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Montag, 23. Februar 2015

Wenn es jetzt noch schneite...

Heute morgen blinzelte ich verschlafen das Handy an, welches mich verzweifelt zu wecken versuchte, und wurde gleich mit der liebevollen Botschaft "Aufstehen! Es schneit!" begrüßt. Im Kopf noch ganz dröselig taumelte ich also ins Bad, nur um festzustellen, dass die freundliche Schweizerin, die mir geschrieben hatte (und die es doch eigentlich besser wissen müsste!) gelogen hatte. Das bisschen Graupel konnte man kaum Schnee nennen. So nicht.
Aber nun war ich schon einmal wach und konnte mich so auch fast pünktlich auf den Weg zur Uni machen, wo ich - man glaubt es kaum - meine Dissertation drucken lassen habe. Für die, die jetzt staunen: Ja, sie ist fertig. Sie hat einen Titel, eine Widmung und alles, was das Herz begehrt. Für die, die jetzt noch mehr staunen: Die Dissertation ist das britische Pendant zur Bachelor-Arbeit. Nein, ich promoviere nicht.
Und nun ist sie fertig! Und gedruckt! Und gebunden! Ich verzog mich folglicherweise erst einmal mit Schokolade und Buch ins Bett, einfach mal chillen. Draußen feinstes April-Wetter - Sonne, Regen, Hagel, alles, nur kein Schnee...
Und dann lugte ich arglos in meinen Twitter und was sah ich da? Irgendein Gebrabbel von meinem Theater. Vier von fünf Sternen im Guardian. Nicht schlecht. Moment. Wer hatte noch die Fotos für's PR gemacht... Ah ja. Meine Bilder im Guardian. Mit meinem Namen drunter. Mit Vorschau auf der Guardian-Kultur-Seite. Verrückt.

Mit Vorschau auf der Guardian-Kultur-Seite! (Oben rechts.)
Was für ein verrückter, verrückter Tag. Wenn es jetzt wirklich noch schneien würde...

Donnerstag, 8. Januar 2015

I am fabulous.

Heute hat Paul in einem sehr aufschlussreichen, sehr netten wir-sind-kurz-vor-der-Abgabe-und-die-Photo-Art-Studenten-belegen-alle-Drucker-und-was-mache-ich-hier-eigentlich-Seminar gesagt, meine diesjährige Arbeit wäre die beste, die ich bisher gemacht hätte.
Äh.


Da hat sich das ganze stundenlange Youtube-Schauen, Hobbit-Schauspieler stalken, Tee trinken, mit Weihnachtsgeschenken spielen, noch mehr Tee trinken, Mittelägyptisch lernen, Hobbit-Gifs runterladen, und noch mehr Tee trinken ja gelohnt.

(Was ich eigentlich so mache: Siehe...
...im Dunkeln mit Taschenlampen und Schauspielern rumdaddeln. Man soll mir nicht nachsagen, ich gäbe mir keine Mühe.)

Sonntag, 9. November 2014

Hit the ground running!


Im Englischen gibt es ein Idiom: "hit the ground running" [von dict.cc übersetzt als "sofort alles im Griff haben"]. Wenn unsere Tutoren beschreiben, wie wir unsere Projekte in Angriff nehmen sollen, benutzen sie das gern. Auch wenn es in meinem Kopf nachwievor schmerzhaft aussieht, rennend auf den Boden zu knallen. Naja.
Allerdings ist es inzwischen schon November, das erste Projekt ist abgegeben, Paris Photo Festival steht an (Pariiiiiis!) und dann wird es bald schon Dezember, und dann Weihnachtsferien, und dann haben wir noch eine Woche, um den ersten Teil unserer Abschlussarbeit abzugeben. Vielleicht wird es also tatsächlich Zeit, die Beinchen etwas in Bewegung zu bringen, und den ground running zu hitten. Aber ich hab alles! sofort! im Griff! Ha.
Eigentlich hab ich's ja gemütlich. Ich fotografiere nämlich Theater (mal wieder) und die meisten Theatergruppen werden sehr gern fotografiert. Es wäre ja kein Theater, wenn keiner zuguckt, oder so ähnlich. So fand ich mich am Mittwoch im hübsch-touristischen Nordsee-Küstenstädtchen Canterbury wieder, um dort die Damen und Herren vom White Slate Theatre zu fotografieren. Das waren zwei schöne Tage im Probenraum und am Strand, ziemlich lässig, höchstens für den Computer anstrengend, denn der muss jetzt die ganzen raw-Dateien verdauen - und für mein vom Großvater geerbtes Stativ, das am Strand irgendwann still und heimlich eine Schraube verlor und seitdem leider nicht mehr ganz einsatzfähig ist.
Insofern habe ich den großen Vorteil gegenüber den meisten meiner Kollegen, dass ich tatsächlich schon Fotos habe! Das macht sich gar nicht schlecht, und mit ein bisschen Glück habe ich spätestens Anfang Dezember alles "im Kasten" und kann mich dann aufs Sofa fläzen und all die Beinchen zählen, die ich mir bei dem Versuch, rennend in irgendetwas zu knallen, gebrochen habe.
Oder wir machen es einfach so wie gestern. Gestern waren wir bei Richard, und seit Richard nicht mehr im Kurs ist, ist aus dem "Docfather" Vater Theresa geworden, der die armen Studenten in Zeiten der Not mit gutem Essen und viel Wein und Bier versorgt. Vielleicht sollten wir das für Dezember anpeilen, um uns zu erholen.

Donnerstag, 15. Mai 2014

Grüße von Epson, Mac und Co

'allo, 'allo!
Lange nichts mehr von mir gehört...der Empfang in der Printing-Suite ist so schlecht...'allo?

Netterweise ist die Printing Suite ja seit letztem Jahr aus dem fensterlosen Keller in ein gut befenstertes Atelier gezogen, damit wir auch sehen können, wenn die Sonne untergeht, wenn wir immer noch am Drucken sind...und wenn es Sommer wird, wird es spät dunkel. Vor knapp zwei Stunden hatte sogar schon der Security-Mann mit uns Mitleid und schenkte uns Sandwichs und Yoghurt. Ich bin seit halb neun am Morgen hier, und inzwischen ist das Buch fertig gedruckt. Doch meine Lieblingsschweizerin Mira braucht seelischen Beistand mit dem sehr spinnerigen, bevorzugt Magenta-druckenden Epson-Monster, und zuhause wird meine einzureichende Recherche-Mappe ja auch nicht schneller fertig als hier. Die Stimmung ist weiterhin gut, Queen dröht laut über die Boxen und Marina and The Diamonds leise aus den Kopfhörern. Jeder diskutiert mit jedem über Bilder und jeder hat ein (leicht müdes) Lächeln übrig, wenn es gebraucht wird. Spät wird's. Aber auch friedlich. Wir Fotografie-Nerds, wir können nicht anders.

Sonntag, 11. Mai 2014

Theater III

Der Abgabetermin der praktischen Arbeit rückt näher, und die Nerven spannen sich. Immerhin sah Paul nach den Ferien ein - als ich ihm mit traurigen Augen mein Leid klagte -, dass ein Pop-Up-Buch nicht so unbedingt die allerhellste Idee unter den Sternen ist, vor allem, wenn man - so wie ich - noch nie ein Pop-Up-Buch gebastelt hat. Also wird es jetzt ein konventionelles Buch, seufz, nicht seufz, hm, das ist alles irgendwie schwierig.
Schließlich hatte ein gewisser Paul auch über meine Bilder gesagt: "Die funktionieren nicht in einem Buch." Na toll! Aber einreichen muss ich ja trotzdem eines!
Zudem reichen das erste Jahr und das dritte Jahr gleichzeitig ein, und zwar vor uns, was bedeutet, dass unsere Druck- und Computerräume bis aufs Weitere geblockt sind - und zwar offiziell, denn das dritte Jahr hat für seine letzte Woche einfach mal Priorität an allen Geräten zugesprochen bekommen. Das tut der Freundschaft unter Studenten auch nicht unbedingt gut. Dass der Großteil des zweiten Jahres aus Kostengründen seine Bücher lieber selbst bastelt, als sie drucken und binden zu lassen, wurde von offizieller Seite irgendwie verkannt.

So ein Theater!

Mittwoch, 9. April 2014

Timing mit drei Sternchen

Es soll mal Zeiten gegeben haben, in denen ich jammerte, nachdem ich auch nur einen Satz aufs blütenweiße virtuelle Papier gebracht hatte. Es soll auch Zeiten gegeben haben, in denen ich lange, lange Zeit für läpperliche 2500 Worte brauchte. Nun ja. Diese Zeiten sind vorbei. 3 Tage und das Essay ist im Sack.
Das war einfacher als befürchtet, und wesentlich spannender, als zunächst dem Mitbewohner geklagt. Am Montag die Einleitung und ein paar erste Worte des ersten Kapitels, und dann gestern aus Versehen den ganzen Hauptteil geschrieben. Heute (trotz Kotzeritis!) das ganze nochmal überpoliert und das Fazit geschrieben, et voilà!
Pupseinfach, so ein Essay.
(Und die zwei Drittel der Recherche, die nicht mehr reingepasst haben, kommen eben in die Bachelor-Arbeit.)

Schon lange kein Doctor Who mehr geschaut...ich hab ja jetzt Ferien.

Samstag, 22. März 2014

Ich bin dann mal die langsame Welle reiten

Das Leben in Newport verläuft nun, nach Abreise meines hochgeschätzten Besuchs, eher gemütlich. Es dümpelt langsam vor sich hin. Eigentlich ist schrecklich viel zu tun - es wollen Pappsets gebaut, Fotobücher designt, Bücher gelesen, Essays geschrieben werden, und argh, bald ist auch schon wieder Ostern, also minus zwei Wochen Arbeitszeit, und dann sind ja auch schon die Deadlines und so - aber mein Körper hat sich mal wieder entschieden, in Schockstarre zu fallen und das Gegenteil vom Verlangten zu tun. Wenn am meisten zu tun ist, komme ich gar nicht erst aus dem Bett, das ist ein Naturgesetz. Also habe ich heute den Großteil des Tages im Bett verbracht.
Was ja nicht heißt, dass ich gar nichts mache. Okay, mal abgesehen von den anderthalb Stunden "Leoparden küsst man nicht" (Cary Grant! Katherine Hepburn! Leoparden!) war ich tatsächlich halbwegs produktiv. Zwar habe ich keinen Finger für's nächste Pappset gerührt, aber fleißig für's literature review gelesen...da ist der Termin Anfang Mai, also quasi übermorgen.

Cindy Patton, Laptop und improvisierter Nachttisch.
Gestern abend noch war ich auf der ausgezeichneten Ausstellung unseres Kursleiters Paul, der in Penarth eine Retrospektive zeigt und uns alle eingeladen hatte - es sind auch alle gekommen, außer Kieran, die Ffotogallery (kein Rechtschreibfehler, nur Walisisch) war gerappelt voll. Schön war's. Interessant war's. Und nun lese ich über die Entstehung und Entwicklung homosexueller Gemeinschaften in den ersten Jahren mit AIDS... wusstet ihr, dass AIDS eigentlich zuerst in den späten Siebzigern unter Drogenabhängigen in Form von Lungenentzündungen ausbrach? Das erkannte damals nur keiner. So ein Pech.

Mary-Louise Parker, D800 und improvisierte Studiobeleuchtung.

Montag, 3. März 2014

Basteln

Basteln fand ich, glaub ich, zuletzt als Kindergartenkind toll. Damals fand ich es auch noch lustig, Kleber an den Fingern (und unter den Fingernägeln) zu haben und stundenlang auf dem Fußboden über einer Bastelunterlage zu hocken. Heute nicht mehr, eigentlich.
Doch was mache ich? Ich bastle mir eine Kamera. Manchmal bin ich einfach unbelehrbar. Ich habe beschlossen, meinem Schicksal zu trotzen, mir ein noch widersinnigeres Projekt als das letzte zu suchen - ich habe ja noch eine Woche - und mir eine Lochkamera zu bauen. Das braucht sehr viel Kleber, sehr viel Fingerspitzengefühl, und viel Zeit. Ein Wahnsinn. Fuh. Immerhin sieht's allmählich (nach der Hälfte der Arbeitsschritte) nach etwas aus.
Vielen Dank übrigens an den großzügigen Spender, mein Brüderchen, der diesen Irrsinn mit seinem Geburtstagsgeschenk überhaupt erst möglich machte.

Freitag, 28. Februar 2014

Ans Herz

Heute war wieder Le Pub, juhu, und ratet, wer sich nach vorne gesetzt hat und ein paar Bilder gezeigt und ein bisschen was erzählt und präsentiert hat? Richtig, Ich! Euphorie! Herzklopfen! Nee, war eigentlich gar nicht so schlimm. Ich war überraschend unaufgeregt, und die Fragen waren auch nicht böse, und insofern war das alles vollstens entspannt. Nicht mal Blödsinn erzählt hab ich. Voll gut.
Das war ganz schön, so ein fröhlicher Tagesabschluss. Heute ist nämlich meinem Fotoprojekt die letzte Puste ausgegangen und es ist ohnmächtig in den Fluss Usk gestürzt. Alles nicht so dramatisch, nur fanden die Tutoren Lisa und Thijs Wassink (hach) das irgendwie nicht so prall, was ich da tat, und redeten es mir systematisch aus. Jetzt hab ich noch 2 1/2 Wochen, um was neues zu entwerfen und zu machen. Aber Deadlines motivieren ja, und so, ne.
Außerdem mussten wir im Theorie-Modul unsere Poster präsentieren und natürlich sagte man uns nicht vorher, dass nicht nur unser Anführer Jesse, sondern auch Colin und die Erst-Jahris zugegen sein würden. Colin fiel dann natürlich auf, dass mein Poster-Anteil quasi mein HIV-Essay aus dem ersten Jahr in DinA3-Format war; musste mich dementsprechend rausreden (ist aber geglückt!).
Und nun auf zu neuen Abenteuern! 
Ich glaube, ich gehe schlafen. Der Tag war lang genug.

Freitag, 21. Februar 2014

Let's get down to business

Huch? Der letzte Blogpost vom letzten Samstag? No worries. Das Kind ist nicht in den Brunnen gefallen, nur schrecklich müde. Mitten in der Nacht bin ich aus London zurück gekommen und das Schlafdefizit macht sich noch bemerkbar. Aber eigentlich habe ich so viel zu erzählen!
Ich war mit zwölf Kommilitonen und unserer wunderbaren Herden-Chefin Lisa unterwegs in der großen Stadt (und in Brighton) für die network week, einer einmaligen Gelegenheit, Leute aus der Foto-Industrie zu treffen und hinter die Kulissen zu schauen. Übernachtet habe ich bei Freunden, das Geld ist vor allem für die Tube drauf gegangen (nicht für Foto-Bücher, schnief), und dazwischen hab ich mein Hirn zum Qualmen gebracht mit all den wertvollen Informationen, mit denen man uns zuballerte... wen haben wir nicht alles getroffen:
Zuerst, am Dienstag morgen, das über-über-über-populäre, arg berühmte und hochgehandelte Foto/Dokumentar/Kunst-Duo Adam Broomberg und Oliver Chanarin - von Lisa liebevoll Adam und Ollie genannt und geherzt. Für ihre Prominenz waren die beiden ganz entspannt und sehr großzügig - da durften wir schon mal die ersten Drucke von Ghetto begrabbeln, und bekamen eine exklusive Vorschau aufs neue Projekt (Tipp: es geht um August Sander, Überwachung und Pussy Riot...). Im wunderschönen Studio im wunderschönen Spitalfields liefen und quatschten wir uns so langsam warm für den Rest der Zeit.
Als Nächstes gab sich Tom Hunter im LCC die Ehre, uns durch seine Ausstellung zu führen und all unsere Fragen zu beantworten. Merke: auch als alter Hippie kann man es in der Fotografie weit bringen, das ist ja schon mal ganz beruhigend.
Am Mittwoch ging es sehr früh nach Brighton. Vom zerstörten Pier und Strand, wo mal die Promenade war, haben wir nichts gesehen - wir waren bei Ewen Spencer im Studio und haben uns eingegroovt. Die ersten machten große Augen: "So was will ich später auch!", während den anderen noch der Koffein-Mangel anzumerken war.
Weiter ging's zur Mini-Legende Simon Norfolk, der uns nirgendwo anders als in seiner eigenen (sehr teuren) Wohnung an der See empfing. Zwischen Afghanistan-Mitbringseln löcherten wir den Meister der Landschaftsfotografie und des Selbst-Verkaufens, der nicht müde wurde, seine links-politische Herkunft zu unterstreichen und uns nebenbei Tipps zu geben, wie man am besten und billigsten in Kabul Großformat-Fotografie betreibt.
Den Anschluss in Brighton gestaltete Simon Roberts, der es uns nicht übel nahm, dass wir etwas zu spät kamen, sondern ganz entspannt darüber plauderte, wie man mal so eben Drucke, Gallerie, Bücher, Zeitschriften und neue Arbeiten unter einen Hut bringt - mit drei Kindern. Manche sind eben doch besser als andere. Von beiden Simons würden wir auch am Donnerstag noch viel hören - hochgelobt als Vorbild für die kleinen Studenten. Unsere Kinnladen wurden immer lockerer, während unsere Hirne zu rauchen begannen.
Im Kleingruppen ging's am Donnerstag abermals durch London: Zuerst zu den Machern der Zeitschrift British Journal of Photography - der vielleicht einzige enttäuschende Besuch, denn das, was ich als meinen Traumjob erachtete, ist ein schnödes, hektisches Gruppenbüro, in dem alle nur an die nächste iPad-Version denken.
Dafür präsentierte sich danach das Team der Agentur Panos im stillen, Kanal-durchzogenen Hackney und nahm sich einfach mal mehr Zeit für uns als geplant, um uns auch wirklich all ihre Schwerpunkte erklären zu können. Das Design-Team, das im gleichen Büro wohnt, zeigte uns, wo wir schon mal da waren, wie man erfolgreich seine eigene kleine Nischen-Agentur aufbaut - Achtung, niedliche Kätzchen! Also, so für Panos zu arbeiten wär' schon geil...
Es folgte der wohl gemütlichste, aber auch leider kürzeste Abstecher ins Wohnzimmer von Maja Daniels, die zwischen zwei neugierigen Katzen und vielen Tassen Tee darüber plauderte, wie man als junge Fotografin auf sich aufmerksam macht und warum es gar nicht blöd ist, einen Abschluss in Soziologie zu haben.
Unseren Trip beendeten wir schließlich in Hoxton in der Flowers Gallery, wo sich die Gruppen (auch die, die statt Panos und Maja Nigel Shafran und Dafna Talmor besuchten) wieder fanden, um eine Exklusiv-Tour mit Jason Larkin durch seine noch nicht eröffnete Ausstellung zu bekommen, und um im Büro vom Chef auf dem Sofa zu lümmeln und Foto-Bücher anzugucken. Es wurde spät, es gab Wein, und allmählich taten die Köpfe schon fast weh vom gesammelten Wissen.
Zum Glück fuhren die Busse nach Newport noch am gleichen Abend...

Jetzt muss alles erstmal verdaut, die Füße ausgeruht, die Rucksäcke ausgepackt, die Bilder entwickelt werden. Schön war's. Viel war's. PUH.
(Aber ich hab mal in der Gallerie gefragt - die nehmen auch Praktikanten. Und mich kennen sie jetzt ja. Es gibt immer einen Weg zurück nach London...)

Mittwoch, 12. Februar 2014

Muskeln spielen lassen

Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist! Ich bin produktiv - habe schon Emails verschickt, Kurs-Kameraden wichtige Infos zukommen lassen, eine Paket-Zustellung arrangiert, meine Pläne für nächste Woche konkretisiert, und endlich mal eine UK-Sim-Karte bestellt - und es ist kurz nach 11. Ich hab noch nicht mal gefrühstückt. Oh weh.
Vielleicht ist das so ein Loop aus dem Wochenende, oder eine Kompensierung, oder so. Gestern im Seminar wurde mir (wie so ziemlich allen anderen auch) mal fett reingedrückt, dass wir quasi nur noch vier Wochen haben, um unser Projekt fertig zu stellen. AH! Ich hab ein paar Licht-Tests gemacht am Wochenende, und mir die Arme lang- und die Muskeln dickgeschleppt mit dem blöden Scheinwerfern. Ja, der Mensch, der immer moserte: "Also, Blitz find ich ja scheiße!", benutzt jetzt Scheinwerfer. Muskelkater ist vorprogrammiert.
Allerdings hab ich die Scheinwerfer und Models (!!!) derzeit nur wochenends zur Verfügung. Also muss ich mir unter der Woche etwas anderes suchen. Hmm. Ich denke, ich gehe jetzt erstmal frühstücken.


Dienstag, 4. Februar 2014

Neues von der Front

Manche nennen mich strebsam, andere fordern mich auf, mein Bett auch mal zu verlassen - wie auch immer man meinen Arbeitseifer beurteilen mag, ich hab's doch hier und da hingeschafft, und ein paar Fortschritte erzielt - wie auch immer das passiert ist. Noch starre ich zwar nicht im Schweiße meines Angesichts auf irgendwelche miserablen Bilder und frage mich, wie zur Hölle ich in dieses Chaos geraten bin. Das wird sicher noch passieren, angesichts der sechs Wochen Arbeitszeit für's nächste Projekt und meinem völlig abgedrehten, miserabel umsetzbaren, aber letztlich von Paul akzeptiertem Konzept. 
Aber immerhin weiß ich nun, wohin mich dieses Semester führen wird - das Leitthema ist HIV/AIDS, und das wird sicher etwas tiefgründiger als der Zirkus- und Theaterkram der letzten Zeit. Das schadet den grauen Zellen sicher nicht. Apropos Zirkus: Ich war dann am Sonntag noch dreieinhalb Stunden im neuen Trainingszentrum von NoFit State, und ach, war das alles herzig. Es war Tag der offenen Tür, und sie brauchten Fotografen, und überall wuselten kleine Prinzessinnen und Spidermans herum und alles freute sich und lachte. Das brauche ich öfter, in nächster Zeit, fürchte ich, auch wenn die neue Kamera auf Dauer doch ganz schön schwer ist, und die Entscheidung, welches der 500 niedlichen Prinzessinnen-Bilder wieder zu löschen, auch nicht ganz einfach.

Samstag, 1. Februar 2014

Bücherwurm

Letztes Jahr noch wurde für diesen Winter Großbritannien und insbesondere Wales mit dem "Jahrhundertwinter" gedroht, drei Monate Schnee!!! schrieen sie alle. Tja. Also, in Newport regnet's. Und windet. Und regnet noch mehr. Schnee hatten wir bisher... gar nicht.
Also suche ich Schutz in meinem Bett, ab und an einen Blick ins trübe Grau vor dem Fenster werfend. Den Rest der Zeit habe ich Bücher vor der Nase. Ein Paradies, eigentlich! Eine Tasse Tee und Bücher - so schlimm ist das wirklich nicht. Mmmhja. Und das Schönste ist: Ich darf das nicht nur, nein, ich bin sogar explizit dazu aufgefordert. Im Theorie-Modul ist ein literature review gefordert, eine Auseinandersetzung mit sämtlicher Literatur im weitesten Sinne zu einem gewählten Thema. Und das praktische Modul dreht sich um konzeptuelle Dokumentarfotografie, hier ist die Idee und die damit verbundene Recherche alles.
Also lese ich, lese ich, lese ich. Auf dem Boden ist ein Stapel Kunstbücher aus der Bücherei, angefangen mit Photography and the Body und endend mit Don't leave me this way - Art in the age of AIDS. Vor dem Bett liegt Tony Kushners Angels in America, im Regal lauert die Tales of the City-Reihe, dessen letzte drei Fortsetzungen auf der Internet-Wunschliste mit David Bates Photography (Key Concepts) konkurriert. Die gelesezeichneten Artikel in der Internet-Historie tragen Titel wie HIV-Infektion: In Flagranti und 3D. Und so weiter...
Man kann es schon erraten - das alles beherrschende Thema für dieses Jahr ist HIV/AIDS. Kein Theater mehr. (Die Dozenten müssen das noch absegnen, aber...ach.) Klingt ganz schön deprimierend? Ich finde nicht. Man muss nur das richtige draus machen. Immerhin darf ich für die literature review auch sämtliche Popkultur in Betracht ziehen, die ich finde. Also immer her mit einer schrägen Mischung aus Philip Lorca diCorcia, Nan Goldin, John Grant und Dallas Buyers Club. Der Regen kann draußen bleiben.

Mittwoch, 29. Januar 2014

Dresscode: Schwarz-Weiß

Heute gab's Feedback und Noten für die Bilder und während meine Gruppe die beste Note für die Ausstellung erhielt (verdientermaßen, finde ich!), bin ich mit der Einzelnote nicht ganz so zufrieden. Aber nun, was hilft's denn. Mein werter Mitbewohner merkte an, vermutlich zu Recht, dass es am Ende eh auf die Bilder ankommt, wenn man irgendwo ankommen möchte.
Und meine Bilder, die find ich gut. - Paul ermutigte mich in der Feedback-Runde, doch meine ganze Karriere auf die Theaterfotografie auszurichten, und die restliche Zeit in Newport zu nutzen, mich darauf zu spezialisieren. Ob ich darauf so Lust habe, weiß ich ja noch nicht so recht....
Aber ich will euch die Bilder auch nicht länger vorenthalten: Eine große Auswahl von Sleeping Beauties gibt's auf meiner brandneuen 500px-Seite zu sehen!

Adam Scales, Lisa Jên Brown und Molly Vevers in der Probe
Bettrys Jones und Cast auf der Bühne

Dienstag, 28. Januar 2014

Gummistiefel und Automatenbier

Als Kind hatte ich ein Buch mit vielen Bildern und wenig Text, in dem von einem kleinen Jungen erzählt wurde. Dieser kleine Junge bekam knallrote Gummistiefel und hüpfte fortan glücklich in jede Pfütze, die er fand, ohne je nasse Füße zu bekommen.
Im Newport dieser Tage träume ich oft von diesen Gummistiefeln, insbesondere heute, als ich mit Schrecken feststellen musste, dass meine Lieblings-Schuhe an den Hacken Löcher haben und so gar überhaupt nicht mehr regendicht sind. (Keine Sorge, liebe Eltern, das Kind hat noch andere Schuhe, die durchaus funktionstüchtiger sind.) Es regnet beinahe ohne Unterlass - der walisische Winter ist eben doch eher nass als weiß, auch wenn gern Gegenteiliges behauptet wird. Das ist noch schlimmer als in der Schweiz, wo ich keine Berge sah, weil sämtliche Alpen sich in grauen Regenwolken versteckten.
Aber was hilft das Jammern? Nichts. Die Schweiz war auch so sehr unterhaltsam. Besonders gefiel mir Winterthur, das für die immerzu sauberen und konservativen Schweizer Verhältnisse mit durchaus alternativer Clubkultur aufwarten kann, und Zürich, diese graue, hässliche, teure Stadt am Limmat, die doch ihre kleinen, feinen, künstlerischen Geheimecken hatte - samt Party im Künstler-Atelier (mit Bier aus strassbeklebten Automaten) und einer wunderbaren Ausstellung im Helmhaus. - Jetzt klingt es so, als hätten wir nur gefeiert, da unten. Nein, nein, wir sind auch viel hin und her gefahren, haben Kisten geschleppt, Raclette-Angebote abgelehnt, und nicht einmal die Schweizer Polizei konnte uns etwas Regelwidriges nachweisen, als sie uns und unser britisches Auto namens "Hedd" zu kontrollieren meinte. Da ist so ein Automaten-Bier schon mal verdient.
Von Frankreich haben wir auch sehr viel gesehen, da unser Navi auch garantiert den kürzesten Weg suchen musste, und uns auf so einige schmale Landstraßen durch winzige, verlassene Dörfer lenkte. "Durch die Pampa in Frampas!" Inklusive günstiger Pizza in Bethune und noch günstigerem Hotel in Calais, Champagner-Straße in der Champagne, und sehr vielen Kriegs-Denkmälern auf der gesamten Strecke, war der Roadtrip mit so einigen Überraschungen gesegnet. Und lasst euch sagen: In einem Ford Focus schläft es sich gar nicht so schlecht.
Unterdessen fing der Uni-Alltag wieder an, und heute gab's die Einführung ins Theorie-Modul. Ganz viel Literatur müssen wir lesen, wichtig, wichtig, und ganz viel über den Tellerrand schauen - darin habe ich genug Übung, finde ich, und mache mir keine Sorgen, denn das letzte Essay ist mit exzellenter Bewertung zurück gekommen (Punktabzug nur für fehlende Seitenzahlen in den Referenzen, ups). Morgen steht die Feedback-Runde für die praktische Arbeit an. Es bleibt spannend. Nass bleibt es vermutlich auch. Am Freitag steht die Einführung für das nächste praktische Projekt an. Bis dahin verkrieche ich mich also unter meinen Decken, bearbeite ein paar Bilder, und träume mich zurück in die Schweiz.

Samstag, 18. Januar 2014

Keine Sorge, mir geht es gut.

Dies ist der 201. Eintrag auf der Website, und es ist mir ein wenig peinlich, dass ich die 200 so sehr bejubelt habe, nur um dann einen halben Monat lang nichts von mir zu geben. Zu meiner Verteidigung möchte ich anmerken, dass ich seitdem ganz schön viel erlebt habe und einfach keine Zeit und Lust zum Schreiben fand.
Fangen wir also von vorne an: Da stand ich ganz arglos am Meer, den Wind und die Wellen genießend, als plötzlich ein Piratenschiff heran segelte. "Holla!", rief der Piratenkapitän und schwenkte seinen Hut, "willst du mit uns auf Kaperfahrt fahren?" - "Hurra!", rief ich, band mir meinen Regenmantel fest und.... wie, höre ich euch schreien, das kann doch nicht die echte Geschichte sein? Na gut, seufz. Dann eben die Wahrheit.

Die Wahrheit ist, dass, wie alle Jahre wieder, Weihnachten und Neujahr so unglücklich aufeinander fielen, dass ich gar nicht mehr wusste, wie und wohin, und überhaupt, warum all die Geschenke und all das Essen?! Und da dachte ich gerade, der Trubel sei vorüber, da fand ich mich frühmorgens auf dem Bremer Flughafen wieder, und wenig später in London, und noch ein wenig später schon wieder in Newport. Durchatmen, Bett, Ruhe, dachte ich mir, aber nichts da. Eine Woche nach der Rückkehr warteten schon die Deadlines und rieben sich hämisch die Hände!
Meine Tage und Nächte verbrachte ich folglich damit, Wasserflecken von meinen Negativ-Scans zu photoshoppen, das beste Papier zu kaufen, und photogeshoppte Bilder auf bestem Papier zu drucken, nebenher noch Bücher zu wälzen, ein Essay zu schreiben, und beinahe krank zu werden. Dann wollte auch noch eine Ausstellung aufgebaut werden - der Tag hat ja mehr als 24 Stunden, also malerte und fegte ich auch noch, hegte und pflegte eine Website, twitterte viel und aß wenig (vor allem Fertigpizza). Am Montag durfte ich dann endlich meine Foto-Arbeit in Pauls Hände legen, am Dienstag das Essay einreichen, und am Donnerstag die Ausstellung eröffnen.
Ein Stress ohnegleichen! Da blieb nicht mehr viel Zeit für irgendetwas anderes. Zu meiner großen Freude, und verdientermaßen, bin ich mit dem Essay einigermaßen zufrieden, mit der Fotoarbeit sehr glücklich, und die Ausstellung läuft auch super. Ich habe sehr viel Lob für meine Bilder bekommen, noch ein paar Kaufinteressenten gefunden (mal schauen, ob das wirklich was wird...) und vegane Muffins gegessen. Es sind wirklich viele Leute zur Eröffnung gekommen, und Paul und den anderen Dozenten schien's ebenfalls gefallen zu haben.
Jetzt wird es Zeit, mal wieder ins Leben zurück zu kehren. Der Rost muss von den Blogs abgekratzt werden, Bilder wollen auf Flickr zur allgemeinen Bewunderung hochgeladen werden (bald versprochen), mein Küchenschrank hat Hunger auf Nahrungsmittel, die nicht aus Käse bestehen, und außerdem...fahre ich in die Schweiz! Und zwar morgen früh - meine allerliebste Erasmus-Freundin Mira und ich machen uns auf einen Roadtrip durch England, Frankreich und das Land des Stinkekäses. Wenn ich Internet finde, werde ich von unterwegs berichten.

Wie, schreit ihr jetzt, das war alles? Wegen so ein paar pupsigen, lausigen Uni-Sachen vernachlässigst du uns? Ach. Na gut, also nochmal von vorne: Da stand ich ganz arglos am Meer, den Wind und die Wellen genießend, als plötzlich ein Piratenschiff heran segelte...

Mittwoch, 11. Dezember 2013

Huch?

Das plötzlich besonders auf Twitter aufkeimende Interesse an meiner Fotografie, und damit verbunden an mir, und gleichzeitig ausgesprochene Kaufangebote verstören mich nur minimal.

AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAH!

Freitag, 6. Dezember 2013

Once upon a time

Once / Once upon a time...

Gestern war mein allerletzter Fotografier-Tag im Theater! Seit Montag war ich täglich von sehr früh bis sehr spät in meiner dunklen Höhle, immer den Blick auf die Bühne gerichtet. Mein Kopf ist noch voll mit Bildern, die wunderschöne Stimme der Lisa Jen Brown singt mir Einschlaflieder... nur dass ich nicht einschlafen kann. Im Moment sitze ich in der Scanning-Suite, am ersten von vielen Filmen, die eingescannt werden wollen. Ach, wie sehr ich mich ins Theater zurück wünsche! Hier ist es langweilig, und nicht bunt und laut, und ich habe hier keine Schauspieler, die für mich Faxen machen. Meeeh.

Mittwoch, 27. November 2013

Die unerträgliche Leichtigkeit des Essay-Schreibens

Wenn man spät in der Nacht und mit seinem Mitbewohner zusammen über seinem Essay-Thema grübelt, kann schon mal so etwas dabei rauskommen wie: "Die willentliche Aussetzung der Ungläubigkeit in der Fotografie", eine wissenschaftliche Untersuchung der Wahrheit hinter dem Schein in Richard Avedons Portrait-Fotografie.
Das werde ich genau so - nur eben auf Englisch - morgen im Seminar vorstellen. Mal sehen, was mein Tutor dazu sagt.

Dienstag, 19. November 2013

Polaroids, das Magische, das Banale, und ich

Es war ja recht ruhig um mich in dieser Blogsphäre - mal abgesehen von meiner kleinen Pöbelei gegen Sara Davidmann auf dem englischen Pendant -, so war das nicht beabsichtigt! Tut mir leid. Zu meiner Verteidigung muss ich aber auch sagen, dass ich wirklich viel um die Ohren habe. Nicht nur will ein Theater regelmäßig besucht und fotografiert werden, sondern auch die dazugehörige Gruppe gepampert und gepudert. Wie man nur alles so tot diskutieren kann! Immerhin fand das letzte Gruppentreffen hier bei mir zuhause statt, das war ganz nett, so etwas spart mir lange Wege.
Heute musste ich mal wieder Bilder vorstellen - Russell Roberts, einer der neuen Tutoren, hat uns ganz schön ins Gebet genommen - "Was sagt ihr? Ihr habt nicht mal eine einheitliche Definition von 'communities'?", aber auch jedem gerechtfertigtes Feedback gegeben. Und er mag, was ich tue! Und er sagt, dass ich auf dem richtigen Weg bin! Und er hat mir ein paar neue Ideen gegeben. Ich werde jetzt mehr nach dem Banalen als dem Magischen gucken, und dem ganzen ein bisschen mehr Tiefe geben. Außerdem werde ich darüber nachdenken, wie ich die Geschichte von Sleeping Beauties in meine Arbeit einbauen kann. Wer weiß, vielleicht benenne ich das Projekt ja einfach nach dem Stück? Aber das wäre auch irgendwie blöd. Es ärgert mich ein bisschen, dass ich verschlafen habe, ein Foto zu machen, als die Gasmasken und Schutzanzüge von 1984 noch neben dem Schild "Leute, wascht eure Tee-Tassen ab!" hingen. Da war es, das Banale und das Magische. Nur leider nicht auf meinem Film.
Bevor ich mir darüber den Kopf zerbreche, schreibe ich lieber meine Präsentation über Polaroid-Fotografie für Donnerstag. Dazu habe ich eigentlich keine Lust, zumal natürlich die ganze Gruppenarbeit an mir hängen geblieben ist. Aber was will man machen: Schließlich muss man erstmal durch's Banale, bevor man zum Magischen kommt. Am Ende der Woche bekomme ich bestimmt ein Einhorn.