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Montag, 26. Mai 2014

Europa

Liebe Europa-Wähler (und vor allem Nicht-Wähler),

das habt ihr ja ganz toll hinbekommen, ihr Schnarchnasen. Einseitige Medien-Berichterstattung und geringe Wahlbeteiligung, und zack, Rechtsrutsch in ein paar Ländern, die eigentlich auf einem guten Weg waren, ihr Penner. Und ja, Frankreich und Großbritannien, euch schaue ich besonders scharf an, ihr Idioten.

I am not amused.

Donnerstag, 1. Mai 2014

Der Tag wird kommen

Gut, zugegeben, ich hab lange nicht mehr geschrieben und dabei ist so viel passiert! Ich hole das bald nach, versprochen. Zunächst aber einmal ein ganz tolles Lied mit ganz tollem Text, das auf youtube als "angenehm wütend" beschrieben wurde, und das, wie ich finde, ganz zu Recht. Immer schön draufhauen auf die homophoben Vollidioten. (Und 'ne tolle Stimme hat er ja auch, der Marcus.)


Samstag, 22. März 2014

Ich bin dann mal die langsame Welle reiten

Das Leben in Newport verläuft nun, nach Abreise meines hochgeschätzten Besuchs, eher gemütlich. Es dümpelt langsam vor sich hin. Eigentlich ist schrecklich viel zu tun - es wollen Pappsets gebaut, Fotobücher designt, Bücher gelesen, Essays geschrieben werden, und argh, bald ist auch schon wieder Ostern, also minus zwei Wochen Arbeitszeit, und dann sind ja auch schon die Deadlines und so - aber mein Körper hat sich mal wieder entschieden, in Schockstarre zu fallen und das Gegenteil vom Verlangten zu tun. Wenn am meisten zu tun ist, komme ich gar nicht erst aus dem Bett, das ist ein Naturgesetz. Also habe ich heute den Großteil des Tages im Bett verbracht.
Was ja nicht heißt, dass ich gar nichts mache. Okay, mal abgesehen von den anderthalb Stunden "Leoparden küsst man nicht" (Cary Grant! Katherine Hepburn! Leoparden!) war ich tatsächlich halbwegs produktiv. Zwar habe ich keinen Finger für's nächste Pappset gerührt, aber fleißig für's literature review gelesen...da ist der Termin Anfang Mai, also quasi übermorgen.

Cindy Patton, Laptop und improvisierter Nachttisch.
Gestern abend noch war ich auf der ausgezeichneten Ausstellung unseres Kursleiters Paul, der in Penarth eine Retrospektive zeigt und uns alle eingeladen hatte - es sind auch alle gekommen, außer Kieran, die Ffotogallery (kein Rechtschreibfehler, nur Walisisch) war gerappelt voll. Schön war's. Interessant war's. Und nun lese ich über die Entstehung und Entwicklung homosexueller Gemeinschaften in den ersten Jahren mit AIDS... wusstet ihr, dass AIDS eigentlich zuerst in den späten Siebzigern unter Drogenabhängigen in Form von Lungenentzündungen ausbrach? Das erkannte damals nur keiner. So ein Pech.

Mary-Louise Parker, D800 und improvisierte Studiobeleuchtung.

Samstag, 15. Februar 2014

Ein paar Worte zu...Matthias Matussek

Da wacht man auf, schaltet das Laptop ein und freut sich ein paar Minuten später über die wunderbare, ehrliche, warmherzige Coming-Out-Rede von Ellen Page...und wird dann urplötzlich mitten im Enthusiasmus gebremst von einem erzkonservativen Idioten, der meint, auf die ohnehin schon ziemlich missratene Debatte um Homosexualität in Deutschland noch etwas draufsetzen zu müssen. Matthias Matussek schreibt für die "Welt", ist seiner Biografie zufolge bekennender Katholik - an sich ja erstmal nicht verkehrt - und betitelt seinen Kommentar mit "Ich bin wohl homophob. Und das ist auch gut so." 
Nun. Lieber Herr Matussek, an Homophobie ist nichts gut. Homophobie ist Hass. Homophobie ist Ausgrenzung. Homophobie ist tödlich. Sogar konservative Katholiken sollten inzwischen begriffen haben, dass man auf so etwas nicht stolz sein sollte. Dieser Kommentar, angelehnt an die Debatte um Maischberger und gewisse Petitionen gegen die Aufklärung badenwürttembergischer Schüler, ist ein Stück roher Dummheit, wie ich sie selten (zumindest in großen deutschen Zeitungen) gesehen habe.
Sicher darf man sich ärgern, wenn man sich in der Nähe Homosexueller nicht wohl fühlt und dafür gleich als schlimmster Volksfeind verschrien wird - in Deutschland ist die Meinungsfreiheit ja letztlich Grundgesetz, auch für Herrn Matussek. Das dieses "sich nicht wohlfühlen" auf religiös-verwirrter, und letztlich rational wenig begründbarer Ebene stattfindet, lassen wir an dieser Stelle mal außen vor - ich bin müde, immer wieder das "Aber wir sind doch ganz lieb!"-Schild zu schwenken. Was aber gar nicht geht, ist dieses Nicht-Wohlfühlen erklären zu wollen - und dabei ganz tief in den Diskriminierungs-Topf zu greifen.
Laut Herrn Matussek sind homosexuelle Paare "defizitär" und nicht in der Lage, gute Eltern zu sein - schließlich sei uns das binäre System nicht ohne Grund gegeben, Kinder für homosexuelle Paare seien offensichtlich weder von Gott noch der Natur vorgesehen...es folgen noch ein paar weitere verblendete Annahmen und biologischer Determinismus der übelsten Sorte.
Dann können Homosexuelle eben nicht miteinander auf die jahrhundertelang vorherrschende, "natürliche" Art miteinander Kinder bekommen. So what?! Das bedeutet nicht, dass sie minderwertig sind - höchstens von der Gesellschaft benachteiligt. Äußerungen wie die von Herrn Matussek helfen da wenig. Vielleicht will Matussek nicht, dass ihm jedes Mal grob über den Mund gefahren wird, wenn er sich als gläubiger Katholik bedroht fühlt oder etwas nicht für richtig hält, oder was auch immer es ist, was ihn da im tiefsten Inneren stört. Vielleicht gefällt es aber auch den Homosexuellen nicht, immer wieder als minderwertig und naturwidrig bezeichnet zu werden, und nichts dagegen sagen zu dürfen.
Am Ende verklärt Matussek sich zum Märtyrer und verkündet, "nun lasse ich mich gerne steinigen". Ein wenig anmaßend, oder nicht? Es wäre weitaus friedlicher, wenn alle Beteiligten mal ein paar Gänge runterschalten würden, ein wenig mehr auf die Wortwahl achteten, und begreifen würden: Es ist nicht Meinungsfreiheit, wenn man andere herunterputzt, es ist lediglich gefährlich. Es ist Meinungsfreiheit, und noch viel besser: Gleichheit, wenn jeder den anderen sein lässt, wie er ist, und nicht gleich die göttliche Messlatte hervorholt. Steinigen, das ist ja so mittelalterlich.
(Ach was, Herr Matussek wird auch nicht gern als mittelalterlich bezeichnet? Na so was.)

Montag, 21. Oktober 2013

Ich bin nicht verloren

Ja, ich habe das Wochenende überlebt, und weil ich seit Freitag mehr Zeit auf meiner Matratze/unter meiner Bettdecke verbracht habe als üblich, kommt es mir vor, als hätte ich vor Urzeiten das letzte Mal geschrieben. Twitter ist an allem schuld, und Facebook, und das Internet-Fernsehen. Mich an den Bildschirm zu kleben ist wirklich, wirklich einfach.
Ich wollte gerade mit einem wunderbaren rhetorischen "Was also habe ich das Wochenende lang getrieben?" einen neuen Absatz einleiten, aber die wahre Antwort wäre "Nichts", lassen wir das also mal... Nun ja, "ein bisschen". Mit ein paar der Mitbewohnerinnen "Despicable Me" (beide Teile!) geguckt. Mich auf Twitter mit einem Haufen Trans-Feminist*innen über eine Person in den USA, die ein siebzehnjähriges Trans-Mädchen vor ihrer Schule und im Internet zwangsgeoutet und ziemlich übler Dinge beschuldigt hat, aufgeregt. Diese Person hat selbst übelst einen an der Waffel - nennt sich Feministin, erkennt Trans*-Frauen aber nicht als Frauen, sondern als Männer an, und nun ja, der Shitstorm auf Twitter war beträchtlich. Ich habe außerdem mein Foto-Projekt etwas voran getrieben, mit Larilein über ihren Nachlass verhandelt (ich bekomme ihre Bücher!), und viel geschlafen.
Arg faules Wochenende. Aber heute Nacht kommt Kieran aus Newcastle wieder, jippie, und Jenna ist dann mit ihrer Präsentation durch, jippie, und dann habe ich endlich wieder jemanden zum belästigen.

Außerdem sehr gute Nachrichten: Ich fahre am Wochenende nach Aberystwyth, eine Übernachtungsmöglichkeit hat sich aufgetan!

Samstag, 12. Oktober 2013

Empört Euch!

"Ich wünsche allen, jedem Einzelnen von euch einen Grund zur Empörung. Das ist kostbar. Wenn man sich über etwas empört, wie mich der Naziwahn empört hat, wird man aktiv, stark und engagiert. Man verbindet sich mit dem Strom der Geschichte, und der große Strom der Geschichte nimmt seinen Lauf dank dem Engagement der Vielen." - Stéphane Hessel

Dieser Gedanke, diese vier Sätze des französischen Résistance-Veteranen Stéphane Hessel treibt mich heute um. Er hat einen wortgewaltigen, dabei nicht mal langen, Appell namens Empört Euch! (Indignez-Vous!) geschrieben - und der Name ist Programm. Er beschreibt, wie die Werte und Errungenschaften der Résistance und der Post-Nazi-Gesellschaft - u.a. die Deklaration der Menschenrechte, soziale Sicherheit, wirtschaftliche Demokratie - heute, 65 Jahre später, wieder verloren gehen an die Banken, die Privatisierer, die "Macht des Geldes", und vor allem an diejenigen, die dem gleichgültig gegenüber stehen. Er will die Demokratie, die Stimme der Einzelnen, bewahren und ruft zu Empörung auf, zum ersten Schritt in Richtung Widerstand.
Empört Euch! ist eine kleine Streitschrift, kaum dreizehn Seiten lang, und erzählt von dem grundlegenden Konflikt unserer Gesellschaft. Inmitten des Kapitalismus und des Individualismus, vorangetrieben durch Thatcher, die französischen Republikaner, die deutschen Liberalen, ist es schwer geworden, sich für den Protest zu begeistern, geschweige denn, sich über etwas erst einmal zu empören. Wir sind träge geworden, wir folgen brav der Diktatur der Massenmedien. Die Macht der vielen Stimmen bleibt in Internet-Petitionen stecken. Hessel erzählt von seiner Zeit in der Résistance, von seiner Mitwirkung an den Menschenrechten, seinem Engagement für Minderheiten und unterdrückten Völkergruppen, etwa in Algerien oder Gaza. Und er fragt uns: Was treibt uns an? Warum kämpfen wir nicht für den Umweltschutz? Warum verdammen wir den Terrorismus, nicht aber den Völkermord?
Er trifft da einen wunden Punkt. Und natürlich hat er Recht. Wir sollten uns wirklich mehr empören. Doch was heißt das denn, "sich empören", heutzutage? Hessel ruft dazu auf, die ewige Spirale der Gewalt durch Hoffnung und Gewaltlosigkeit zu brechen. Doch eine wirkliche Lösung bietet er auch nicht. Es ist das ewige Dilemma dieser Pamphlete, die die Demokratie bewerben, doch die Anarchie verdammen, eine schwammige Idee der Freiheit im Sozialismus propagieren und doch nicht richtig wissen, wie man es anstellen soll. Nicht jeder ist Diplomat und kann wie Hessel unbehindert in den Gaza-Streifen einreisen und seinen großen Namen nutzen, um Missstände anzuprangern. Sicher ist Gewaltlosigkeit eine gute Sache. Doch was anstelle der Gewalt folgen soll, lässt Hessel offen. Empörung kann alles sein, solange wir nicht die Raketenwerfer zücken.
Es ist einfach, gegen die Diktatur der Massenmedien und des Finanzmarktes zu wettern, auf Freiheit und die Menschenrechte zu pochen, auf die Geschichte zu verweisen. Aber es sind viele Fronten, auf die er da hinweist, viele Kämpfe, die wir gemeinsam ausstehen sollen - eine schwierige Aufgabe, so ganz ohne Anleitung. Empört Euch! ist wichtig, ist gut, ist richtig, nur noch nicht zu Ende gedacht - es liegt jetzt an uns, eine Lösung zu finden, Empörung mit Hoffnung mit Gewaltlosigkeit (oder Gewalt an den richtigen Stellen?) zu vereinen, die Alten können ja nicht alles für uns machen. Vielleicht ist es genau das, worauf uns Stéphane Hessel mit seinen letzten, großen Worten stoßen will:

"Neues schaffen heißt Widerstand leisten. Widerstand leisten heißt Neues schaffen." (Empört Euch!, S. Hessel, S. 21, ullstein-Verlag)

Donnerstag, 29. August 2013

Zwei sind zwei zu wenig

Auch wenn neuerdings Artikel groß und fett mit "CDU-Spitze will offenbar neues Adoptions-Gesetz" betitelt werden: So richtig wohl fühlen sich die Konservativen ja nicht mit der Anpassung des Adoptionsrechts für gleichgeschlechtliche Paare. Ich zitiere Christine Lieberknecht: "Es geht um das Kindeswohl, und ein Kind braucht von seiner Veranlagung her einen Vater und eine Mutter." Kinder brauchen also zwei unmittelbare Vorbilder, je eins männlich, eins weiblich?!
Das ist nun zuerst einmal Gender-technisch völliger Quatsch. Denn es impliziert, dass man nur, wenn man mit dem richtigen Geschlechtsteil zur Welt gekommen ist und glücklicherweise einen Partner mit gegenteiligem Geschlechtsteil gefunden hat, Kinder adoptieren sollte - denn natürlich hängt das Verhalten und die Vermittlung von Verhaltensweisen an andere ausschließlich davon ab, was sich zwischen den Beinen befindet. *hust*
Außerdem stellt sich da natürlich die Frage, wie sich das eigentlich mit der Adoption durch Einzelpersonen verhält. Denen fehlt da ja etwas! Oder in Trans*-Familien. Oder was ist mit intersexuellen Kindern - dürfen die dann nur von intersexuellen Eltern adoptiert werden, um ja das richtige Vorbild zu haben? Fragen über Fragen an die CDU!

Zuletzt entspann sich soeben auf Facebook folgende, nicht ganz ernst gemeinte Diskussion:

Ich: Muss dann eigentlich jedes Paar auch zwei Kinder adoptieren, eins männlich, eins weiblich, damit sich das auch lohnt, für beides Vorbilder zu haben?
J.: Eigentlich reicht es nicht aus, zwei Kinder zu adoptieren. Jedes Kind braucht mindestens ein gleich- und ein gegengeschlechtliches Geschwisterkind. Also sollten es doch am besten gleich vier (2w/2m) sein.
Ich: Vier sind auch genug, um Mutti auf Dauer am Herd zu beschäftigen.
J.: Wenn man für die vier dann gleichzeitig Betreuungsgeld bekäme, entspräche das schon fast einem Minijob.

Sind die Adoptions-Regeln der CDU also doch nur ein perfider Versuch, Frauen aus dem Arbeitsmarkt zu verdrängen? :o

Dienstag, 6. August 2013

Systematisierung

Ich wurde heute systematisiert. Das bedeutet, mein Arbeitsbereich in meinem Job wurde, zwecks Einheit in allen Filialen deutschlandweit, in ein System gezwungen, dem ich nun bis ins Detail zu folgen habe. Dazu habe ich heute eine dreistündige Schulung durchlaufen, in der mir eben diese Klein- und Feinheiten erläutert und gezeigt wurden. Es gibt jetzt Listen, die ich abhaken muss, und Aufkleber, die ich mit Daten versehen muss, und Wasserhähne, die ich auf- und zudrehen muss, und vier Ordner, die ich mir einverleiben darf. Und wenn ich damit fertig bin, muss ich zählen, und zwar alles, was nicht bei drei in den Lagern ist. Das dient zunächst der corporate identity und zweitens Versicherungsgründen, drittens der Hygiene - und viertens der Kontrolle. Denn klauen wird bei einer täglichen Inventur ganz schön schwierig, und auch in zwei Jahren sind Arbeitgeber, Bund und Land durch die lieblich ausgefüllten Listen in der Lage, nachzulesen, ob ich in meinem Sommerjob denn auch wirklich zweimal pro Woche die Schubladen von unten abgewischt habe.
Bürokratie vom feinsten, und wieder einmal die Erkenntnis: Im System wird der Mensch immer mehr zur Maschine.

Donnerstag, 4. Juli 2013

Ein paar Worte zu... Frankreich

"Homo-Ehen-Gegner fürchten rechte Wirrköpfe"... finde den Fehler.

...Das schrieb ich vor ein paar Wochen zu einem Zitat aus einer größeren deutschen Tageszeitung, die sich mit der konservativen Bewegung in Frankreich beschäftigte. Mangels Zeit, Lust und Geduld, mich mit dem ganzen Hass, der aus Frankreich daher schwappte, führte ich das nie weiter aus und veröffentlichte diesen kleinen Kommentar auch nicht. Jetzt habe ich ihn gerade in meinen Blogentwürfen wieder gefunden und fühlte mich spontan an meine Lieblingsmeldung der Woche erinnert:
Marine Le Pen, Vorsitzende der rechtsextremen Front National und Mitglied des Europaparlaments, wurde ihre Immunität aberkannt, damit sie in Frankreich wegen Rassismus vor Gericht gebracht werden kann. Mir persönlich tut sie ja kein Stück leid. Seit der Proteste in Frankreich steht sie gleich hinter Frigide Barjot auf meiner persönlichen Hass-Liste, die aus keinem anderen Grunde zustande kam, als dass ich Menschen verachte, die aus purem Hass auf andere Menschen und in voller Ungerechtigkeit auf die Straße gehen, zu Gewalt aufrufen und ihre Böshaftigkeit versprühen, in dem verblendeten und ignoranten Glauben, für die Mehrheit zu sprechen.
Denn es ist ja so: Welchen Vorteil ziehen Leute wie Le Pen oder Barjot daraus, wenn Homosexuelle nicht heiraten dürften? Richtig, keinen. Folglich kann ihr einziger Beweggrund nur die Ablehnung, der Hass, der Wunsch, andere ihrer Grundrechte zu berauben, sein.
Jetzt hat es eine von ihnen erwischt. Ja, ich bin schadenfroh. Muhaha.

Freitag, 14. Juni 2013

Mein Weltbild wackelt

Verzeiht mir dieses miese Wortspiel im Titel, aber der allseits bekannt und auch in meiner Innenstadt vertretene Buchhändler "Weltbild" hat heute einfach mal die Steilvorlage für einen kleinen Aufreger geliefert. Wie ich soeben erfuhr, hat Weltbild einem Verlag gekündigt, weil dieser "schwule Bücher" im Angebot hat - und weil Weltbild nun mal der katholischen Kirche gehört (wieder etwas gelernt), könne man das nicht mit gutem Gewissen vertreten.
Zuerst einmal frage ich mich ja, was denn "schwule Bücher" sein sollen - ich kann's mir ja denken, eine etwas differenziertere Wortwahl hätte ich mir dennoch von einem Buchhandel gewünscht. Desweiteren wird unter anderem in diesem Artikel zu Recht darauf hingewiesen, dass Weltbild weiterhin "Shades of Grey" und Konsorten anbietet - und wenn ich mich an meine Jugend und die in unserem Haushalt herumflatternden Weltbild-Kataloge erinnere, gab es da auch immer reichlich Erich-von-Däniken-Wälzer und ähnliches. Muss sich mir erschließen, warum der katholischen Kirche schlechter Softporno und Alien-Verschwörungstheorien ins Weltbild passen (hust), nicht aber "schwule Bücher"? Seufz. Als gebe es keine anderen Probleme.
Übrigens führt Weltbild wohl noch 350 schwule Titel in seinem Katalog - da hat wohl ein Inquisitor die Brille vergessen. Auf meiner Liste der Buchläden, um die ich einen großen Bogen mache, steht jedenfalls ein Name mehr.

Donnerstag, 23. Mai 2013

Ein paar Worte zu...Woolwich

Der Mord in Woolwich, London, ist hier gerade das bestimmende Thema in Großbritannien, sowohl in den Zeitungen, wie auch auf Blogs, auf Facebook, auf Twitter und überall sonst. Die Briten scheinen es zu lieben, "Terror!" zu schreien und dann, ums eigene Leben besorgt, ängstlich aus der Wäsche und düster in die Zukunft zu schauen.
So ein Blödsinn. Fakten gibt es kaum welche, die meisten "Tatsachen" beruhen auf "Augenzeugenberichten" auf Twitter und Facebook, ein paar Videoaufnahmen, ein paar Fotos. Fest steht wohl, dass gestern ein Mann in einem T-Shirt der Militär-nahen Hilfsorganisation "Help for Heroes" in der Nähe der Kaserne in Woolwich von zwei Männern angegriffen und getötet wurde. Die Angreifer kommunizierten anschließend mit Passanten und verbreiteten islamistische Parolen, bevor sie von der Polizei beschossen wurden und in zwei verschiedene Krankenhäuser gebracht wurden. In den englischen Medien liest sich das dann schon mal so: "Zwei schwarze islamistische Terroristen haben einen Soldaten geköpft, folglich ein Terrorakt, bevor sie endlich von der Polizei und mutigen Passanten gestoppt wurden - leider nicht getötet - und nun herrschen gar Bagdad-ähnliche Zustände in den Straßen Woolwichs, und die rechten Parteien fordern ganz zu Recht Vergeltung" - gerne auch unter der Überschrift "'You People Will Never Be Safe'". 
In meinen Augen ist das vorwiegend mal wieder Panik-Mache, denn alles gleich als "Terror" zu verdammen, ist ein Trend, der hier in Großbritannien gerne von den nationalistischen Parteien und Bewegungen wie der English Defence League angefeuert wird. Natürlich kenne ich die Hintergründe nicht besser als irgendjemand sonst, und selbstverständlich kann man vor allem aus dem Video von einem der Angreifer, in dem dieser ziemlich eindeutig Nähe zu Al-Qaida sucht, so einiges schließen.
Nichtsdestotrotz basiert weiterhin die meiste Berichterstattung auf Gerüchten, und zudem ist eine willkürliche Straßenattacke durch womöglich verwirrte Einzeltäter nicht gleich ein Terrorakt, hinter dem eine Ideologie, ein größerer Zweck und ein Terrornetzwerk stehen. Derzeit verunsichern die Medien die Bevölkerung höchstens, schüren Unruhe (ziemlich erfolgreich) und spielen damit den rechten Parteien zu, die diese Aufmerksamkeit auszunutzen wissen, um weiterhin Stimmung gegen unbeteiligte, unschuldige muslimische Mitbürger zu machen. 
Es bleibt die Frage, ob der Mord so viel Aufmerksamkeit erregt hätte, wären die Angreifer keine Muslime oder schwarzer Hautfarbe und das Opfer kein Soldat gewesen, und wäre die Attacke nicht so leicht in eine Schublade zu stecken.

Mittwoch, 17. April 2013

Danke, Neuseeland!

Neuseeland öffnet die Ehe für Homosexuelle... und das Parlament singt. Eine wunderschöne Ablenkung vom mühseligen Essay-Zusammenhäckseln.
Meine Posts hier sind im Moment sehr kurz, weil meine Gedanken wirklich ganz woanders sind: Irgendwo zwischen Zirkus, Uni, Boston und der Equal-Marriage-Bewegung. Wenn die Abgabetermine vorbei sind (oder mir akut die Motivation fehlt, etwas anderes zu tun), folgt vermutlich ein großer Rundumschlag.

Mittwoch, 20. März 2013

Nerds und Nicht-Nerds

Gerade habe ich einen sehr schönen Eintrag auf dem Blog meiner Freundin Katta gefunden: Es geht um Nerds, und um Möchtegern-Nerds und Möchtegern-Geeks, gehypte Nerds, geliebte Nerds und Fake-Nerds. Was ist ein Nerd? Und wie wird man ein Nerd? Und was ist ein Nerd nicht? Und warum H&M bitte, bitte die T-Shirts mit dem Aufdruck "Geek" aus dem Programm nehmen sollte...

Le monde et la mer proudly presents: "Ich komm von weiter nerdlich" von Kattastrophe.

Dienstag, 19. Februar 2013

Fuck Positive

Waaas? Das F-Wort auf diesem sonst so braven Blog?
Nun ja. Erstmal: Ich bin nur unabsichtlich brav. Oder aus Ironie. Oder ich habe bisher einfach nicht über die wirklich wichtigen Themen gesprochen. Zweitens: Das heutige Blog-Thema stammt nicht von mir. Also, tut es schon, aber der Name ist nicht meinem Gehirn entsprungen.



"Fuck Positive" ist eine Initiative der Aids-Hilfe Schweiz, und ich unterstütze diese Aktion - weil sie so schön kontrovers ist. Wie ich darauf aufmerksam geworden bin, weiß ich nicht mehr, ich verdächtige Facebook, aber falls es jemand von euch war, verzeiht mir.
"Fuck Positive" setzt sich gegen die Diskriminierung HIV-positiver Männer in der schwulen Szene ein - und tut das sehr auffällig. Walter Pfeiffer hat die sehr eindeutigen und eindringlichen Fotos gemacht - Jenna rief aus: "Yay! Naked bums!" - und verbunden mit der nicht ganz so eindeutigen Botschaft "Fuck Positive" wurde daraus eine kleine Bombe, die seit einigen Wochen vor allem in der Schweiz fleißig diskutiert wird. Ein besonderes Anliegen der Initiative ist, Vorurteile gegenüber HIV-Positiven abzubauen und Akzeptanz aufzubauen.
Ich habe mich ja in meinem Uni-Essay umfassend mit der Thematik "Emazipation der HIV-Community" auseinander gesetzt, und war doch etwas besorgt, als ich in den letzten Monaten feststellen musste, dass eine Infektion heute immer noch ein weitaus größeres Problem darstellt, als man es sich in den 1990ern erhoffte. Immerhin steigt die Infektionsrate im gleichen Maße wie der Umfang an ungeschütztem Sex, und HIV-Positive sehen sich einer Mischung aus Angst, Ablehnung und Unwissen ausgesetzt.
"Fuck Positive" tritt dieser Entwicklung sehr aggressiv entgegen - so forsch, dass viele, die die sehr gute Website nicht gut genug studiert haben, denken, die Initiative werbe allein für ungeschützten Sex. Dabei geht es darum, mit Fotos, T-Shirts, Plakaten und Postkarten Tabus zu brechen, für einen offenen, ehrlichen und freundlichen Umgang zwischen "positiv" und "negativ" zu werben und ein paar Fakten an den Mann (und die Frau) zu bringen. Wie Doris Fiala, Präsidentin der Kampagne, sagt: "Wir wollen aufrütteln!" Wenn nichts anderes hilft, dann eben Provokation - die Welt will ja anscheinend nicht lernen - und daher bin ich stolz, mit meinem T-Shirt (kostenlos auf der Website zu bestellen!) auch ein bisschen Werbung für diese noch kleine, aber sehr laute Aktion machen zu können.
Also, Kinder: fuck positive!
  • "Es ist nicht negativ, mit einem HIV-positiven Mann befreundet zu sein. Sei das, wenn man mit ihm aus dem gleichen Glas trinkt, mit ihm Fondue isst oder einfach nur mit ihm tanzt"
  • "Es ist auch nicht negativ, mit einem HIV-positiven Mann zu ficken, solange man sich mit Safer Sex-Regeln und Präservativ schützt. Und wenn ein HIV-positiver Partner therapiert wird und er gut auf die Therapie anspricht, ist es unter Umständen sogar möglich, ungeschützten Geschlechtsverkehr zu haben."
  • "Es ist auch nicht negativ, sich nach einer Risikosituation so schnell wie möglich, spätestens aber innerhalb von 72 Stunden, beraten zu lassen." 
  • all dies und viel mehr unter: http://www.fuckpositive.ch/de/index.php


Haha. Ein bisschen Spaß macht es ja schon, das Wort so oft schreiben zu dürfen.
Im Übrigen ging Jennas Reaktion weiter mit: "Du bist wie meine Mama! Du solltest keine Kraftausdrücke benutzen!"

Montag, 11. Februar 2013

Gibt es Gott?

Der Papst tritt zurück, dem Himmel sei dank! Jetzt nur beten, dass der nächste Pontifex nicht eben so ein zurückgebliebener, engstirniger Blödmann ist. Es besteht noch ein Funken Hoffnung für die katholische Kirche.

Dienstag, 5. Februar 2013

Lucky Tuesday

Aufregende Zeiten! Der Gesetzesentwurf zur "Homo-Ehe" ist mit großer Mehrheit von den Abgeordneten des britischen Unterhauses angenommen worden. Ein großer Schritt in Richtung eines großen Dienstes an der Menschheit, wenn man so möchte.

Und weil der Tag nicht schon schön genug war, habe ich auch noch eine exzellente Note für mein Essay über die Emanzipation der HIV-Community durch Fotografie bekommen; und Jenna kocht für mich Abendessen. Harr! Harr!

Freitag, 14. Dezember 2012

Was geht denn da nur vor sich...?

Ich weiß nicht, wer mich gerade mehr anekelt: der Papst oder die österreichische Justiz?!

Lieber Papst, die "menschliche Natur" so derart zu verdrehen und unter dem Vorwand des "Gemeinwohls" und der "Toleranz" mal eben demokratische Grundsätze anzugehen und Homosexuelle als radikale Friedensbrecher zu verleugnen, ist entsetzlich - und entspricht nicht gerade der Friedensbotschaft, die eigentlich gesendet werden sollte. In der gleichen Woche Politiker zu segnen, die für die Todesstrafe für Homosexuelle eintreten, und einen dermaßen konfusen Plan zur Erreichung des Weltfriedens vorzulegen, zeugt von Verblendung und Weltferne, und nicht etwa vom wahren Bemühen um Gerechtigkeit, Frieden und Nächstenliebe.

Zur "Friedensbotschaft" 2012 äußert sich queer.de (mit Link zur gesamten Rede), größere Zeitungen haben das Thema leider noch nicht aufgegriffen.

Liebe österreichische Justiz, Menschen mehr oder minder aufgrund ihrer HIV-Infektion zu verurteilen, und auf diese Weise zu stigmatisieren und zu kriminalisieren, ist ziemlich peinlich für einen modernen Rechtsstaat. Ganz schön peinlich ist auch der diesmalige Vorwurf, "Oralverkehr ohne Ejakulation". Besonders peinlich ist es, jemanden zu verurteilen, der sich doch genau den Vorstellungen und Empfehlungen eurer Kollegen aus der Gesundheitspolitik entsprechend verhalten hat. Nicht peinlich, sondern einfach nur gefährlich ist, wie ihr damit die Bemühungen der HIV- und AIDS-Prävention unterlauft und Menschenrechte untergrabt.

Den aktuellen Fall beschreiben thinkoutsideyourbox.net und queer.de.

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Nanu?

Nanu?
Da steht man erst um drei auf, und fünf Stunden später ist das Essay trotzdem plötzlich schon zu 2/5 fertig. Ich bin fantastisch! Nun ja. Hoffen wir, dass die Inspiration anhält und die nächsten 3/5 ebenso fix gehen. Wobei mir im Hinblick auf den Essay-Plan ja graut, dass die nächsten Punkte deutlich mehr als die erhofften 1200 Worte brauchen.
"Photography as a tool of emancipation for the HIV/AIDS community in the late 1980s" - so oder so ähnlich lautet nun das Essay-Thema. Gefordert und angepeilt sind 2000 Worte. Im Grunde geht es darum, wie sich die HIV-Community in den USA ab 1988 gegen die Bevormundung in der populären Dokumentarfotografie aufgelehnt hat. Davor wurden die Bilder von Außenstehenden aufgenommen, in der Regel mit plakativem Schattenwurf und dekorativen Medikamentendosen und von der Krankheit gezeichneten Körpern, ohne jeglichen Kontext, die Krankheit als einziger Inhalt des Bildes. Nach dem Prinzip "AIDS-Kranke sind auch Menschen" wurden ab 1988 jedoch zunehmend Bilder von Betroffenen selbst veröffentlicht, die der vorhergegangenen Stigmatisierung und Diskriminierung entgegen traten, indem sie die Krankheit als nur einen Aspekt von vielen im Leben zeigten. Durch diese Bilder fühlten sich viele wesentlich besser repräsentiert. Ein besonders beachtenswerter Fotograf ist in diesem Kontext Albert J. Winn, der in seinen Selbstporträts nicht nur seine Infektion, sondern auch sein Leben mit seinem Partner, seiner Religion, seiner Familie, seinen Freunden, seinem Alltag zeigt. Winn ist noch am Leben; und seine Fotoarbeiten und Interviews mehr als hilfreich für mein Essay!
Ich bin wohl auf einem ganz guten Wege mit dem Text - oder wie Celia und Colin mir bescheinigt haben, "on track". Mein Essay-Plan (da war das Schreiben, Schreiben, Schreiben an der Uni Bremen doch tatsächlich zu etwas nütze!) ist wesentlich ausgereifter als der vieler Kollegen hier; die Quellen sind sehr ergiebig und das Thema nicht zu groß für 2000 Wörter; und ich weiß, wie und warum man zitiert, haha! Ein großer Vorteil ist wohl, das mir das Schreiben und die ganze Theorie tatsächlich Spaß machen: die Einstellungen der anderen reichen von "Können wir nicht einfach ein Bild nehmen und ein bisschen darüber reden?" bis "Ich bin Fotograf - warum schreibe ich überhaupt?". Als ob man als Berufsfotograf nie über seiner Bilder reden müsste, oder über seine Bilder im Kontext anderer, oder als ob ein Fotobuch völlig ohne Text auskommen würde.
Ach, diese höhere Bildungsanstalt - manche kommen damit einfach nicht zurecht.

Außerdem ist die höhere Bildungsanstalt auch immer wieder für eine Überraschung gut. Gestern ging mir einfach so das Licht im Zimmer aus, mitten am Vormittag. Es hat mich etwas Zeit und Wundern gekostet, bis ich den Techniker entdeckt habe, der sich klammheimlich in unsere Küche geschlichen hatte, um uns die Sicherungen rauszudrehen und die Küchenlampe zu wechseln. Ohne Worte. Ich hätte auch unter der Dusche stehen können!