Heute war ich den ganzen Tag unterwegs, denn wir haben von der Uni aus einen Abstecher zum "Format International Photography Festival" in Derby gemacht. Derby ist eine relativ kleine Stadt in den englischen Midlands, in Verbindung mit der Fotografie jedoch dank des Festivals und eines renommierten Studiengangs recht bekannt ("Newport" flößt den meisten dann aber doch mehr Ehrfurcht ein, Suzie hat es heute ausprobiert.) So ist heute frühmorgens eine bunt zusammengewürfelte Truppe aus allen drei Jahrgängen und Dozenten aufgebrochen, um drei Stunden später noch etwas müde aus dem Bus zu purzeln.
Angefangen haben wir alle mit der Ausstellung unseres Dozenten Ken Grant - mit Einführung des Fotografen, versteht sich. Das Format-Festival steht in diesem Jahr ganz im Zeichen von "work" und "factory" und Ken zeigte uns einige frühere, sehr stimmungsvolle Werke aus der Zeit der Wirtschaftskrise in seiner Heimatstadt Liverpool. Davon prächtig eingestimmt, machten wir uns auf den Weg, um die über die Innenstadt verstreuten Ausstellungsorte aufzuspüren und viele, viele Fotografien zu sehen. Der vorweg als Geheimtipp gehandelte Brian Griffin enttäuschte die meisten von uns, doch später fanden Kieran, Dek und ich viel, was uns begeisterte. Erik Kessels' Werk etwa, das mit riesengroßen Prints und fabelhafter Aufmachung den Charme alter Familienalben heraufbeschwört - ausgeschnittene Köpfe, Risse, Brandflecken und Kommentare inklusive. Gazi Nafis Ahmed, der Fabrikarbeiter aus Bangladesh zeichnen lässt und so den Albtraum von H&M produziert. Ian Teh, der die rauhe Industrielandschaft Chinas in meisterhaften Kompositionen porträtiert. Sebastian Liste und seine rauhen Portraits aus einem Leben in einer verlassen Schokoladenfabrik in Brasilien. Paul Wenham-Clarke, der mit Augenzwinkern von dem stillen Leben falscher Körperteile erzählt. Die in einem kleinen, gelben Wohnwagen untergebrachte Caravan Gallery, die mit viel Humor Straßenfotografie eine ganz neue Bedeutung verleiht. Das Bild oben stammt aus der Präsentation des Beijing Silvermine-Archivs, das bereits weggeworfenen Negativen zu etwas Berühmtheit verhilft. Und ich könnte die Liste fortführen und fortführen: Thais Medina, Oliver Eglin, David Chancellor...
Auch Derby trug viel zur Begeisterung bei, mit geschickt ausgewählten Ausstellungsorten, etwa einer alten Kirche, einer ehemaligen Schokoladenfabrik (eine andere als bei Sebastian Liste), oder eben dem kleinen, gelben Wohnwagen. Die Stadt bezirzt einen außerdem mit einer niedlichen, uralten Innenstadt - nur das Wetter wollte heute nicht charmant sein, sondern kalt, grau, neblig und nass. Aber auch mit kalten Füßen lässt es sich gut Fotos ansehen. Schade nur um die Fotobücher, die gerade in den recht offenen Ausstellungsorten (Kirche, Fabrik) frieren und wellig werden - schon am ersten Ausstellungstag ließen sich die Opfer finden.
A propos Fotobuch: Zum Eröffnungswochenende wurde auch ein großer Fotomarkt geöffnet, mit vielen Ausstellern und tollen Angeboten. Nun habe ich es natürlich geschafft, mich gerade in das Buch zu verlieben, das nicht preisreduziert, sondern gar noch signiert und in arg limitierter Auflage vorhanden (in diesem Fall das einzige Exemplar in Derby) war...aber...es ist toll... Bücherfreunde müssen eben manchmal hungern. So ist das Leben.
"My precious..." Die Verleger haben mir versprochen, mir Suppe zu kochen, falls ich zu sehr hungern sollte.
Komm mal vorbei..und bringe dieses Buch mit.
AntwortenLöschenMach ich.
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