich, laut meiner Eltern, genauso.

Und dann wurde es auch schon Zeit, alles endgültig zu packen, das Gewicht meines Koffers zu schätzen (hat nicht geklappt), und mich in einer Nachtfahrt zum Flughafen aufzumachen, um nach Deutschland zu fliegen. Und jetzt bin ich hier. Hallo.

Und was ich seitdem gemacht habe... das, liebe Kinder, erzähle ich euch nach der nächsten Maus. Oder so ähnlich.

Donnerstag, 8. Mai 2014

Theater II

Teil 2 der "Theater"-Reihe (siehe: gestern) erzählt von einem Ausflug ins Warme.
Ins warme London! Kaum zu glauben - besonders wenn man im Moment die Nase vor die Tür in den walisischen Nieselregen steckt -, aber wahr, London hatte am vergangenen Wochenende bestes Wetter und ich war in London und habe, vor allem dank zahlreicher Tube-Schließungen, so einiges zu Fuße erlaufen und mich gefreut und gesonnt, und geschwitzt hab ich auch.
Anlass des Ausflugs war ein Theater-Design-Workshop mit dem Propeller-Designer Michael Pavelka. Den habe ich vorgeblich besucht, um Inspirationen für mein Uni-Projekt zu sammeln, und insgeheim, weil ich doch Propeller so mag und zu dem Schauspiel-Workshop nur angehende Schauspieler durften. [Grund dieser ganzen Workshops war das Shakespeare-Festival im Victoria-und-Albert-Museum, dass sehr viele fantastische Angebote für sehr wenig Geld darbot - aber ich hab's leider nur zu dem einen geschafft.] Michael hat mich auch gleich entlarvt, als er fragte, wer von uns denn schon Stücke von Propeller gesehen hatte, und ich als einziger von zweien die Hand hob. "Soso, du stalkst mich also!", schmunzelte er, nachdem ich alle 5 Stücke aufzählte, die ich kannte. Die andere Dame hatte allerdings ALLE Stücke von Anfang der Kompanie an gesehen, und war nur da, weil sie die Vorstellung eines Propeller-Workshops ganz "fabulous" fand. Dagegen bin ich ja harmlos.
Thema des Workshops war Hamlet, die zentrale Figur Ophelia, der zentrale Text 'Sein oder Nicht Sein' (den hab ich jetzt auch endlich mal verstanden); und nach ein paar Aufwärmübungen, Diskussionen und Lunch in der fantastischen Marmor- und Mosaik-verzierten V&A-Cafeteria ging es mit viel mitgebrachtem Material und noch mehr Klebeband daran, ein Set zu basteln. Meins bestand komplett aus Papier. Das war interessant. Michael fand das auch interessant. Wenn dieses Papier-Set eines Tages wirklich eine Bühne würde...ach. Mmmh. Das wäre wirklich interessant! Und sehr feuergefährlich, vermutlich.
Nach dem Workshop ging's dann wieder in die Sonne, zu einem Kaffee mit Giulia (siehe: gestern) in den Hyde-Park, zum Pläne-Schmieden für's Edinburgh Fringe Festival im Sommer, zum am See chillen. Und zum Grübeln und Träumen. Michael erwähnte nämlich so einiges, worauf ich nie gekommen wäre (abgesehen von den erwarteten Propeller-Insidern, harrharr!). Die denken sich da echt ganz schön was aus, die Designer. Wer kommt darauf, warum in Propellers Komödie der Irrungen hüftabwärts alles in Blautönen gehalten ist?

Mittwoch, 7. Mai 2014

Theater I

Schon viel zu lange her ist es: das National Student Drama Festival (NSDF), das vor Ostern in Scarborough stattfand. Ich durfte, dank eines Wettbewerbs mit der Kreativplattform IdeasTap, als einer von zwei offiziellen Festival-Fotografen fungieren - das war ein Spaß!
Scarborough ist ein recht kleines Städtchen an der Nord-Ost-Küste Englands, quasi auf der anderen Seite der Nordsee von der Heimatstadt aus gesehen, sehr mondän und sehr gemütlich, aber immerhin Heimat einer recht pfiffigen Theaterszene, die jedes Jahr vom NSDF noch angefeuert wird. Am NSDF dürfen alle teilnehmen, die zwischen 16 und 25 Jahre jung sind und Theater machen - unter der Voraussetzung, dass man von den sogenannten Selektoren, die jedes Jahr durchs Land reisen und Angst und Schrecken verbreiten (so stelle ich mir das vor), ausgewählt wird. Eine gewisse Qualität ist also sicher gestellt - würde man zumindest denken.
Giulia, meine herzallerliebste Mit-Fotografin, und ich sahen uns dabei einer kleinen Herausforderung gegenüber. Trotz beinahe jahrhundertelanger Festival-Tradition und einem lange, lange existierenden Festival-Magazin namens NoisesOff gab es nämlich noch nie Festival-Fotografen, und keiner hatte so richtig 'nen Plan, wie das denn laufen soll. Aber das haben wir natürlich locker-flockig gemeistert. Mit unseren Pässen, die um unsere Hälse baumelten und in Knallrot "Photographer" verkündeten, haben wir uns einfach in die Probe zur ersten Vorstellung geschlichen, nett Hallo gesagt und die Kameras gezückt. Das fanden die gar nicht so schlecht. Wir auch nicht.
Die ersten: Hungry Bitches mit "America". Name ist Programm, und so.
Nach 'ner Weile hatten wir's dann drauf, die Produzenten/Regisseure/Frauen für alles - welche Nummer man auch immer bekam - einfach vorher anzurufen oder anzuschreiben und ein paar Fototermine klar zu machen. Oder man freundete sich einfach mit einem Schauspieler in der Pausendisco an, das machte auch vieles sehr viel entspannter. So zogen wir dann täglich, bepackt mit Kamera, Monster-Objektiven und Keksen von Spielort zu Spielort, sagten nett Hallo, bekamen nett Hallo zurückgesagt und schon waren die Bilder im Kasten.
Festival-Sweethearts: Giulia und Will, "Enron"-Schauspieler
Morgens saßen wir meist im NoisesOff-Büro, lauschten den netten Theater-Kritikern, die sich dort Strom, Internet und Kaffee mit uns teilten und bearbeiteten die Bilder, während draußen die Surfer die ziemlich windige See eroberten - der Strand war nämlich gleich vor der Tür. Unterstützt wurden wir von unserem Mentor (oho!) Tony, von IdeasTap angeheuert und selbst begeisterter und höchst erfahrener Theaterfotograf. Der fand das, was wir da so knipsten, auch erstmal gut. So gut anscheinend, dass er uns fast täglich statt der vereinbarten zwei Mal besuchte und sich mit uns über die besten Bilder freute. Tony nahm uns auch die Angst vor der zweiseitigen Liste mit Anforderungen, die uns die Sunday Times geschickt hatte - er war da ganz lässig, nationale Zeitungen, die unsere Bilder wollen, sind doch ein Klacks, pah, und überhaupt, mit ein bisschen Photoshop und einer gesunden Portion Selbstvertrauen und haha, unserem Talent, wäre das alles ein Klacks. Notiz am Rande: Tony hat mal eine Geschichte über depressive Pinguine an die Bild-Zeitung verkauft. Ist dem Mann zu trauen?
Vorm Büro gleich rechts
Und natürlich, natürlich haben wir ganz viel Theater gesehen! Elf Shows insgesamt, davon vier Musicals, zwei Improvisationsstücke, zwei Highschool-Massaker, ein Stück über Plastikenten. Wobei es schon viel Geduld bedurfte, die jeweils drei Stunden "Jerusalem" und "Spring Awakening - The Musical" durchzuhalten. Dafür hätten "The Duck Pond" (eine charmante Enten-Version von Schwanensee) und "Road" (ein mehrbühniges Theater-Movie über die Thatcher-Ära) auch länger sein dürfen. Wir haben alles fotografiert und dann begeistert (mehr oder weniger) zugeguckt und geklatscht und Bühnenluft geschnuppert, hmmm. So viel Theater! Workshops! Diskussionen! So viele Bilder! Wir bekamen uns nicht mehr, Tony und das NoisesOff-Team bekamen sich nicht mehr ein, und die Sunday Times hat sich, glaube ich auch gefreut. Am Ende waren das sechs Bilder von mir auf deren Website und ein bisschen mehr Geld auf meinem Konto. Hehehe. Wir sind auf ein paar Websites gelandet. Und auf dem NoisesOff-Print-Cover war ich gleich fünf Mal in Folge... man muss auch mal angeben dürfen.
Abgebaut wurde auch...
Hach! Ich könnte noch so viel mehr erzählen. Von meiner äußerst charmanten Landlady im Mountview Hotel zum Beispiel, von all den Witzen, die im Büro gerissen wurden und mich diese Umgebung so schrecklich vermissen lassen, von der Frisur, die am Ende des Festivals alle (mir inklusive) trugen, von all den Theaterstücken, denen dieser Bericht gar nicht gerecht wird, vom hervorragenden Wetter, von dem Hasen, dem Mond...und...und...und...
Vielleicht hab ich ja noch ein Lieblingsbild für euch? Ich geh' mal stöbern.
The Duck Pond. Ohrwurmlastig. Und toll.

Samstag, 5. April 2014

Guter Tag

Heute war/ist ein guter Tag. Nicht nur, dass es der erste Tag meiner dreiwöchigen Osterferien ist, und das bedeutet, dass ich in nur einer Woche nach Scarborough fahre, um das National Student Drama Festival zu fotografieren, und in zwei Wochen nach Deutschland fliege. Es ist auch der erste offizielle Tag meiner dies-semestrigen Bemühungen, mein Essay zu schreiben, und netterweise ist pünktlich, pünktlich ein riesengroßes Paket angekommen, mit der DVD How To Survive A Plague. Letzteres (schau da, ein Trailer!) ist eine hervorragende Doku über die AIDS-Aktivisten von Act Up New York, und ich musste beim Gucken ganz viel weinen, und mich anschließend freuen, dass ich soviel davon für mein Essay verwenden kann und darf. Auch enthalten im riesengroßen Paket war mein neuer Rucksack, der mir von nun an ein treuer Reise-Kamerad sein wird, und reisen werde ich in den nächsten Wochen schließlich genug. Und zu guter letzt hat mein inzwischen kulturell ganz schön bewandertes Brüderchen mühelos Karten für's Shakespeare-Festival besorgt. Meine Sommerpläne stehen also auch fest - nun ja, zumindest für Ende Juni.
Und wie war euer Samstag so?

Donnerstag, 3. April 2014

Immer locker bleiben

Soeben habe ich einen der köstlichsten - und uneitelsten - Kommentare seit langem zum Theater gehört. So geschehen im BBC Newcastle-Interview mit Dan Wheeler und Joseph Chance von Propeller, die mit gutem Recht nach ihren Erfahrungen damit, mit zwei Shakespeare-Stücken gleichzeitig zu touren, gefragt wurden ("Wir haben noch nie die falschen Zeilen im falschen Stück gesagt" - "...Noch nicht!").

Moderatorin: "Wie merkt ihr euch eigentlich den ganzen Text?"
(es wird zu einer langatmigen Erklärung angehoben, man sei ja trainiert und überhaupt)
Dan (offensichtlich belustigt, unterbricht): "Joseph, erinnerst du dich an gestern abend?"
Kurz Stille.
Joseph: "Ich beweise eben gern, dass wir live spielen!"

Wenn doch nur jeder Schauspieler so entspannt mit massiven Textpatzern umginge! Mir inklusive. Mich ärgert das immer maßlos.

Mittwoch, 29. Januar 2014

Dresscode: Schwarz-Weiß

Heute gab's Feedback und Noten für die Bilder und während meine Gruppe die beste Note für die Ausstellung erhielt (verdientermaßen, finde ich!), bin ich mit der Einzelnote nicht ganz so zufrieden. Aber nun, was hilft's denn. Mein werter Mitbewohner merkte an, vermutlich zu Recht, dass es am Ende eh auf die Bilder ankommt, wenn man irgendwo ankommen möchte.
Und meine Bilder, die find ich gut. - Paul ermutigte mich in der Feedback-Runde, doch meine ganze Karriere auf die Theaterfotografie auszurichten, und die restliche Zeit in Newport zu nutzen, mich darauf zu spezialisieren. Ob ich darauf so Lust habe, weiß ich ja noch nicht so recht....
Aber ich will euch die Bilder auch nicht länger vorenthalten: Eine große Auswahl von Sleeping Beauties gibt's auf meiner brandneuen 500px-Seite zu sehen!

Adam Scales, Lisa Jên Brown und Molly Vevers in der Probe
Bettrys Jones und Cast auf der Bühne

Dienstag, 10. Dezember 2013

Gruss aus dem Scanner-Raum

Ein kleiner Gruss aus dem Scanner-Raum, und eine winzige Vorschau auf das, was noch kommen mag:

Ich habe heute 3 Filme entwickelt, und 1 1/2 gescannt. Meine Nase ist dicht und nicht mehr zu gebrauchen, und ich habe Hunger, deswegen gehe ich jetzt nach Hause und erledige den Rest morgen.

Freitag, 6. Dezember 2013

Once upon a time

Once / Once upon a time...

Gestern war mein allerletzter Fotografier-Tag im Theater! Seit Montag war ich täglich von sehr früh bis sehr spät in meiner dunklen Höhle, immer den Blick auf die Bühne gerichtet. Mein Kopf ist noch voll mit Bildern, die wunderschöne Stimme der Lisa Jen Brown singt mir Einschlaflieder... nur dass ich nicht einschlafen kann. Im Moment sitze ich in der Scanning-Suite, am ersten von vielen Filmen, die eingescannt werden wollen. Ach, wie sehr ich mich ins Theater zurück wünsche! Hier ist es langweilig, und nicht bunt und laut, und ich habe hier keine Schauspieler, die für mich Faxen machen. Meeeh.

Freitag, 8. November 2013

Dienstag, 5. November 2013

Upgrade

Hahaha, schaut euch das an:

Und das alles für eine halbe Stunde vor Einlass von 1984, in der ich durch die Gegend gerannt und auf Dinge geklettert bin, Objektive allerortens verloren und wiedergefunden, mein Stativ umgebaut und lustige Langzeit-Aufnahmen gemacht habe. Das war alles nicht so professionell, aber lustig. 

Sonntag, 3. November 2013

Kontakt

Womit habe ich heute den Tag verbracht? Nun, abgesehen davon, dass ich dem Regen zugeschaut und überlegt habe, eine Arche zu bauen - habe ich Fotos editiert. Ohne Ende. Okay, doch mit Ende, aber jenes Ende kam erst gerade eben und nun hab ich genug davon, stundenlang auf Fotos zu starren. Also einen Blog schreiben! Hab aber nichts zum Schreiben. Hmm.
Es ist wirklich gar nicht so viel passiert... Mittwoch Fotos machen, Donnerstag ausschlafen und Frankenstein im Kino gucken, Freitag Film entwickeln (und ruinieren - besser nicht nachfragen), Samstag Fotos machen, Sonntag Fotos editieren. Öh.
Die beiden Foto-Termine hatte ich, wie bereits erwähnt, bei Kontakt im Sherman Cymru Theater - ein ganz fantastisches "Theater-Experiment", in dem jedes Publikumsmitglied an einem eigenen Tisch saß, gegenüber wechselnden Schauspielern. Gespräche wurden geführt, es wurde getanzt, geschwiegen, gemalt. Sehr intensiv, sehr interessant, sehr schön. Das war wohl mein Highlight dieser Tage.
Und morgen bin ich ganz von Anfang an bei den Proben zu Sleeping Beauties dabei! Juhu! Ich bin etwas aufgeregt.

Mittwoch, 30. Oktober 2013

Good to be back

Auf dem Weg nach Cardiff lief auf meinem mp3-Player "Good to be gone" von den Sugababes (weil doch heute alberne-Popmusik-Tag war). Diesem Motto trotzend sage ich: Gut, zurück zu sein! Die Fotografie hat mich wieder! Ich hatte einen wunderbaren Tag im Sherman Cymru Theater, um dort die Generalprobe von Kontakt zu fotografieren, und nebenher einige Bilder für's eigene Projekt abzustauben. Das hat ganz gut funktioniert - ich muss nur noch abwarten, wie der Film aussieht, wenn er entwickelt ist.
Resultate gibt's, sobald vorhanden. (Uh, ich bin ganz aufgeregt!)

Im Übrigen hab ich von Blue dann doch nur die zwei (!) Tour-Busse gesehen, und die Schlange vorm Eingang. Ich hab mir grinsend die ganzen nicht mehr superjungen Mädchen in zu kurzen Röcken angeschaut, und bin dann zurück ins Theater. Ich glaub, ich hab nichts verpasst, und Kontakt war in jedem Falle um einiges spannender.

Sonntag, 27. Oktober 2013

Endlich Meer

le monde et la mer hat es endlich so richtig ans Meer geschafft - ganz dem Blog-Namen entsprechend! Von Freitag auf Samstag war ich nämlich in Aberystwyth - ihr merkt es schon an den vielen y's: tief in Wales, weit weg von der Grenze, an der Irischen See.
Irische See (ein Ausschnitt)
Meiner allerliebste Theater-Compagnie Propeller spielte am Freitagabend ihren Pocket Merchant im Aberystwyth Arts Centre und so ließ ich mich von Mira, einer Kommilitonin, im Auto mitnehmen. Unser Roadtrip war schon recht unterhaltsam, denn je nördlicher man gelangt, desto ländlicher wird es - wie man sich Wales eben vorstellt: grün, wild, mit vielen Flüsschen und vielen Schäfchen, und zudem hatten wir bestes walisisches Wetter, also Regen und Sturm. Mit guter Musik und Salt-and-Vinegar-Chips ausgestattet, erschütterte uns das nicht weiter.

Irgendwo bei Rhayader
In Aberystwyth angekommen, guckten wir uns zunächst eine halbwegs interessante Ausstellung von Landschaftsfotografie aus Palästina an, bevor Mira mich bei meinem Gastgeber für die Nacht ablieferte: Tom, Waliser, Student, und leidenschaftlicher Veggie-Burger-Koch. Den hatte ich über die Internetplattform Couchsurfing kennengelernt, und ich muss sagen, meine erste eigene Erfahrung als Couchsurfer hat mir durchaus gefallen. Tom wohnt mitten in der Innenstadt von "Aber" - was nicht viel aussagt, denn man gelangt zu Fuß innerhalb von 30 Minuten von einem Ende von Aberystwyth zum anderen. Er kümmerte sich um mich, bekochte mich (wirklich ausgezeichnete Burger!) und brachte mich rechtzeitig zum Arts Centre auf dem Uni-Campus, um dann dort zu arbeiten, während ich im Theater saß.
Der Pocket Merchant ist eine einstündige, aufs Wesentliche reduzierte Version des Kaufmann von Venedig von Shakespeare, vor allem auf jüngeres Publikum zugeschnitten. Ich hatte die längere Fassung von Propeller vor einigen Jahren in Neuss gesehen, und es war interessant, es nun im neuen Gewand, mit weniger Schauspielern und minimalen Bühnenbild zu sehen. Persönlich bevorzuge ich wohl die lange Fassung, aber was den Abend für mich wirklich besonders gemacht hat, ist, dass zum Pocket Merchant ein Gespräch zwischen Publikum und Schauspielern gehört, in dem man alles fragen darf, was man will. Es entwickelte sich eine höchst spannende Diskussion über den Antisemitismus des Stückes, und den Wert des Theaters im Allgemeinen und des Stückes im Speziellen für die Jugend. Die Schauspieler waren total locker und gut drauf und gaben sich Mühe, jeder Frage gerecht zu werden. Das war toll, allein für das Gespräch lohnte sich die Fahrt und das Eintrittsgeld.
Mit Tom lief ich dann zurück in die Stadt, lernte, dass die Kleinstadt Aberystwyth ganze 50 Pubs aufweisen kann. Wir hatten unsere erste politische Diskussion des Abends - Tom studiert internationale Politik - und beschlossen, zu einer kleinen Stadtführung im Dunkeln aufzubrechen, begleitet von Patrick, einem seiner Mitbewohner. Wenn man von Toms Wohnung zweimal um die Ecke läuft, kann man bereits die Wellen am Strand brechen hören. Die Schlossruine ist im Dunkeln beleuchtet, und Abers Promenade hat im Dunkeln einen ganz eigenen Charme. Ein sehr netter erster Eindruck dieser kleinen Stadt am Meer. Zusammen landeten wir dann in einem der vielen Pubs und verquatschten uns ordentlich. Die Diskussionen führten wir sogar "zuhause" noch weiter. Es wurde eine kurze Nacht auf Toms Sofa, denn um acht Uhr morgens mussten wir schon wieder aus den Federn - er musste zu einem Seminar, ich zum Zug.
Das nördliche Ende von Aber, Constitution Hill und die See
Netterweise war sein Seminar am Strand - weswegen ich das Meer auch noch mal bei Tag zu sehen bekam. Gerade als ich das erste künstlerisch wertvolle Foto auf Film bannen wollte, hauchten die Batterien meiner F3 ihren letzten Atem aus, daher müsst ihr mit Handyfotos vorlieb nehmen. Aber so habe ich immerhin einen Grund, nach Aber zurückzufahren. 
Zurück ging es dann mit dem Zug, entlang Orten mit wilden Namen wie Machynlleth oder Shrewsbury und malerischen Landschaften. Nach knapp fünf Stunden war ich wieder in Newport, um ein Abenteuer und neue Bekanntschaften reicher, schrecklich müde und ziemlich glücklich. Oh, ich mag das Meer, und das Theater, und Wales.
Zwischen Borth und Machynlleth

Mittwoch, 23. Oktober 2013

Ganz nah dran (und doch daneben?)

Heute war ich in Cardiff, und oh, es war so schön. Die Sonne schien, und es war warm, und ich war im Theater...
Ich habe ja noch gar nicht richtig berichtet, was ich so plane. Meine Projekt-Gruppe hat sich mit Hängen und Würgen auf das Thema "Night/Nacht" geeinigt. Weil ich keine Lust habe, zu unmenschlichen Uhrzeiten aufm Feld zu stehen, habe ich das Thema etwas wörtlicher genommen und in Bezug zu "opening night" (Premiere) gesetzt - also werde ich ins Sherman Theater zurückkehren, und dort auf Schwarz-Weiß-Film etwas daherschießen. Ich sage das sehr salopp, weil ich eine genaue Vorstellung habe, wie es aussehen soll - aber immer, wenn ich versuche, es zu beschreiben, versteht es keiner.
Also traf ich heute Phil, denn das inzwischen angeleierte Projekt drohte - wie schon verschiedentlich auf diesem Blog angedeutet - in arge Zeitnot zu geraten. Phil war ganz Feuer und Flamme (und in Plauderlaune) und stellte mich gleich mehreren Menschen vor, die mir jetzt alle helfen werden. Und nächsten Mittwoch geht es los, mit der Generalprobe und der Premiere von Kontakt, Phil Herzensproduktion ("You MUST come!!!")! Für letzteres bin ich einfach mal so engagiert worden, das gehört nicht mal richtig zum Projekt. Hurrah. Ich bin quasi der Haus-Fotograf, von nun an, darf hinter die Kulissen ("Du kennst dich ja aus...") und zu verschiedenen Premieren. Mal sehen, was die sagen, wenn ich da mein Stativ anschleppe. Oh, ich freue mich!
Das wird ganz viel Theater in den nächsten Wochen...mindestens vier Stücke, inklusive des Kaufmann von Venedig in Aberystwyth, und Proben, Proben, Proben... das fühlt sich ein bisschen wie nach Hause kommen an.

Was ich aber noch dazu erzählen muss: Es ist ja gemeinheitlich bekannt, wie gut ich darin bin, Bands und Künstler, die ich doch ganz gern mal sehen würde, haarscharf zu verpassen. Und dass ich im Sommer einen kleinen Rückfall ins Blue-Fan-sein hatte. Nun, ich möchte meinen, dass ich mich heute selbst übertroffen habe. "Blue zu sehen, ist jetzt nicht unbedingt ein Lebenstraum, aber man könnte es ja mal machen, wo sie schon in Cardiff sind..." Denkste. Die Herren treten nächsten Mittwoch auf, also genau dann, wenn ich bei Kontakt bin. Und das dicke Ende der Geschichte ist: Sie treten in der University Hall auf, die ungefähr direkt neben dem Sherman Theatre liegt. Vielleicht treffe ich sie ja, wenn wir jeweils müde aus der jeweiligen Hintertür wanken.



Noch ein paar Grüße aus dem sonnigen Cardiff...wer den Ort kennt, wo die Fotos entstanden sind, bekommt einen Keks.