Montag, 12. August 2013
Mutti, Mutti...!
Als ich neulich so in Berlin weilte, hatte ich folgenden Gedanken: Man müsste ein Kind (oder einen Papageien) bei sich haben, das darauf abgerichtet ist, bei jedem verdächtigen Wesen den Finger auszustrecken und zu rufen: "Mama, schau mal, schon wieder so ein Hipster!" Ach, das wäre lustig, besonders in vollen S-Bahnen. Ob den Hipstern dann wohl der Bart aus dem Gesicht fallen würde?
Samstag, 10. August 2013
Keep on trockin'
Heute hat das Brüderchen mich ohne Verirren zum Admiralspalast geführt (mit einer Extrarunde über diverse Buchläden in Kreuzberg, aber das war geplant und bewilligt). Im Palast (hach!) angekommen, kribbelte uns ein wenig der Magen, denn uns war nicht so richtig klar, was uns erwartete - Ballett, Männer und lustig, so viel dachten wir und hatten wir gehört, aber genauere Vorstellungen gab es nicht. Das Programmheft versprach dann gleich schon mal: "Für Ballettfans wie Tanzneulinge gleichermaßen großartig", das beruhigte uns ein wenig - und kurz darauf mussten wir weinen:
Vor lachen, versteht sich! Denn schon die im affektierten, russisch eingefärbten Deutsch vorgetragene Ansage zahlreicher "Änderungen des Programms" schmiss uns fast von den Stühlen. Kurz darauf standen die Damen/Herren live auf der Bühne und begeisterten uns mit einer Parodie von Schwanensee, und so lachten und weinten wir zwischen Kronleuchtern und Samtstühlen, beklatschten den technisch perfekten Spitzentanz und ließen uns nur zu bereitwillig noch eine Zugabe aus Riverdance geben.
"Das ist ja voll die Ballett-Verarsche!", ließ ein kleines Mädchen in der ersten Pause verlauten. Ja, doch - aber eine sehr liebenswürdige, sehr gelungene, und man muss als Mann auch erstmal Ballett tanzen können, um den sterbenden Schwan so gekonnt zu vergeigen.
Vor lachen, versteht sich! Denn schon die im affektierten, russisch eingefärbten Deutsch vorgetragene Ansage zahlreicher "Änderungen des Programms" schmiss uns fast von den Stühlen. Kurz darauf standen die Damen/Herren live auf der Bühne und begeisterten uns mit einer Parodie von Schwanensee, und so lachten und weinten wir zwischen Kronleuchtern und Samtstühlen, beklatschten den technisch perfekten Spitzentanz und ließen uns nur zu bereitwillig noch eine Zugabe aus Riverdance geben.
"Das ist ja voll die Ballett-Verarsche!", ließ ein kleines Mädchen in der ersten Pause verlauten. Ja, doch - aber eine sehr liebenswürdige, sehr gelungene, und man muss als Mann auch erstmal Ballett tanzen können, um den sterbenden Schwan so gekonnt zu vergeigen.
Freitag, 9. August 2013
In der Irre und in der Ferne
Mein Bruder meinte heute, mir Berlin zeigen zu müssen - besonders ausführlich. Soll heißen, er trägt sämtliche Verantwortung dafür, dass ich dem S-Bahnhof, an dem wir eigentlich aussteigen sollten/wollten, nur träge zuwinken konnte, während wir daran vorbeifuhren - um eine 30-Minuten-Extrarunde einzulegen.
Nach Irren und Wirren sind wir aber gut in seiner Studentenbude angekommen, haben uns die Wuhlheide und Umgebung angeguckt, haben lecker Schokolade und Kuchen schnabuliert, dem Känguru gelauscht und waren einkaufen - zweimal! Juhu, Berlin! Morgen geht's zu den Les Ballets Trockadero de Monte Carlo, fein!
Grüße aus Berlin!
Nach Irren und Wirren sind wir aber gut in seiner Studentenbude angekommen, haben uns die Wuhlheide und Umgebung angeguckt, haben lecker Schokolade und Kuchen schnabuliert, dem Känguru gelauscht und waren einkaufen - zweimal! Juhu, Berlin! Morgen geht's zu den Les Ballets Trockadero de Monte Carlo, fein!
Grüße aus Berlin!
Donnerstag, 8. August 2013
Das Feinste vom Feinsten?!
Diese kleine Guardian-Blogliste der schlechtesten/unnötigsten Best-Of-Alben aller Zeiten hat mich heute doch sehr erheitert (allein der Künstlername "Kula Shaker", hahaha!). Wenn auch nur, bis ich zum Schluss der Liste meine Lieblings-Jugendsünde Blue entdecken musste. Blue? Auf einer Liste, die schlimme Dinge aufzählt? Blue auf einer Liste mit Toploader??? Nein, nein, nein, das konnte, durfte! nicht stimmen. Aber dann las ich, dass Blue angeblich mehr Best-Of-Alben als Studio-Alben veröffentlicht hätten. Ich stutzte, schaute ins CD-Regal, zählte nach. Stimmt. 5 zu 4. Peinlich, das. Meine Lieblings-shakethebooty-Jungs verkaufen sich auch nur wie jeder andere Arsch im Showgeschäft, den keiner haben will... schnief.
Dienstag, 6. August 2013
Die lieben Kröten
So wie es aussieht, bekomme ich für's zweite Jahr doch tatsächlich Geld von der britischen Regierung, um mein Studium zu finanzieren! Yippiiiiie.
Systematisierung
Ich wurde heute systematisiert. Das bedeutet, mein Arbeitsbereich in meinem Job wurde, zwecks Einheit in allen Filialen deutschlandweit, in ein System gezwungen, dem ich nun bis ins Detail zu folgen habe. Dazu habe ich heute eine dreistündige Schulung durchlaufen, in der mir eben diese Klein- und Feinheiten erläutert und gezeigt wurden. Es gibt jetzt Listen, die ich abhaken muss, und Aufkleber, die ich mit Daten versehen muss, und Wasserhähne, die ich auf- und zudrehen muss, und vier Ordner, die ich mir einverleiben darf. Und wenn ich damit fertig bin, muss ich zählen, und zwar alles, was nicht bei drei in den Lagern ist. Das dient zunächst der corporate identity und zweitens Versicherungsgründen, drittens der Hygiene - und viertens der Kontrolle. Denn klauen wird bei einer täglichen Inventur ganz schön schwierig, und auch in zwei Jahren sind Arbeitgeber, Bund und Land durch die lieblich ausgefüllten Listen in der Lage, nachzulesen, ob ich in meinem Sommerjob denn auch wirklich zweimal pro Woche die Schubladen von unten abgewischt habe.
Bürokratie vom feinsten, und wieder einmal die Erkenntnis: Im System wird der Mensch immer mehr zur Maschine.
Bürokratie vom feinsten, und wieder einmal die Erkenntnis: Im System wird der Mensch immer mehr zur Maschine.
Donnerstag, 1. August 2013
Review: "Jonathan Strange & Mr Norrell", Susanna Clarke
Es ist August, und somit der erste Monat, in dem das kleine Antiquariat am Wendehafen nicht mehr existiert. Das ist ganz schön traurig, vor allem in der Hinsicht, dass ich den Laden erst im Juli für mich entdeckte. Wenigstens einen Schatz fand ich immerhin dort: Susanna Clarkes Jonathan Strange & Mr Norrell, in einer wunderschönen, illustrierten dreibändigen Schuber-Ausgabe, in der Original-Sprache Englisch. Nun ist es verschlungen und verdaut, und ich bin irgendwie glücklich.
Jonathan Strange & Mr Norrell erzählt davon, wie die Magie zu Anfang des 19. Jahrhunderts nach Großbritannien zurückkehrt. Norrell, der zunächst einzige praktizierende Magier im Land, und sein Schüler Strange sind sich bald uneinig, wie weit sie ihre Macht einsetzen können und dürfen. Als ein trickreicher, mies gelaunter Feen-König ins Geschehen eingreift, weil er sich in den Kopf gesetzt hat, einen seiner Günstlinge zum neuen englischen König zu machen, und Großbritannien sich im Krieg gegen Napoleon nicht mehr zu helfen weiß, müssen beide Zauberer weitreichende Entscheidungen treffen, die - Magie hält, wie man spätestens seit Harry Potter weiß, ja immer einige Fallstricke bereit - gerne mal das Gegenteil vom Erwünschten erreichen. Während Strange und Norrell sich zunehmend bekriegen, wird die Gefahr von außen immer drückender, bis hin zum packenden Showdown.
Nachdem ich eine ganze Weile der Fantasy den Rücken gekehrt hatte, bin ich spätestens seit Der Kleine Hobbit wieder offen dafür - und ich muss sagen, in diesem Fall hat es sich gelohnt. Susanna Clarke schreibt ganz wunderbar und allein für gute Autoren lese ich gerne. Clarke hat sich ein Beispiel am populären Schreibstil des 19. Jahrhunderts genommen und ihren Stil behutsam angepasst - in der Rechtschreibung, in den rhetorischen Mitteln, der Erzählweise. So liest es sich gleichzeitig modern, spannend und doch, als wäre man in einer ganz anderen Zeit, ganz woanders.
Das Buch nimmt langsam Tempo und Action auf, führt erst geruhsam ins noch magiearme Großbritannien ein, zieht durch die Kriegszeiten an, bevor am Ende (fast ein wenig hektisch) Schlag auf Schlag und Zauber auf Zauber folgt. Es ist sorgsam recherchiert worden, und die englische Gesellschaft und der Krieg werden wortreich und vielfältig beschrieben. Die Gestalten sind mitunter kurios, und hier und da blitzt ein schalkhaftes literarisches Augenzwinkern auf, oder eine wahrlich slapstick-hafte Szene, die den Roman zu einem wahren Vergnügen machen. Keine der Figuren (auch die bisweilen sehr liebenswürdigen Nebenfiguren) ist einseitig, nie fehlt es an Antrieb oder Charakterisierung, und so manche Wendung ist wirklich kaum vorhersehbar - wie auch, bei der ganzen Magie wissen selbst Strange und Norrell nicht immer, was passieren wird. Das macht es so spannend, dass ich das Buch manchmal kaum weglegen wollte.
Für mich ist es auch immer ein gutes Zeichen, wenn ein Buch ein Kopfkino auslöst, wenn ich den Text quasi schon auf der Leinwand sehe. Clarke hat ein ganzes Sammelsurium an wunderschönen Bildern herauf beschworen, und das Buch zählt ab jetzt zu einem meiner Liebsten - ich kann es euch allen nur empfehlen. Jonathan Strange sieht übrigens, wenigstens für mich, aus wie James McAvoy.
Jonathan Strange & Mr Norrell erzählt davon, wie die Magie zu Anfang des 19. Jahrhunderts nach Großbritannien zurückkehrt. Norrell, der zunächst einzige praktizierende Magier im Land, und sein Schüler Strange sind sich bald uneinig, wie weit sie ihre Macht einsetzen können und dürfen. Als ein trickreicher, mies gelaunter Feen-König ins Geschehen eingreift, weil er sich in den Kopf gesetzt hat, einen seiner Günstlinge zum neuen englischen König zu machen, und Großbritannien sich im Krieg gegen Napoleon nicht mehr zu helfen weiß, müssen beide Zauberer weitreichende Entscheidungen treffen, die - Magie hält, wie man spätestens seit Harry Potter weiß, ja immer einige Fallstricke bereit - gerne mal das Gegenteil vom Erwünschten erreichen. Während Strange und Norrell sich zunehmend bekriegen, wird die Gefahr von außen immer drückender, bis hin zum packenden Showdown.
Nachdem ich eine ganze Weile der Fantasy den Rücken gekehrt hatte, bin ich spätestens seit Der Kleine Hobbit wieder offen dafür - und ich muss sagen, in diesem Fall hat es sich gelohnt. Susanna Clarke schreibt ganz wunderbar und allein für gute Autoren lese ich gerne. Clarke hat sich ein Beispiel am populären Schreibstil des 19. Jahrhunderts genommen und ihren Stil behutsam angepasst - in der Rechtschreibung, in den rhetorischen Mitteln, der Erzählweise. So liest es sich gleichzeitig modern, spannend und doch, als wäre man in einer ganz anderen Zeit, ganz woanders.
Das Buch nimmt langsam Tempo und Action auf, führt erst geruhsam ins noch magiearme Großbritannien ein, zieht durch die Kriegszeiten an, bevor am Ende (fast ein wenig hektisch) Schlag auf Schlag und Zauber auf Zauber folgt. Es ist sorgsam recherchiert worden, und die englische Gesellschaft und der Krieg werden wortreich und vielfältig beschrieben. Die Gestalten sind mitunter kurios, und hier und da blitzt ein schalkhaftes literarisches Augenzwinkern auf, oder eine wahrlich slapstick-hafte Szene, die den Roman zu einem wahren Vergnügen machen. Keine der Figuren (auch die bisweilen sehr liebenswürdigen Nebenfiguren) ist einseitig, nie fehlt es an Antrieb oder Charakterisierung, und so manche Wendung ist wirklich kaum vorhersehbar - wie auch, bei der ganzen Magie wissen selbst Strange und Norrell nicht immer, was passieren wird. Das macht es so spannend, dass ich das Buch manchmal kaum weglegen wollte.
Für mich ist es auch immer ein gutes Zeichen, wenn ein Buch ein Kopfkino auslöst, wenn ich den Text quasi schon auf der Leinwand sehe. Clarke hat ein ganzes Sammelsurium an wunderschönen Bildern herauf beschworen, und das Buch zählt ab jetzt zu einem meiner Liebsten - ich kann es euch allen nur empfehlen. Jonathan Strange sieht übrigens, wenigstens für mich, aus wie James McAvoy.
Abonnieren
Posts (Atom)
