Montag, 21. Januar 2013

Usk Valley Walk

Es liegt immer noch ein bisschen Schnee draußen, aber es war vorgestern, als ich die Zwerge aus dem Hobbit beim Wort nahm ("far over the misty mountains high...") und in mein eigenes kleines Abenteuer aufbrach. Das war zunächst etwas unabsichtlich, denn eigentlich wollte ich nach Christchurch, einem kleinen Dorf eine Meile von Caerleon, um dort Fotos vom verschneiten Tal zu machen. Christchurch war mir aber nicht hoch genug und nach einigem Laufen und Gucken habe ich schließlich den Usk Valley Walk gefunden.
Dieser ist um diese Jahreszeit nicht mehr als ein verborgener, eingematschter Pfad durch den Wald, aber mit Alice im Wunderland im Hinterkopf kann man sich dort entlang schleichen und hat die wunderbarsten Aussichten.

Das längliche rote Gebäude mit dem Turm und den vielen Fenstern, das so malerisch eingerahmt wird, ist meine Uni.



Freitag, 18. Januar 2013

Endlich

Endlich!

10 Zentimeter! Dabei ist Newport noch nicht mal in der roten Zone der BBC-Wetterkarte, anderswo haben sie einen halben Meter und mehr. Wer sich in Deutschland noch darüber aufregt, dass dann "gar nichts" mehr funktioniert, wird sich hier nur verwundert die Augen reiben: Die Busse fahren nicht mehr, die Universität ist geschlossen, viele öffentliche Einrichtungen machen wegen der "Sicherheitslage" dicht. Auch geschlossene Flughäfen und Bahnhöfe wurden gemeldet. Schisser.
Jenna und ich haben es uns gemütlich gemacht und unsere Mitbewohnerinnen mit einem großen Frühstück mit Pfannkuchen, Porridge, Eiern und Speck überrascht. Es galt sich zu stärken, denn draußen auf dem Rugby-Feld tobte bereits die größte Schneeballschlacht Newports. Geronimooo!

"Und es lagen acht Meter Schnee... nebeneinander..."

Donnerstag, 17. Januar 2013

Tiefenentspannt

Dieser Tag war von verschiedenen Phasen geprägt:
Zuerst war da der Stress. Aufstehen, aufspringen! Denn schon in der Nacht hatte das Handy geklingelt, ein Kieran am anderen Ende der Leitung: Ob man denn Fotos beschneiden sollte, wenn das besser aussähe? Und der nächtliche Einfall: Du hast dein Notizbuch gar nicht mehr fertig gemacht. Also nicht frühstücken, sondern in den Computerraum, das Notizbuch fertig machen, ah, Eile, Eile, Eile, schnell ein Brot, hin zur Abgabe, Abgabebögen ausfüllen, falsche Modulnummer eingetragen, fix berichtigen, anstellen -
Und weg ist sie, meine ganze Arbeit. 25 Bilder liegen nun in Clives, Kens und Pauls Händen. Eine Erleichterung, und eine tiefe Müdigkeit macht sich breit. Achtzehn Minuten Freiheit, bevor es weitergeht. Ich sitze im Flur auf dem Boden und kann kaum den Kopf heben, geschweige ein vernünftiges Wort Englisch reden. Es ist geschafft. Und allmählich kommt sie auch zurück, die...
Neugierde. Was passiert als nächstes? Was tun, wen treffen? Clive brieft uns für das größte Projekt, dass wir in diesem Jahr machen werden, 13 Wochen, 18 Bilder! Recherche! Interessante Leute! Feedback! Veröffentlichung! Oooooooh... ein großes Staunen, und Bauchkribbeln.
Doch erstmal muss gefeiert werden. Es ist die Zeit der Euphorie, denn wir! alle! haben! das! erste! Semester! geschafft! und wo kann man das besser feiern als im Pub, hoch die Becher, wir sind die Größten. Wuuuuuuuha. Wir sind alle gaga, wir haben alle nicht geschlafen, wir sind alle gut drauf, wir sind alle so fertig. Die ersten Ideen springen hin und her: Ich will das machen, ich will das machen. Kann Clive sich wirklich schon vorstellen, wie wir im dritten Jahr so drauf sind? Wir können uns gerade nur im Pub vorstellen, Party. Blog-Eintrag verfassen: Sie ist weg!
Und dann die Leere. Die Zeit nach dem Sturm. Die Regale sind leer. Es ist kaum noch etwas zu essen da. Milch ist alle. Brot ist alle. Ich rappele mich auf. Es ist Zeit, einzukaufen. Kieran und ich fahren in die Stadt. Kieran hält im Bus Sekundenschlaf. Nur langsam sinkt die frische Luft ein, nur langsam bekommen wir die Augen wieder auf. Alles fällt einem ein. Man sollte sich ums Haus für's nächste Jahr kümmern. Endlich die Politik-Gruppe gründen, die man gründen wollte. Ein paar Sessions für den Kurs organisieren. Die Fahrt zum G8 nach Irland im Juni planen. Flüge buchen, damit man die Heimat wieder sieht. Und Stroopwaffeln beim Lidl kaufen, um zu feiern.
Und dann ist man endlich zuhause...und ist tiefenentspannt. Am 28. Januar muss ich schon wieder Ideen vorstellen, aber bis dahin ist ja noch so viel Zeit zum Ausschlafen, ins Kino gehen, Tee trinken, Doctor Who gucken - diesmal freiwillig. Puuuuuuh.

Ein paar meiner Lieblingsbilder aus dem letzten Semester (alle eingereichten Bilder findet ihr auf meinem Flickr-Account, unter "The Doctor and the TARDIS" und "Photographer as Observer"):










Harrr!

Jetzt ist alles abgegeben, und ich bin wieder allein, allein.

Hatte heute allerdings schon das nächste Briefing für das Projekt für's kommende Semester. Hach... Freiheit...wo bist du?

Mittwoch, 16. Januar 2013

Das passiert, wenn...

...man die Menge der Fotos, die man so über ein Semester verschießt, unterschätzt:
...man muss 11 CDs einreichen, wenn man vergisst, DVDs zu kaufen. Und erst am Vorabend der Abgabe beschließt, endlich mal die Bilder zu brennen. Was dann überhaupt nicht lustig ist, ist, wenn einem dann noch ein Kollege via Facebook flüstert, man hätte ja auch per Photoshop contact sheets erstellen können, dann hätte das auch schön alles auf eine CD gepasst... und man auch erst in dem Moment realisiert, dass die Dozenten in ihrer Forderung, "digital contact sheets" einzureichen, vielleicht wirklich digital contact sheets und nicht etwa, wie alle es dir erzählt haben, "alle deine jpegs auf ein paar CDs" meinten...
Traue niemals deinen Kommilitonen!
Clive & Co bekommen jetzt elf CDs. Ich will ins Bett. So.

Dienstag, 15. Januar 2013

Und weg...

Wech isses, das Essay. In den treusorgenden Händen von Colin. Jetzt muss ich es nicht mehr hegen und pflegen, und mir auch keine Gedanken mehr machen um sein Wohlergehen. Möge es groß und stark genug sein, um unter den strengen Augen seines neuen Gebieters zu bestehen, und möge sein treuer Knappe, der "Recherche-Ordner" (Schreibblock mit vielen eingeklebten Bildern und ein bisschen Geschreibsel), ihm treu zur Seite stehen, auf dass mich am Ende vielleicht noch eine Belohnung erwartet.
Ich bin dann auch mal weg. Heute morgen habe ich mich schon dreieinhalb Stunden in der Print-Suite versteckt. (Ist das nicht nobel? Alles heißt hier "Suite"... Computer-Suite, Print-Suite, en-suite...es sind dann aber zumeist doch nur popelige, kleine, schlecht beleuchtete Räume.) Jetzt sind alle meine Drucke fertig und müssen nur noch mit Titeln versehen werden, um am Donnerstag abgabebereit zu sein. Damit bin ich meinem Zeitplan weit voraus - was bedeutet, dass ich jetzt erst einmal schlafen gehen kann. Und noch ein bisschen Doctor Who gucken kann.
In den letzten Tagen führe ich oft Gespräche wie:

KOMMILITONE (gehetzt und erschöpft. Hat offensichtlich noch eine lange Nacht vor sich, weil sein Essay 3000 Worte zu viel hat): Und was machst du jetzt noch so?
ICH (auch müde, weil den ganzen Tag geklebt und geschreibselt): Doctor Who gucken...
KOMMILITONE (einen Schimmer von Hass in den Augen): Brlllp.
ICH (hastig): ... was nach mehr Spaß klingt, als es ist, weil ich mit einem Block neben dem Computer sitze und alle Zitate notieren muss, um sie als Bildüberschriften verwenden zu können.
KOMMILITONE (leicht versöhnt): Wenn das so ist... gute Nacht.

Ja, ich habe ein hartes Leben. Aber mal unter uns, Doctor Who als eine der wichtigsten Aufgaben in der Abgabe-Woche zu haben, ist echt super.
Das mit den 3000 Worten ist Kieran übrigens wirklich passiert. WIE?

Freitag, 11. Januar 2013

Licht

Sonnenschein ist etwas Tolles. Ähnlich wie in der Heimat zeigt sich die Sonne auch in Wales nicht so häufig, wie man es sich manchmal wünscht. Und wenn sie es dann doch tut, dann unerwartet: Als ich heute morgen zur Dunkelkammer gelaufen bin, war es kalt, nass und neblig. Als ich wieder rauskam, war die Sonne da. Und ich hatte grad drei Stunden in der Dunkelheit verbracht, um zwei gute Fotos zu produzieren! Und da scheint das Biest mir direkt mit voller Kraft in die Augen! Ich war blind! 
Ach, die Leiden des Fotografen. "Gutes Licht", haha. Das gibt es gar nicht.

Die Ergebnisse mühseligen Entwickelns und Belichtens. Hatte ich erwähnt, dass ich Farbfilm mag? "It's so meditative", wie Denise heute weise (in der Dunkelkammer erleuchtet!) sprach.