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Donnerstag, 8. Januar 2015

I am fabulous.

Heute hat Paul in einem sehr aufschlussreichen, sehr netten wir-sind-kurz-vor-der-Abgabe-und-die-Photo-Art-Studenten-belegen-alle-Drucker-und-was-mache-ich-hier-eigentlich-Seminar gesagt, meine diesjährige Arbeit wäre die beste, die ich bisher gemacht hätte.
Äh.


Da hat sich das ganze stundenlange Youtube-Schauen, Hobbit-Schauspieler stalken, Tee trinken, mit Weihnachtsgeschenken spielen, noch mehr Tee trinken, Mittelägyptisch lernen, Hobbit-Gifs runterladen, und noch mehr Tee trinken ja gelohnt.

(Was ich eigentlich so mache: Siehe...
...im Dunkeln mit Taschenlampen und Schauspielern rumdaddeln. Man soll mir nicht nachsagen, ich gäbe mir keine Mühe.)

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Vorschau

Ich bin schrecklich beschäftigt. Die Briten machen ja gern lange Weihnachtsferien, aber das bedeutet eben, dass vorher alles erledigt werden muss - und im Kopf ist für den Blog kein Platz mehr. Es tut mir sehr leid, ihr Lieben.

In eigener Sache will ich euch aber eine kleine Vorschau aufs nächste Jahr geben und Werbung machen:
Lest hier mehr über meine Zusammenarbeit mit The Other Room!


Samstag, 11. Oktober 2014

Wer lesen kann, muss auch mal schreiben

Sommer auf dem Tempelhofer Feld
Hier bin ich also. Die Uni hat wieder begonnen, und tralala, warum nicht einfach mal zwei Fotoprojekte und eine BA-Arbeit auf einmal auf die Studenten loslassen; es sind schließlich Studenten, die haben ja sonst nichts zu tun?
(Fairerweise muss man ja sagen, dass wir *tatsächlich* sonst nichts zu tun hätten, und dass wir ja an der Uni sind, um Fotoprojekte zu machen und Essays zu schreiben. Trotzdem. Hmpf.)
Dementsprechend vollgepackt sind meine Wochen im Moment. Ich versuche, mir darüber klar zu werden, was ich für das Projekt Kapitalismus im 21. Jahrhundert (deren Titel, nicht meiner) fotografieren will - ich muss das Anfang November abgeben. Gleichzeitig muss ich schon Präsentationen für das große, wichtige Abschlussprojekt vorbereiten. Und der Lesestoff für die BA-Arbeit liest sich leider auch nicht von allein.
Also flüchte ich. Am letzten Wochenende war ich in Hammersmith, London, beim zauberschönen, internationalen Theaterfestival All Change, wo es viel um's Geschichten-Erzählen ging, wo ich meine herzallerliebsten Jungs und Mädels von Barrel Organ wiedersah und ein wenig fotografierte. Außerdem besuchte ich die wunderbare Giulia, die ja netterweise immer eine Yoga-Matte für meine Übernachtungsbesuche bereit hält - auch kommende Woche wieder. Und ich war in meinem oberallerLieblingsbuchladen Gay's The Word (ich weiß, allein der Name!), den ihr alle, alle kennen werdet, wenn ihr erst einmal Pride gesehen habt! [Filmstart in Deutschland: 30.10. Keine Ausreden.] Dort hat mich Jim, Geschäftsführer und Gentleman der alten Schule, mit einem Stapel Bücher und einer DVD für meine BA-Arbeit versehen, und wir haben uns ganz gemütlich verquatscht. Außerdem war ich noch im besten Museum der Welt, dem ständig erwähnten Victoria and Albert Museum (V&A), die eine großartige und kostenlose Ausstellung zum Thema Protest laufen haben. Dort kamen mir fast die Tränen, weil die ein T-Shirt und ein Poster von Act Up haben. Mit dem Design, um das es in meiner BA-Arbeit geht. Mit Original-Notizen vom Designer. Hach.
Manchmal flüchte ich auch einfach vor den Computer. Gestern habe ich fleißig zwei Filme vom Sommer gescannt, mich wohlig in den Erinnerungen gesonnt und mich gefreut. Meinen Projekten geht's jetzt zwar immer noch nicht besser. Aber mir.
Am Mittwoch stürze ich mich dann also in den Kapitalismus des 21. Jahrhunderts. Ein Flucht-Theater-Termin ist aber schon arrangiert. Man darf sich ja nicht verrückt machen lassen. Schon gar nicht vom Kapitalismus, oder von Margaret Thatcher - um die geht's im nächsten Projekt. Grausig, gell?
Haha, 'gell'. Die süddeutschen Mitbewohner üben ihren Einfluss auf mich aus.
Sommer in Rumänien

Samstag, 27. September 2014

Aufholen, Part II

Vorgestern: Rumääääänien.
Heute: Wales. Hurra.

Ich bin zurück im Land der Berge, Schafe und des Lauchs, und hurra, es sieht immer noch so aus wie damals - vor drei Monaten, als ich nach Deutschland flog. Naja, ganz genauso nicht, in Newports Innenstadt wird nun an einem großen und völlig überflüssigen Shopping-Center gebaut, und mein Lieblingsbuchladen ist umgezogen. Außerdem wohne ich nun nicht mehr mit sechs weiteren Personen in einem Haus mit nicht-funktionierendem Whirlpool, sondern mit drei weiteren in einem pinken Haus mit nicht-ganz-funktionierendem Duschabfluss. Aber ansonsten ist alles beim alten, und ich bin ganz zufrieden.
Nach ein paar Tagen Zwischenstopp in einem anderen Zimmer, da mein Vermieter noch fleißig in meinem zukünftigen Raum am Basteln war, bin ich nun auch 'richtig eingezogen', habe all meine Dinge ausgepackt, geschockt festgestellt, wieviel ich eigentlich besitze (Himmel!), viel im neuen, großen Doppelbett (Himmel! aber im positiven Sinne) gepennt, hier und da einiges organisiert und mich wieder ein bisschen eingelebt. Bis auf Mira sind nun auch alle Mitbewohner angekommen. Wir sprechen Deutsch - hier können's nämlich alle -, trinken viel Tee, kochen und gucken gemeinsam fern. Gestern haben wir es sogar nach Cardiff geschafft, um ein bisschen zu shoppen - neue Perfume Genius-CD, oh yeah! - und ins Kino zu gehen. Ihr Lieben, wenn Pride in Deutschland anläuft, müsst ihr ihn euch angucken gehen. Denen, die Englisch verstehen, sei die Originalversion ans Herz gelegt - der walisische Akzent ist einfach köstlich. Es ist was für's Herz, und womöglich mein neuer Drittlieblingsfilm.
Übermorgen geht's los mit der Uni, gleich Vollstoff mit der Einführung zur Bachelor-Arbeit. Außerdem will eine Ausstellung für die Erstis organisiert werden, und ein paar Projekte geplant, ins Theater gegangen werden und noch viel mehr Tee getrunken. So ist das im Ausland. Es gibt immer etwas zu tun.

Sonntag, 7. September 2014

Rumänien

Ich hatte ja letztens die Ehre, an der Silberhochzeit meiner Eltern teilhaben zu dürfen (noch mal alles Gute und so...), und da sprach sich schnell rum, dass ich am 2.9. nach Rumänien fahren würde. Dies wurde allgemein als hervorragender Konversationsstarter angesehen.
Das Gespräch lief dann ungefähr so ab.

Man nähert sich. Die Augenbrauen werden hochgezogen. Ein ernster Zug im Mundwinkel.
"RUMÄNIEN???"
"Äh...ja."
"Und was MACHST du DA???"

Anscheinend liegt Rumänien ja am Amazonas, und es wird dort noch mit Pfeil und Bogen gejagt, oder so. Aber aller Verwunderung, allen Zweifeln und Ängsten und Warnungen meiner Liebsten bin ich trotzdem hin geflogen.
Und hier bin ich nun. Und es ist mitten in der Nacht (die Rumänen sind den Deutschen eine Stunde voraus) und ich hab ein dreitägiges Fotofestival in den Knochen und ich bin müde. Aber ich lebe noch, das wollte ich nur eben sagen. Also nicht immer alles so kritisch sehen, ihr Lieben.

Ein ausführlicher Bericht folgt dann, wenn ich mal grad nicht den Wilden mit den Feuersteinen hinterherlaufe.
Nur ein Witz.

Sonntag, 10. August 2014

Und eins, zwo, drei, vier...

Das unumstrittene kulturelle Highlight dieses Sommers hört auf den Namen Step Up All In. Es ist der beachtliche fünfte Teil der allseits beliebten Hip-und-Hop-Film-Serie, und haut so richtig auf den Putz - jedenfalls choreographiemäßig (die Handlung ist eher zu verachlässigen). Ganz schön dekadent, diese armen LA-Miami-NY-Ghetto-Kids. Da wird an Kronleuchtern geschwungen, auf Jahrmarktfahrgeschäften gegroovt und an niedlich-freakigen Moderatorinnen herumgenuckelt. Schließlich geht es den Tänzern um einen Drei-Jahres-Vertrag in Vegas, und, fast hätten wir es vergessen, Freundschaft und Liebe und so. Besser getanzt als der erste Film, besser geschrieben als der Vierte, finden sich diesmal nur ein paar Logiklöcher, die so groß sind, dass drei B-boys ihre Salti darin schlagen können, und tatsächlich nur ein wirklich schlechter Schauspieler - der kann dafür tanzen. Wir haben in unseren Kinosesseln die krassen Moves bestaunt, im Takt mitgenickt, nur ein paar Kotzgeräusche bei den Küssen von uns gegeben, und herzlich gelacht.
(Das Roboter-Liebespaar allein ist das Geld wert, mehr sag ich nicht.)
Voll Phätt. (Ganz links kann nicht schauspielern.)

Sonntag, 20. Juli 2014

Summertime

Einen herzallerliebsten Gruß aus Halle an der Saale, wo ich die Sonne genieße und sonst nichts tue.

Insofern kann ich auch nichts berichten. Höchstens noch, dass ich vorher in Berlin war. Berlin war sehr freundlich zu mir, die Sonne schien, ich hab einen der vielen englischen Buchläden gefunden und alles über David Bowie gelernt (Leute: ab in den Martin-Gropius-Bau. Lohnt sich.).
Und jetzt bin ich eben in Halle. Halle kann nicht so viel Kultur wie Berlin, dafür kann Halle Badesee. So muss das.


Donnerstag, 3. Juli 2014

Catch-Up 22

Huh, es wird ja echt mal wieder Zeit, ein wenig aufzuholen. Was habe ich denn so getrieben, seit ich mir die Beine in den Brecon Beacons blutig und juckend kratzte? Und warum kratzte ich sie mir überhaupt so?

Meinen unglücklichen Zusammenstoß mit den Brennnesseln verdanke ich der Einladung meines ehemaligen Kurs-Kollegen Richard, der in den Hängen des Sugarloaf, einem der Berge in den Brecon Beacons wohnt, und das nicht schlecht. Der freut sich immer, wenn wir zum Grillen kommen - solange wir Tiramisu und Wein mitbringen - und so machten sich auch "damals" einige von uns auf. Vor dem Grillen musste aber etwas Sport sein, und so sind wir auf den Sugarloaf rauf, haben uns die Arme und Nasen in der Sonne verbrannt, liebste Hunde getroffen, bis nach England gesehen und Pfadfinderinnen getriezt. Den Weg zurück wollte Richard durch den Wald nehmen. Nun. Der Weg war weg, aber da war ein Gebüsch, und hinter dem Gebüsch war der Fluss, über den wir wollten. Der Rest ist blutige Geschichte.
Der Nachmittag war ansonsten aber sehr schön entspannt, und es sind auch keine Narben zurückgeblieben! Mit langen Hosen kann ich einen Ausflug in die Brecon Beacons - und ins zentral gelegene, von Richards Haus wunderbar ameisengroß beschaubare Abergavenny - sehr empfehlen.

In der Woche danach war ich unter anderem in London, um unsere Abschluss-Klasse bei ihrem letzten Event und ihrer Buch-Veröffentlichung zu unterstützen und meine Freundin Giulia zu besuchen. Von da ging's ganz schnell nach Cardiff zu War Horse. Die Show ist nicht so herzig, wie sie im Trailer aussieht, doch sehr ergreifend, und malt mit sehr einfachen und erstaunlichen Mitteln die harte Realität des ersten Weltkriegs und die Freundschaft eines Jungen zu seinem Pferd auf die Bühne. Das ist auch sehr zu empfehlen, kostet bloß ein klein wenig mehr als ein Ausflug auf den Gipfel. In Deutschland ist die Show als "Die Gefährten" in Berlin und lohnt sich, laut meiner Eltern, genauso.

Und dann wurde es auch schon Zeit, alles endgültig zu packen, das Gewicht meines Koffers zu schätzen (hat nicht geklappt), und mich in einer Nachtfahrt zum Flughafen aufzumachen, um nach Deutschland zu fliegen. Und jetzt bin ich hier. Hallo.

Und was ich seitdem gemacht habe... das, liebe Kinder, erzähle ich euch nach der nächsten Maus. Oder so ähnlich.

Samstag, 14. Juni 2014

Ratschlag

Ein gut gemeinter Tipp an euch alle: Wenn ihr das nächste Mal vorhabt, euch mitten im Wald durch ein Gebüsch mit Disteln und Brennnesseln zu schlagen, zieht euch lange Hosen an.

Aua. Wer hätte gedacht, dass das noch stundenlang brennt?

Donnerstag, 8. Mai 2014

Theater II

Teil 2 der "Theater"-Reihe (siehe: gestern) erzählt von einem Ausflug ins Warme.
Ins warme London! Kaum zu glauben - besonders wenn man im Moment die Nase vor die Tür in den walisischen Nieselregen steckt -, aber wahr, London hatte am vergangenen Wochenende bestes Wetter und ich war in London und habe, vor allem dank zahlreicher Tube-Schließungen, so einiges zu Fuße erlaufen und mich gefreut und gesonnt, und geschwitzt hab ich auch.
Anlass des Ausflugs war ein Theater-Design-Workshop mit dem Propeller-Designer Michael Pavelka. Den habe ich vorgeblich besucht, um Inspirationen für mein Uni-Projekt zu sammeln, und insgeheim, weil ich doch Propeller so mag und zu dem Schauspiel-Workshop nur angehende Schauspieler durften. [Grund dieser ganzen Workshops war das Shakespeare-Festival im Victoria-und-Albert-Museum, dass sehr viele fantastische Angebote für sehr wenig Geld darbot - aber ich hab's leider nur zu dem einen geschafft.] Michael hat mich auch gleich entlarvt, als er fragte, wer von uns denn schon Stücke von Propeller gesehen hatte, und ich als einziger von zweien die Hand hob. "Soso, du stalkst mich also!", schmunzelte er, nachdem ich alle 5 Stücke aufzählte, die ich kannte. Die andere Dame hatte allerdings ALLE Stücke von Anfang der Kompanie an gesehen, und war nur da, weil sie die Vorstellung eines Propeller-Workshops ganz "fabulous" fand. Dagegen bin ich ja harmlos.
Thema des Workshops war Hamlet, die zentrale Figur Ophelia, der zentrale Text 'Sein oder Nicht Sein' (den hab ich jetzt auch endlich mal verstanden); und nach ein paar Aufwärmübungen, Diskussionen und Lunch in der fantastischen Marmor- und Mosaik-verzierten V&A-Cafeteria ging es mit viel mitgebrachtem Material und noch mehr Klebeband daran, ein Set zu basteln. Meins bestand komplett aus Papier. Das war interessant. Michael fand das auch interessant. Wenn dieses Papier-Set eines Tages wirklich eine Bühne würde...ach. Mmmh. Das wäre wirklich interessant! Und sehr feuergefährlich, vermutlich.
Nach dem Workshop ging's dann wieder in die Sonne, zu einem Kaffee mit Giulia (siehe: gestern) in den Hyde-Park, zum Pläne-Schmieden für's Edinburgh Fringe Festival im Sommer, zum am See chillen. Und zum Grübeln und Träumen. Michael erwähnte nämlich so einiges, worauf ich nie gekommen wäre (abgesehen von den erwarteten Propeller-Insidern, harrharr!). Die denken sich da echt ganz schön was aus, die Designer. Wer kommt darauf, warum in Propellers Komödie der Irrungen hüftabwärts alles in Blautönen gehalten ist?

Mittwoch, 7. Mai 2014

Theater I

Schon viel zu lange her ist es: das National Student Drama Festival (NSDF), das vor Ostern in Scarborough stattfand. Ich durfte, dank eines Wettbewerbs mit der Kreativplattform IdeasTap, als einer von zwei offiziellen Festival-Fotografen fungieren - das war ein Spaß!
Scarborough ist ein recht kleines Städtchen an der Nord-Ost-Küste Englands, quasi auf der anderen Seite der Nordsee von der Heimatstadt aus gesehen, sehr mondän und sehr gemütlich, aber immerhin Heimat einer recht pfiffigen Theaterszene, die jedes Jahr vom NSDF noch angefeuert wird. Am NSDF dürfen alle teilnehmen, die zwischen 16 und 25 Jahre jung sind und Theater machen - unter der Voraussetzung, dass man von den sogenannten Selektoren, die jedes Jahr durchs Land reisen und Angst und Schrecken verbreiten (so stelle ich mir das vor), ausgewählt wird. Eine gewisse Qualität ist also sicher gestellt - würde man zumindest denken.
Giulia, meine herzallerliebste Mit-Fotografin, und ich sahen uns dabei einer kleinen Herausforderung gegenüber. Trotz beinahe jahrhundertelanger Festival-Tradition und einem lange, lange existierenden Festival-Magazin namens NoisesOff gab es nämlich noch nie Festival-Fotografen, und keiner hatte so richtig 'nen Plan, wie das denn laufen soll. Aber das haben wir natürlich locker-flockig gemeistert. Mit unseren Pässen, die um unsere Hälse baumelten und in Knallrot "Photographer" verkündeten, haben wir uns einfach in die Probe zur ersten Vorstellung geschlichen, nett Hallo gesagt und die Kameras gezückt. Das fanden die gar nicht so schlecht. Wir auch nicht.
Die ersten: Hungry Bitches mit "America". Name ist Programm, und so.
Nach 'ner Weile hatten wir's dann drauf, die Produzenten/Regisseure/Frauen für alles - welche Nummer man auch immer bekam - einfach vorher anzurufen oder anzuschreiben und ein paar Fototermine klar zu machen. Oder man freundete sich einfach mit einem Schauspieler in der Pausendisco an, das machte auch vieles sehr viel entspannter. So zogen wir dann täglich, bepackt mit Kamera, Monster-Objektiven und Keksen von Spielort zu Spielort, sagten nett Hallo, bekamen nett Hallo zurückgesagt und schon waren die Bilder im Kasten.
Festival-Sweethearts: Giulia und Will, "Enron"-Schauspieler
Morgens saßen wir meist im NoisesOff-Büro, lauschten den netten Theater-Kritikern, die sich dort Strom, Internet und Kaffee mit uns teilten und bearbeiteten die Bilder, während draußen die Surfer die ziemlich windige See eroberten - der Strand war nämlich gleich vor der Tür. Unterstützt wurden wir von unserem Mentor (oho!) Tony, von IdeasTap angeheuert und selbst begeisterter und höchst erfahrener Theaterfotograf. Der fand das, was wir da so knipsten, auch erstmal gut. So gut anscheinend, dass er uns fast täglich statt der vereinbarten zwei Mal besuchte und sich mit uns über die besten Bilder freute. Tony nahm uns auch die Angst vor der zweiseitigen Liste mit Anforderungen, die uns die Sunday Times geschickt hatte - er war da ganz lässig, nationale Zeitungen, die unsere Bilder wollen, sind doch ein Klacks, pah, und überhaupt, mit ein bisschen Photoshop und einer gesunden Portion Selbstvertrauen und haha, unserem Talent, wäre das alles ein Klacks. Notiz am Rande: Tony hat mal eine Geschichte über depressive Pinguine an die Bild-Zeitung verkauft. Ist dem Mann zu trauen?
Vorm Büro gleich rechts
Und natürlich, natürlich haben wir ganz viel Theater gesehen! Elf Shows insgesamt, davon vier Musicals, zwei Improvisationsstücke, zwei Highschool-Massaker, ein Stück über Plastikenten. Wobei es schon viel Geduld bedurfte, die jeweils drei Stunden "Jerusalem" und "Spring Awakening - The Musical" durchzuhalten. Dafür hätten "The Duck Pond" (eine charmante Enten-Version von Schwanensee) und "Road" (ein mehrbühniges Theater-Movie über die Thatcher-Ära) auch länger sein dürfen. Wir haben alles fotografiert und dann begeistert (mehr oder weniger) zugeguckt und geklatscht und Bühnenluft geschnuppert, hmmm. So viel Theater! Workshops! Diskussionen! So viele Bilder! Wir bekamen uns nicht mehr, Tony und das NoisesOff-Team bekamen sich nicht mehr ein, und die Sunday Times hat sich, glaube ich auch gefreut. Am Ende waren das sechs Bilder von mir auf deren Website und ein bisschen mehr Geld auf meinem Konto. Hehehe. Wir sind auf ein paar Websites gelandet. Und auf dem NoisesOff-Print-Cover war ich gleich fünf Mal in Folge... man muss auch mal angeben dürfen.
Abgebaut wurde auch...
Hach! Ich könnte noch so viel mehr erzählen. Von meiner äußerst charmanten Landlady im Mountview Hotel zum Beispiel, von all den Witzen, die im Büro gerissen wurden und mich diese Umgebung so schrecklich vermissen lassen, von der Frisur, die am Ende des Festivals alle (mir inklusive) trugen, von all den Theaterstücken, denen dieser Bericht gar nicht gerecht wird, vom hervorragenden Wetter, von dem Hasen, dem Mond...und...und...und...
Vielleicht hab ich ja noch ein Lieblingsbild für euch? Ich geh' mal stöbern.
The Duck Pond. Ohrwurmlastig. Und toll.

Dienstag, 15. April 2014

This is how we roll

Damit ihr gucken könnt, was ich hier so tue: alles im Noises Off-Blog!

So viel Theater, und so wenig Zeit. Und Meer, und Sonne!

Mittwoch, 2. April 2014

April, April

Willkommen im April! Mir wurde nicht ein einziger Aprilscherz gespielt, es sei denn, man zählt das Wetter mit. Das Wetter ist gut drauf. Es ist warm - bin ganz schön arg ins Schwitzen gekommen auf dem Rückweg vom Einkauf - und trotzdem regnet es die meiste Zeit, bis die Scheiben wackeln. Uncool, liebes April-Wetter.
Aber weil das Wetter einen ja nicht gerade einlädt, ist es auch zu verschmerzen, dass ich inzwischen ganz schön krass zum Stubenhocker geworden bin. Erst musste ich basteln, nun sitze ich an meinem Essay, das bitte, bitte auch in anderthalb Wochen fertig werden möchte. Immerhin habe ich nun endlich Bilder gefunden, die meinen Text begleiten können. Das sollte für ein Fotografie-Essay eigentlich andersherum sein, ich weiß, aber meine Idee war eben zuerst da. Kann ich ja auch nicht ahnen, dass vor 1985 quasi keiner fotografierte, und wenn, dass die Bilder dann nur irgendwo in privaten Fotoalben stecken.
Aber es wird, es wird alles. Ab Samstag sind Osterferien, ich habe also theoretisch mehr Zeit - wenn da nicht ein Theaterfestival und ein Heimatbesuch wären, aber pssst.

Samstag, 22. März 2014

Ich bin dann mal die langsame Welle reiten

Das Leben in Newport verläuft nun, nach Abreise meines hochgeschätzten Besuchs, eher gemütlich. Es dümpelt langsam vor sich hin. Eigentlich ist schrecklich viel zu tun - es wollen Pappsets gebaut, Fotobücher designt, Bücher gelesen, Essays geschrieben werden, und argh, bald ist auch schon wieder Ostern, also minus zwei Wochen Arbeitszeit, und dann sind ja auch schon die Deadlines und so - aber mein Körper hat sich mal wieder entschieden, in Schockstarre zu fallen und das Gegenteil vom Verlangten zu tun. Wenn am meisten zu tun ist, komme ich gar nicht erst aus dem Bett, das ist ein Naturgesetz. Also habe ich heute den Großteil des Tages im Bett verbracht.
Was ja nicht heißt, dass ich gar nichts mache. Okay, mal abgesehen von den anderthalb Stunden "Leoparden küsst man nicht" (Cary Grant! Katherine Hepburn! Leoparden!) war ich tatsächlich halbwegs produktiv. Zwar habe ich keinen Finger für's nächste Pappset gerührt, aber fleißig für's literature review gelesen...da ist der Termin Anfang Mai, also quasi übermorgen.

Cindy Patton, Laptop und improvisierter Nachttisch.
Gestern abend noch war ich auf der ausgezeichneten Ausstellung unseres Kursleiters Paul, der in Penarth eine Retrospektive zeigt und uns alle eingeladen hatte - es sind auch alle gekommen, außer Kieran, die Ffotogallery (kein Rechtschreibfehler, nur Walisisch) war gerappelt voll. Schön war's. Interessant war's. Und nun lese ich über die Entstehung und Entwicklung homosexueller Gemeinschaften in den ersten Jahren mit AIDS... wusstet ihr, dass AIDS eigentlich zuerst in den späten Siebzigern unter Drogenabhängigen in Form von Lungenentzündungen ausbrach? Das erkannte damals nur keiner. So ein Pech.

Mary-Louise Parker, D800 und improvisierte Studiobeleuchtung.

Freitag, 14. März 2014

Basteln II

Man hat ja echt nichts Besseres vor - außer Besuch haben vielleicht - als Basteln. In Wales werden die Tage schön, und trotzdem mühe ich mich in meinem Zimmer mit Kleber und Pappe rum. Irgendwie muss ja ein Fotoprojekt zustande kommen. Und wenn die Lochkamera nicht will (hmpf), dann muss eben Tom Hanks her.

Bildqualität: Handy. Keine Sorge, benutze ich nicht für's Projekt.

Montag, 3. März 2014

Basteln

Basteln fand ich, glaub ich, zuletzt als Kindergartenkind toll. Damals fand ich es auch noch lustig, Kleber an den Fingern (und unter den Fingernägeln) zu haben und stundenlang auf dem Fußboden über einer Bastelunterlage zu hocken. Heute nicht mehr, eigentlich.
Doch was mache ich? Ich bastle mir eine Kamera. Manchmal bin ich einfach unbelehrbar. Ich habe beschlossen, meinem Schicksal zu trotzen, mir ein noch widersinnigeres Projekt als das letzte zu suchen - ich habe ja noch eine Woche - und mir eine Lochkamera zu bauen. Das braucht sehr viel Kleber, sehr viel Fingerspitzengefühl, und viel Zeit. Ein Wahnsinn. Fuh. Immerhin sieht's allmählich (nach der Hälfte der Arbeitsschritte) nach etwas aus.
Vielen Dank übrigens an den großzügigen Spender, mein Brüderchen, der diesen Irrsinn mit seinem Geburtstagsgeschenk überhaupt erst möglich machte.

Mittwoch, 12. Februar 2014

Muskeln spielen lassen

Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist! Ich bin produktiv - habe schon Emails verschickt, Kurs-Kameraden wichtige Infos zukommen lassen, eine Paket-Zustellung arrangiert, meine Pläne für nächste Woche konkretisiert, und endlich mal eine UK-Sim-Karte bestellt - und es ist kurz nach 11. Ich hab noch nicht mal gefrühstückt. Oh weh.
Vielleicht ist das so ein Loop aus dem Wochenende, oder eine Kompensierung, oder so. Gestern im Seminar wurde mir (wie so ziemlich allen anderen auch) mal fett reingedrückt, dass wir quasi nur noch vier Wochen haben, um unser Projekt fertig zu stellen. AH! Ich hab ein paar Licht-Tests gemacht am Wochenende, und mir die Arme lang- und die Muskeln dickgeschleppt mit dem blöden Scheinwerfern. Ja, der Mensch, der immer moserte: "Also, Blitz find ich ja scheiße!", benutzt jetzt Scheinwerfer. Muskelkater ist vorprogrammiert.
Allerdings hab ich die Scheinwerfer und Models (!!!) derzeit nur wochenends zur Verfügung. Also muss ich mir unter der Woche etwas anderes suchen. Hmm. Ich denke, ich gehe jetzt erstmal frühstücken.


Dienstag, 4. Februar 2014

Neues von der Front

Manche nennen mich strebsam, andere fordern mich auf, mein Bett auch mal zu verlassen - wie auch immer man meinen Arbeitseifer beurteilen mag, ich hab's doch hier und da hingeschafft, und ein paar Fortschritte erzielt - wie auch immer das passiert ist. Noch starre ich zwar nicht im Schweiße meines Angesichts auf irgendwelche miserablen Bilder und frage mich, wie zur Hölle ich in dieses Chaos geraten bin. Das wird sicher noch passieren, angesichts der sechs Wochen Arbeitszeit für's nächste Projekt und meinem völlig abgedrehten, miserabel umsetzbaren, aber letztlich von Paul akzeptiertem Konzept. 
Aber immerhin weiß ich nun, wohin mich dieses Semester führen wird - das Leitthema ist HIV/AIDS, und das wird sicher etwas tiefgründiger als der Zirkus- und Theaterkram der letzten Zeit. Das schadet den grauen Zellen sicher nicht. Apropos Zirkus: Ich war dann am Sonntag noch dreieinhalb Stunden im neuen Trainingszentrum von NoFit State, und ach, war das alles herzig. Es war Tag der offenen Tür, und sie brauchten Fotografen, und überall wuselten kleine Prinzessinnen und Spidermans herum und alles freute sich und lachte. Das brauche ich öfter, in nächster Zeit, fürchte ich, auch wenn die neue Kamera auf Dauer doch ganz schön schwer ist, und die Entscheidung, welches der 500 niedlichen Prinzessinnen-Bilder wieder zu löschen, auch nicht ganz einfach.

Dienstag, 28. Januar 2014

Gummistiefel und Automatenbier

Als Kind hatte ich ein Buch mit vielen Bildern und wenig Text, in dem von einem kleinen Jungen erzählt wurde. Dieser kleine Junge bekam knallrote Gummistiefel und hüpfte fortan glücklich in jede Pfütze, die er fand, ohne je nasse Füße zu bekommen.
Im Newport dieser Tage träume ich oft von diesen Gummistiefeln, insbesondere heute, als ich mit Schrecken feststellen musste, dass meine Lieblings-Schuhe an den Hacken Löcher haben und so gar überhaupt nicht mehr regendicht sind. (Keine Sorge, liebe Eltern, das Kind hat noch andere Schuhe, die durchaus funktionstüchtiger sind.) Es regnet beinahe ohne Unterlass - der walisische Winter ist eben doch eher nass als weiß, auch wenn gern Gegenteiliges behauptet wird. Das ist noch schlimmer als in der Schweiz, wo ich keine Berge sah, weil sämtliche Alpen sich in grauen Regenwolken versteckten.
Aber was hilft das Jammern? Nichts. Die Schweiz war auch so sehr unterhaltsam. Besonders gefiel mir Winterthur, das für die immerzu sauberen und konservativen Schweizer Verhältnisse mit durchaus alternativer Clubkultur aufwarten kann, und Zürich, diese graue, hässliche, teure Stadt am Limmat, die doch ihre kleinen, feinen, künstlerischen Geheimecken hatte - samt Party im Künstler-Atelier (mit Bier aus strassbeklebten Automaten) und einer wunderbaren Ausstellung im Helmhaus. - Jetzt klingt es so, als hätten wir nur gefeiert, da unten. Nein, nein, wir sind auch viel hin und her gefahren, haben Kisten geschleppt, Raclette-Angebote abgelehnt, und nicht einmal die Schweizer Polizei konnte uns etwas Regelwidriges nachweisen, als sie uns und unser britisches Auto namens "Hedd" zu kontrollieren meinte. Da ist so ein Automaten-Bier schon mal verdient.
Von Frankreich haben wir auch sehr viel gesehen, da unser Navi auch garantiert den kürzesten Weg suchen musste, und uns auf so einige schmale Landstraßen durch winzige, verlassene Dörfer lenkte. "Durch die Pampa in Frampas!" Inklusive günstiger Pizza in Bethune und noch günstigerem Hotel in Calais, Champagner-Straße in der Champagne, und sehr vielen Kriegs-Denkmälern auf der gesamten Strecke, war der Roadtrip mit so einigen Überraschungen gesegnet. Und lasst euch sagen: In einem Ford Focus schläft es sich gar nicht so schlecht.
Unterdessen fing der Uni-Alltag wieder an, und heute gab's die Einführung ins Theorie-Modul. Ganz viel Literatur müssen wir lesen, wichtig, wichtig, und ganz viel über den Tellerrand schauen - darin habe ich genug Übung, finde ich, und mache mir keine Sorgen, denn das letzte Essay ist mit exzellenter Bewertung zurück gekommen (Punktabzug nur für fehlende Seitenzahlen in den Referenzen, ups). Morgen steht die Feedback-Runde für die praktische Arbeit an. Es bleibt spannend. Nass bleibt es vermutlich auch. Am Freitag steht die Einführung für das nächste praktische Projekt an. Bis dahin verkrieche ich mich also unter meinen Decken, bearbeite ein paar Bilder, und träume mich zurück in die Schweiz.